„Ich bin ja noch kein Soldat!“ und die Angst wollte sich wieder regen. Jedoch Kaffee, Brot und Zigarren hatten eine frohe Stimmung in der Reisegesellschaft geweckt. Sie sangen wieder — einer hatte eine Ziehharmonika und begleitete — sie sangen ohne Aufhören, bis die Kehlen heiser waren, bis sie keine Lieder mehr wußten.

„Heute sind wir die Herren der Welt!“ schrie ein Feldgrauer. „Heute tausche ich mit keinem Millionär!“

Der kleine Hiller sah bewundernd zu ihm auf. Wenn er doch auch erst so weit wäre! Übermorgen in Belgien! Bei ihnen kam, wenn sie wirklich angenommen wurden, erst noch der lange Drill, und wer weiß, wie weit der Krieg schon vorgeschritten war, wenn sie endlich ausrückten.

Verdammt, daß er sich in den Kopf gesetzt hatte, zu studieren. Er stammte aus einer Soldatenfamilie und fühlte nun plötzlich, daß auch er Soldatenblut in sich trug.

Offizier könnte er sein, wenn er’s gewollt hätte — und mußte nun abwarten, ob sie ihn überhaupt als Freiwilligen nahmen.

Flach und reizlos war die Landschaft, durch die sie fuhren; aber reich und fruchtbar war sie auch — — auf den grünen Weiden buntgeschecktes, mächtiges Vieh und an beiden Seiten der Wege Bäume, die sich unter der Last der Früchte beugten.

Die Sonne sank glührot immer tiefer hinab. Wie ein feuriger Ball schwebte sie eine Weile dicht über der Erde; dann mit einmal war sie fort, und der Himmel, der sich wundervoll hoch und blau gewölbt hatte, schien auch näher zur Erde herabzukommen und ward grau und fahl, und die ganze Welt schien plötzlich stiller und trauriger zu werden.

Es dunkelte, als die drei mit ihren Taschen sich zum Aussteigen rüsteten. „Glück auf!“ riefen ihnen die Soldaten aus dem Zug nach. „Auf Wiedersehen in Paris!“

Sie schwenkten ihre Mützen, „Hurrah!“ Und dann kam eine selige Freiheitsstimmung über die drei Kerle; kein Mensch in der Welt hatte ihnen jetzt etwas zu sagen. Sie standen hier auf dem Bahnhof einer fremden Stadt, hatten ein gefülltes Portemonnaie in der Tasche — konnten tun und lassen, was sie wollten.