Um sieben Uhr stehen sie alle zum ersten Appell versammelt im Kasernenhof. Die Befehle für den kommenden Tag werden verlesen:

„Viereinhalb Uhr aufstehen — Stube reinigen — fünf Uhr Einkleidung“ — weiter hört er nichts.

Sein Kopf ist wieder benommen — mechanisch folgt er dem Unteroffizier, der ihnen ihre Stuben anweist. Je fünfunddreißig Mann in einer Kammer. Eiserne Betten übereinander wie in Schiffskabinen. Strohsäcke und eine wollene Decke.

Was dann noch kommt, geht wie im Traum an ihm vorüber. Erregt ist er und müde.

Nur das eine kann er noch denken: ‚Nun hat sie das Telegramm!‘ Dreht sich noch mal auf seinem Strohsack um und schläft, ehe noch die große Lampe, die in der Mitte der Stube hängt, ausgelöscht ist — —

Ein glücklicher Schlaf, den der kleine Hiller schläft. Traumbilder ziehen an seiner Seele vorüber. Er trägt schon die Uniform des Regiments, auf dem Kopf den hohen Kolpak. Auf einem feurigen Roß sitzt er — — herrlich greift das Tier aus. Um ihn herum Kanonendonner — Kugelregen — blitzende Lanzen — gezogene Säbel. — Nichts ficht ihn an. — Für ihn gibt’s keine Kugel — — und alles um ihn herum staunte. Was will der? Mitten in den Feind rein — — und das Roß fliegt — die Erde schwindet unter ihm — — irgend etwas Unsichtbares trägt ihn — trägt ihn hoch, immer höher, bis in die Wolken hinein. —

Da — Trompetenklang — herrlich, wie er gen Himmel fährt — wie die Erde unter ihm versinkt — wie alles grau und fahl unter ihm wird, während er in überirdischen Glanz hineinreitet.

„Der Kerl schläft wie ein Murmeltier. He, du da, es hat zum drittenmal geblasen!“

Zwei stehen vor seinem Bett und rütteln ihn an der Schulter.

„Menschenkind, in zehn Minuten mußt du antreten!“