„Erster oder zweiter Stock?“
„Gleichgültig!“
Sie ließen sich drei geräumige Zimmer geben. Preis war Nebensache. Die Hände gewaschen und hinunter in den Speisesaal; sie waren hungrig geworden.
Seltsam, das hätte man gar nicht denken sollen, daß in diesem von außen so altmodisch aussehenden Hotelchen ein so anständiger Speisesaal war. An zwei Wänden entlang ausgebaute Nischen, dicker Teppich auf dem Boden und erstklassige Beleuchtung.
In ihren grauen und hellbraunen Sommeranzügen traten sie ein und sahen mit angenehmem Staunen ein buntes Bild. Gleich am ersten Tisch ein Infanterieoberst, der flüchtig aufblickte, als die drei eintraten. Und im übrigen fast nur graugelbe Husarenuniformen: zwei Offiziere, ein paar Junker und eine Anzahl Soldaten — Freiwillige oder Einjährige.
Der Kellner, der ihnen ihre Zimmer angewiesen hatte, führte sie zu einem Tisch und reichte ihnen die Speisekarte. Sie bestellten mit der Freude der ganz Jungen, denen ein Absteigen im Hotel noch etwas Fremdes ist. Sie bestellten das Beste, was sie auf der Karte entdecken konnten, und ließen eine Flasche Wein kommen. So oft ein junger Husar den Saal betrat, blieb er erst, die Hacken zusammengeklappt, am Tisch des Infanterieobersten stehen, dann bei den zwei Offizieren, grüßte die Fahnenjunker und verschwand im Hintergrund.
Die drei, die heute noch freie Leute waren, fühlten sich ein wenig beklommen. Heute noch ging kein Mensch in der Welt sie was an; heute konnten sie ruhig hier in nächster Nähe des Obersten sitzen, ihre Mahlzeit verzehren und ihren Wein trinken, konnten lachen und sich unterhalten, wie es ihnen beliebte. In ein paar Tagen aber, wenn sie Glück hatten, wenn sie angenommen wurden, waren diese hier ihre Vorgesetzten, und sie würden sich wahrscheinlich wie die anderen Husaren ihren Platz in gemessener Entfernung suchen.
Aber es war merkwürdig, auch jetzt fühlten sie sich schon gar nicht mehr ganz frei. Irgendwas lag wie ein leiser Druck auf ihnen. Sie sprachen mit gedämpfter Stimme und sprachen nur über Dinge, die jeder hören durfte. Eine Vorahnung kam in sie. Diese beiden Herren hier in der graugelben Husarenuniform waren vielleicht die, die morgen über sie zu entscheiden hatten, und Ernst Hiller senkte den Kopf und ward blutrot, als er bemerkte, daß einer der Offiziere scharf nach ihrem Tisch hinübersah.
Der wußte natürlich längst, in welcher Eigenschaft sie in diese kleine Stadt und in dieses Hotel gekommen waren: ‚Freiwillige.‘ Wie anders sollten drei junge Burschen den Weg hierher gefunden haben? Sie waren sehr bescheiden geworden, sie aßen nicht ganz mit dem harmlos glücklichen Appetit, mit denen sie die guten Dinge, die ihnen gereicht wurden, vielleicht auf neutralerem Boden verzehrt haben würden. Sie tranken auch den Wein nur in zaghaften Zügen, zahlten und gingen hinaus, um draußen in der dunklen Einfahrt einen Seufzer der Erleichterung auszustoßen.