War das noch Ernst Hiller, der sich nichts zugetraut hatte? War das noch der ernste Junge, der Philosoph, der Professor, der Grübler, der jugendliche Weltverachter?

Nein! Das ganze Leben, das vorangegangen war, war jetzt ein Blödsinn — eine Wertlosigkeit — oder wenn es schon einen Wert gehabt hatte, dann war es doch nur der, daß es vorbereitet hatte für das, was nun zu erfüllen war. —

Er hatte hundertzwanzig Mark in der Tasche, als er mit den zwei Freunden, die ebenso wie er nach der altmärkischen Garnisonstadt wollten, das Auto zum Bahnhof bestieg.

Die Zeit war so gewaltig und riß die Menschen zu ungeahnten Höhen; und Ernst Hiller war auf einem großen Weg, war bereit, Blut und Leben für Deutschlands Ehre darzubieten — — aber die hundertundzwanzig Mark in seiner Tasche war doch etwas, was ihn ganz kolossal erhob und ihm eine ungeheure Zuversicht für das, was kommen würde, gab.

„Leb’ wohl, Mutter! In zwei Tagen bin ich wieder da — dann nehmen wir richtigen Abschied!“ Sprang die Treppe hinab, grüßte noch einmal herauf, und fort ging es.

Am Bahnhof großes Durcheinander — der siebente Mobilmachungstag, und die Beamten wissen nicht, wo ihnen der Kopf steht.

Die drei Jungen aber haben ihren Fahrschein vom Kriegsministerium; man darf sie nicht zurückschieben. Sie haben sich zu stellen und müssen befördert werden. Und sie warten geduldig in der heißen Halle, warten Stunde auf Stunde, so wie sie die Tage zuvor in der Kaserne gewartet haben.

Endlich dürfen sie durch — die Menschen quellen durch die geöffnete Sperre, werden von Schutzleuten angehalten — in Reihen gestellt und zu den Abteilen geführt.

Die drei sitzen in der vierten Klasse — sitzen und stehen in dem immer voller werdenden Raum. Aber keiner schimpft über das Gedränge, keines einzigen Miene verzieht sich in Ärger, wenn immer Neue hereinquellen.