„Laß, laß! Ich bin nicht so schwach, wie du denkst.“
„Doch, entsetzlich schwach — eben, weil du so namenlos lieben kannst. Ich weiß es — weiß es besser als du selbst.“
Der Revolver war nicht fertig, das brachte ihn ganz außer sich.
„Ich weiß nur einen Weg; ich muß zu Büttner gehen. Der zieht erst nächste Woche hinaus, der gibt mir seine Pistole. Aber die Zeit — unsere paar armseligen Stunden schmelzen zusammen!“ Er sah auf die Uhr: „Halb elf schon, eine halbe Stunde geht darauf bis zu Büttner, der am anderen Ende der Welt wohnt; dann zur Kaserne, damit der Bursche packen kann, und dabei bin ich schwach vor Hunger.“
Er hielt sie im Arm und sagte nichts mehr.
Um seinen Mund lief ein Zucken, die Augen sahen in die Ferne. „Ich wollte, es wäre morgen. Ich kann nicht mitansehen, wie du dir selbst etwas von Stärke und Mut vorlügst.“
Der Kamerad gab seinen Revolver ohne weiteres.
„Nun hinaus zur Kaserne. Schofför, so schnell wie irgend möglich!“
Mitternacht nahe.
„Bist du froh, daß das Jungchen mit will? Ich hätte es ihm nicht zugetraut. So eine schmale Brust und so ein Muttersöhnchen! Der soll in ein paar Wochen gegen die Russen gehen! Grüß ihn von mir! Sag’ ihm meine Hochachtung! Wie hat sich die Welt verändert in diesen paar Tagen! Man hat es ja immer gewünscht, daß die Luft rein wurde. Man hat auch geglaubt, in dem Augenblick, da es einmal eintrete, ganz Flamme, ganz Begeisterung zu sein, und bleibt dann doch an sich selber hängen, statt im Großen aufzugehen. Ich kann dir nicht sagen, wie ich mich um dich gräme!“