Durch die Mannschaftskantine gehen sie zur Küche, darin zwei riesige Kessel auf dem Herd stehen, und zwei Mann daneben. Jeder der Husaren tritt mit seinem Napf an.

Sonntag ist’s, da gibt’s Braten. Kräftiger Geruch steigt ihnen in die Nase. Jeder erhält von einem der beiden Küchenunteroffiziere drei Scheiben Fleisch, vom anderen ein paar Kellen Kartoffel und Tunke darüber, bis alles schwimmt.

Im Mannschaftszimmer sitzen sie auf den hölzernen Bänken an langen Tischen und leeren ihren Napf.

Für Ernst Hiller ist es ein bißchen reichlich, und es fällt ihm, wie manch anderem seinesgleichen, nicht ganz leicht, so aus dem Napf heraus zu essen. Aber keiner läßt etwas stehen. Nein, im Gegenteil, ein paar von ihnen treten zum zweitenmal den Weg zur Küche an und lassen sich eine zweite Portion verabreichen. Er ißt mit Todesverachtung. Es schmeckt wirklich gut — vielleicht ein wenig stärker gewürzt als bei Mutter, aber das schadet nichts!

Dann gehen sie, ihren geleerten Napf in der Hand, hinaus in den Hof und spülen ihn am Brunnen ab — haben dann ein paar Stunden für sich, und Ernst Hiller benutzt gleich die erste halbe Stunde, um einen begeisterten Brief an seine Mutter zu schreiben.

Der Himmel hängt ihm voller Geigen — — die Brust ist ihm geschwellt.

Wie ist die Welt so ganz anders für ihn geworden. Alles Dumpfe, Bange, das sonst seine Seele belastet hatte, verflogen! Die Schule überwunden — für immer! — Donnerwetter! Das kann man wirklich immer noch nicht fassen, daß dieser Lebensabschnitt tatsächlich überwunden sein soll!

Frei ist man, zieht in den Krieg und bleibt dann wahrscheinlich Offizier. Soldat ist der einzige Beruf, der wirklich Zweck hat! Das hat er auch schon der Mutter geschrieben und hat ihr einen ganz kleinen Vorwurf darüber, daß sie ihn von Kind auf zu sehr verpäppelt hat, nicht erspart.

Aber schadet nichts; sie hat’s gut gemeint! Es hat ihm eben der Vater gefehlt! Wenn er einen Vater gehabt hätte, wäre natürlich manches anders gewesen.

Aber das ist nun nicht zu ändern. Hauptsache, daß er trotz allem und allem angenommen worden ist, und sein Blick gleitet mit Stolz und mit Zärtlichkeit immer wieder über die verbrauchte, um seinen Körper herumhängende Uniform herab.