Je näher die Kaserne kommt, um so langsamer gehen sie. Es ist noch so früh; sie werden eine halbe Stunde warten müssen. Man könnte eigentlich noch ein Stück die Chaussee hinuntergehen; es hat ja keinen Zweck, sich so lang’ in irgendeinem Winkel herumzudrücken. Aber die Sonne meint es sehr gut und man ist müde. Der Südwein hat zwar den Kater vertrieben, aber in den Beinen ist man schwach. Und wie man die Kaserne erreicht hat, macht man ganz von selbst halt und geht den Weg, den all die anderen gehen.

Der Posten der Kaserne läßt sich die Legitimation zeigen; man tritt durch das große Tor ein und hat im selben Augenblick ein merkwürdig zuckendes Gefühl im Herzen, so, als hätte man einen großen, schweren Abschied von irgend etwas genommen.

Dann stehen sie zwischen den Bäumen, die den inneren Kasernenhof einfassen. Kein Mensch kümmert sich um sie; sie stehen da, als seien sie nicht bestellt, sondern als ständen sie auf irgendeinem allgemeinen, gleichgültigen Platz, als gäbe es hier keine Mission für sie zu erfüllen.

Eine Stunde ist vergangen und eine zweite will auch vergehen. Aller Blicke sind auf die einzelnen Ausgänge der Gebäude, die hier in diesen Hof münden, gerichtet. Es muß doch irgend jemand kommen, der sich um sie kümmert.

Ernst Hiller steht an einen Baum gelehnt. Gemeinheit, daß er gestern Sekt getrunken hat! Nun fühlt er sich elend, und die Hitze benimmt ihm den Kopf. Weh ist ihm zumute! Er fühlt sich wirklich nicht wohl — hat Schmerzen im Hinterkopf und zittert mit den Beinen.

Da endlich!

„Stillgestanden!“ dröhnt es über den Platz, und die jungen Menschen, die noch gar keine Soldaten sind, stehen stramm wie die Rekruten da; es kommt Bewegung in die Sache.

Die Papiere werden ihnen abgenommen.

„Vorwärtstreten!“ Und sie gehen in Reihen — immer zwei zu zwei auf eines der Gebäude zu, in einen Flur hinein, bis ein „Halt!“ sie zum Stehen bringt.