„Erst freute er sich mal, daß es ein Notabitur gab,“ begann Maria.
„Ja ja, das Notabitur. Das kann ich mir denken. Da hat er uns gleich am nächsten Morgen telegraphiert: ‚Glänzend bestanden‘, weil ich ihm fünfhundert Mark für den Fall des Bestehens ausgesetzt hatte.“
„Die du dem armen Kerl aber nicht in bar, sondern in einem jetzt unverkäuflichen Papier ausgezahlt hast,“ fügte Großvater ein.
„Was soll der Junge jetzt mit so viel barem Geld?“ erwiderte die alte Frau gereizt. „Übrigens laß Maria endlich zu Worte kommen!“ Draußen klingelte es, und irgendjemand begehrte mit Großvater zu sprechen.
„Wenn er denn gar keine Ruhe hat, dann erzähl’ mir nur allein, Maria! Also Montags früh bekam er die Nachricht aus der Schule, daß er sich am Abend einzufinden habe! Was hat er da wohl für ein Gesicht gemacht? Das hätte ich sehen mögen.“
„Erstmal traf er sich mit drei Freunden, und da erzählte er mir, daß sie vor allem die Kleiderfrage erörtert hätten. Sie hatten sich doch einen Gesellschaftsrock zum Abitur bauen lassen wollen. Nun waren bei uns nicht mal die Koffer zur Stelle, und er mußte im grauen Sommeranzug gehen.“
„Glaubst du, daß ihm das hart war?“
„Vielleicht für einen Augenblick, aber das verflog doch schnell neben allem andern. Den ganzen Tag gab es Extrablätter; um Mittag waren wir Unter den Linden, da hatten sie gerade zwei Spione aufgefangen. Er wäre gern mit mir in ein Café gegangen, aber natürlich war nirgendwo ein Platz. So stand man denn und wartete und sah und hörte. Du machst dir keinen Begriff, wie das in diesen Tagen in Berlin zuging.“
„Das kann ich mir denken und, Maria, so sehr ich mich gräme, daß in unseren vorgeschrittenen Zeiten solche Barbarei noch gut möglich ist, ich mußte mir doch immer sagen, daß es für einen jungen Menschen mit gesunden Gliedern und hellem Verstand gar nichts Wundervolleres geben kann, als in solch einer Zeit miteingreifen zu dürfen. War er denn sehr begeistert?“