„Also mit Belgien werden sie bald durch sein. Rat Mertens behauptet, in drei Wochen wären sie in Paris.“
„Rat Mertens soll besser seinen Mund halten,“ schalt die Großmutter. „In drei Wochen sind wir nicht in Paris, das sagt mir mein klarer Verstand. Die Franzosen, wenn sie nur einigermaßen ihre fünf Sinne beisammen haben, werden ihr Paris diesmal zu verschanzen wissen!“
Großvater lenkte ab und wandte sich an die Schwiegertochter: „Nun, hast du den ersehnten Brief vom Jungen vorgefunden?“
Und Großmutter bat: „Nun erzähl’ endlich, Maria! Aber ein bißchen folgerichtig, nicht so sprunghaft, Maria. Aus euren paar Briefen und Karten konnte man so gut wie nichts entnehmen. Also fang’ nur gleich mit eurer Abreise von Norderney an! Nein, wie ich Gott gedankt habe, daß ihr die verrückte Idee, in ein belgisches Seebad zu fahren, nicht ausgeführt habt. Wenn schon einer so viel übrig hat, daß er in ein Bad fahren kann, dann soll er sein Geld doch lieber im Lande lassen, statt es den Ausländern in den Rachen zu werfen. Man sieht ja nun, wie sie es mit uns meinen. ‚Bleib’ im Lande und nähre dich redlich.‘ Dieser Spruch wird von jetzt an mit Gottes Hilfe wieder zur Geltung kommen.“
Großvater sagte: „Ich meine, Maria sollte erzählen.“ Großmutter ließ sich nicht gern maßregeln und blickte ärgerlich auf.
„Notabene,“ nahm Großvater wieder das Wort, „Mertens und Hieronymus wollen heute abend wieder kommen, und vielleicht spricht auch Hauptmann Prell vor.“
„Aber hoffentlich nicht zum Essen,“ rief Großmutter auffahrend.
„Nein, ganz solide zum Glas Wein nach Tisch.“
Großmutter sagte zu Maria: „Wenn du doch noch je einmal heiraten solltest, Kind, so mache es deinem Manne gleich zu Anfang klar, daß er dir nicht ungefragt Leute ins Haus bringt, die auf ein warmes Abendbrot warten. Du weißt nicht, in welch eine Verlegenheit eine Hausfrau bei solchen Veranlassungen kommen kann.“
„Ich würde Maria gleich ein ganzes Erziehungssystem für den Fall ihrer Wiederverheiratung aufschreiben,“ schmunzelte der alte Herr. Und Großmutter fuhr ärgerlich dazwischen: „Du und Maria, ihr seid immer eins. Aber nun erzähl’, Kind! Wenn die Herren nach Tisch kommen, müssen wir zeitig essen. Also in Norderney erfuhret ihr das erste vom Krieg und packtet eure Koffer. Die Reise dauerte eine Ewigkeit, das weiß ich aus euren Karten, und dann fuhret ihr nach Berlin. Aber was kam dann? Vor allem interessiert mich’s, zu wissen, wie der Junge die ganze Sache aufnahm. Hat er gleich von Anfang an mitgewollt?“