Sie lachen — sie reißen Witze — sie sind alle aufgeregt; ein jeder, der hier im Wagen sitzt, macht heute eine Fahrt, die man nur einmal im Leben macht.
Der größte Teil der Fahrenden ist schon in feldgraue Uniform gekleidet; die anderen haben eine Binde um den Arm und einen Packen oder Karton an der Hand. Jeder weiß genau, wo seine Stelle ist. Und da sind so viel große und kräftige Gestalten, Männer mit gewaltigen Brustkasten und eisernen Fäusten und mächtigen Stimmen. Denn in dem Augenblick, in dem der Zug sich in Bewegung setzt, fangen sie an zu singen, alle wie auf Verabredung das eine Lied:
Es braust ein Ruf wie Donnerhall —
Wie Schwertgeklirr und Wogenprall! ...
‚Die Wacht am Rhein!‘ Was anderes sollen sie singen, denn die Feldgrauen fahren direkt über den Rhein — — die anderen werden unterwegs in ihren Garnisonen abgesetzt.
„Lieb Vaterland, magst ruhig sein!“ Und wie Ernst Hiller das Lied aus diesen mächtigen Kehlen schallen hört, wie er diese breiten Männer mit den gewaltigen Brustbreiten und den derben Fäusten rund um sich herum sieht, da kriecht wieder die zermalmende Angst an ihm in die Höhe und frißt sich in seine Seele ein: ‚Wenn sie mich nun doch nicht nehmen! Wenn ich doch zu schwach, zu schmal sein sollte?‘
Und es ist, als ob die Welt sich vor ihm verfinstere, als ob die Sonne, die heiß und leuchtend am Himmel steht, nur für die anderen da sei — für ihn nicht — denn, wenn er zu schwach befunden, wenn er nicht genommen wird, dann mag er nicht mehr leben — dann hat das Leben keinen Sinn für ihn mehr.
Die kindliche Freude an dem Vermögen, das er bei sich trägt, die Begeisterung, die jubelnde Zuversicht — alles ist fort. Die Augen wieder tiefernst, um den Mund der alte überlegene Zug, der den Schmerz verbergen soll, und Ernst Hiller ist inmitten dieser lebensprühenden, heißen, beflügelten Reisegesellschaft wieder der, den sie den Philosophen, den Professor, den Grübler nannten.
Aber nicht lange dauert diese Unterwerfung unter eine bange Vorstellung. Irgendein Feldgrauer, ein älterer schon, auf den man sich verlassen kann, hat an ihn und die zwei Freunde die Frage gerichtet:
„Freiwillige, was? Wo wollen Sie sich stellen?“