Was nun? Erst neun Uhr! Da konnte man natürlich noch nicht zu Bett gehen.
Also sah man sich das Nest, in das man gekommen war, mal an. Und mit dem Hochmut der geborenen Großstadtmenschen schlenderten sie über den Marktplatz mit seinen altmodischen Bauten, durch enge Gäßchen mit niedrigen bunten Häusern, um bald in die Hauptstraße, in der noch reges Leben herrschte, zu gelangen.
Plakate und Extrablätter genau so wie in Berlin!
Lüttich war genommen. Die Bonner Husaren hatten sich ausgezeichnet! Das war etwas für sie! Das trieb ihnen das Blut in die Wangen!
Lüttich genommen! Wie das rasend schnell vorwärtsging! Vielleicht war in ein paar Wochen der ganze Krieg ausgefochten, und sie kamen überhaupt nicht mehr heraus. Ernst Hiller fühlte es wie Schmerz in sich aufsteigen. Die Straße zog sich lang und einförmig hin. „Verdammt langweilig, so ein Provinznest!“
Aber da drüben auf der anderen Seite stand an einem unansehnlichen Haus die Aufschrift: ‚Wiener Café‘, und durch große Fensterscheiben strahlte Licht. Also da hinein! Irgend etwas mußte man doch noch unternehmen!
Einen einzigen leeren Tisch noch gab’s im ganzen Lokal, und der stand etwas abseits in einer Ecke. Sie steuerten drauflos und fühlten sich hier sicherer als im Hotel, in nächster Nähe der zukünftigen Vorgesetzten.
Sie ließen Kaffee und Kuchen kommen; Kuchen mit Schlagsahne und einen Likör. Eine kleine Kapelle spielte Vaterlandslieder, und wenn die ‚Wacht am Rhein‘ oder ‚Deutschland, Deutschland über alles‘ einsetzte, stand jeder von seinem Platz auf und sang mit. Es war heiß im Saal und die Luft vom Rauchen so dick, daß man auf zehn Schritte Entfernung niemandes Gesicht mehr unterscheiden konnte; aber es war schön. Das Blut geriet in Wallung — man fühlte die große, gewaltige Zeit, in der man lebte.
Die drei waren jetzt wieder ganz frei geworden.