„Du sagst das immer so, als ob ich etwas gegen deine Heirat gehabt hätte, Großmutter,“ meinte Maria.

„Das würde dir auch wenig genutzt haben,“ rief die Großmutter und sah einen Augenblick triumphierend aus, aber dann wurde ihr Gesicht wieder weich.

„Ich hatte einmal in einem Buch gelesen, Maria, daß eine Ehe zwischen alten Leuten, die des Lebens Stürme hinter sich haben, unendlich gut und schön sein müßte. Das ist mir nicht aus dem Sinn gegangen, und als ob es so hätte sein sollen, mußte der Großvater, der sich ebensosehr vor der Einsamkeit wie ich fürchtete, mir in den Weg laufen. Schickung! Und ich muß gestehen, nachdem er seine großen Eigenheiten, die er anfänglich durchsetzen wollte, abgelegt hat, sind wir recht glücklich zusammen. Er tut, was ich will, und hat keinerlei Launen mehr. Das ist eine große Kunst für eine Frau, sich den Mann so zu ziehen, wie sie ihn haben will, eine Kunst, von der du nicht viel verstehst, Maria. Du würdest dich in den ersten zwei Wochen unterkriegen lassen.“

„Darum habe ich ja auch nicht wieder geheiratet, Großmutter.“

„Schlimm genug für dich und den Jungen, der ohne Vater aufwachsen mußte.“

„Ist denn der Junge nicht sehr gut groß geworden? Du tust mir wirklich oft Unrecht, Großmutter.“ Aber dann kam der wilde Schmerz all dieser Tage wieder in ihr auf; sie warf den Kopf in die Arme und weinte.

„Vielleicht ist alles zwecklos gewesen, alles umsonst!“ Großmutter ließ sie eine Weile so liegen, dann hob sie ihr den Kopf in die Höhe.

„Das Weinen hat gar keinen Zweck, Maria. Damit änderst du absolut nichts und machst nur dich selbst elend.“

Sie war sehr gut und weich in diesen Augenblicken und zog den Kopf der Schwiegertochter an ihre Brust.