„Tue es nicht!“

Aber sie weinte an seiner Brust und sagte in jammervollem Ton: „Ich bin nicht schwach, ich bin wirklich nicht so schwach, wie du denkst.“

Die Kaserne war erreicht. „Hier mußt du nun eine gute Viertelstunde auf mich warten.“

Da sah sie alles um sich herum in krasser, entsetzlicher Trostlosigkeit. Die ganze Welt in furchtbarer Disharmonie; die ganze Welt voll blutender, zerrissener Herzen, Barbarei, Vernichtung, Greuel und Entsetzen; wo war das Große, das Erhebende, das der Krieg bringen sollte?

Ach nein, nur die Nacht, nur der Abschied machten schwach und klein; sobald der bittere persönlichste Schmerz überwunden war, mußte eine jede sich zu der Größe aufraffen können, die diese blutige Zeit erfordert. Jetzt aber barg sie das Gesicht in den Händen, jetzt wollte der heiße Schmerz sie ersticken. Der Mann und der Junge! Die beiden Pole ihres Lebens!

Dann war er wieder bei ihr und zog sie in seine Arme. „Zwei Stunden noch für uns! — — Komm, sei gut, sei gut! Sag’ mir noch einmal, daß du mich geliebt hast! Denk’, wir ständen beide vor der letzten Stunde unseres Lebens und wollten in diese Stunde noch einmal alles hineinpressen, was wir uns zu geben haben. — —“

Als das erste zaghafte Morgenlicht mit der Dämmerung kämpfte, stand sie im grauen, endlosen Kasernenhof neben ihm. Steil ragten die Mauern in die Höhe — beklemmend, düster, dräuend. Aus Türen und Toren quollen Menschen. Unermeßliche Scharen von Menschen.

Schauernd stand sie an seiner Seite. Die grauen Massen ordneten sich zu Zügen. Kommandorufe erschallten! Abzählen — aus der Ferne Pferdegetrappel. Von hinten her wurden gewaltige Munitionswagen sichtbar.

Eine halbe Stunde verging, Namen wurden verlesen, Befehle ausgerufen; dann eine Ansprache — kurz, wuchtig! Und Bewegung kam in die Reihen.

„Leb’ wohl!“