„Ein bißchen schnell der Herzschlag! Das ist wohl nur augenblickliche Erregung? Augen sind normal, ja? — Gut — angenommen!“
Wie ein Paukenschlag trifft ihn das Wort: „Angenommen!“ Einen Augenblick ist er wie geblendet — vergißt, daß er hier, wie Gott ihn geschaffen hat, vor den Herren steht und taumelt dann fast ins Vorzimmer zurück.
Er nimmt gar nicht teil am Ergehen seiner beiden Freunde, und als er ein paar Minuten später hört, daß einer von ihnen wegen zu starker Kurzsichtigkeit abgewiesen ist, ist er nicht fähig, das richtig in sich aufzunehmen.
Nur das eine weiß er: Er ist angenommen! Man braucht ihn! Er wird mit hinausreiten gegen Deutschlands Feinde. Und er muß seine ganze Kraft zusammennehmen, um nicht aufzuschluchzen, um die Tränen, die plötzlich so brennen, zurückzuhalten.
Nun geht er ebenso ernst und stumm wie die, die vor ihm aus der Stube herausgekommen sind, an den noch Wartenden vorüber; wohin, das weiß er nicht — er ist nur froh, als er draußen im Hof steht, wo ein leiser Sommerwind ihm um die heißen Schläfen streicht.
Um fünf Uhr sind sie frei — das Häuflein derer, die zur Kaserne gewallfahrtet waren, ist ein wenig zusammengeschmolzen, und doch ist’s noch eine stattliche Schar, der man das Wort ‚Angenommen!‘ zugerufen hat und deren Gesichter glänzen, deren Augen leuchten.
Sie haben ein paar Stunden Urlaub, um ihre Sachen zu holen. Das erste, was Ernst tut, ist, daß er ein Telegramm an die Mutter aufsetzt.
„Angenommen!“
Wie ein Jubelruf ist das! Was wird sie dazu sagen? Natürlich freut sie sich, muß sich freuen! Aber daß er gleich hierbleiben muß, nicht für einen einzigen Tag noch aus der Kaserne herausdarf, um ihr Lebewohl zu sagen, das wird ihr ein wenig hart sein.
Aber schadet nicht! Es geht ja allen Müttern so. Krieg ist Krieg, und man darf nicht weich werden.