Weiter hörte Hiller nicht. Morgen wird er also vielleicht schon auf einem Gaul sitzen. Und er ist doch und doch ein Soldatenkind und hat Soldatenblut in sich — — und wenn ihn die ganze Welt zum Philosophen oder Professor verdammt hat! Er pfeift auf alle Wissenschaft und Gelehrsamkeit in der Welt!

Er ist Husar, er wird morgen auf einem Gaul sitzen, und in ein paar Wochen über Schlachtfelder reiten.

Er ist es nicht allein, der sich auf den ersten Ritt freut. All die, die wie er aus der Schule ins Soldatentum gesprungen sind, haben einen freudigen Ruck im Herzen gespürt, als es hieß: halb acht Uhr Reiten!

Der Sonntag geht glorreich zu Ende. Abends sitzen sie mit den alten Leuten in der Unteroffizierskantine, haben sich Butterbrote mit Würstchen und Kartoffelsalat geben lassen.

Ernst Hiller bezahlt für den, der ihm die Uniform so billig verkaufte, mit. Auch seine Freunde halten ein paar alte Leute frei. Sie sind ja Kameraden. Wer etwas hat, gibt, und wer nichts hat, läßt sich geben. Hiller schmeißt ein paar Runden Bier, und die alten Leute erzählen tausend Dinge, die für die Neuen wichtig und interessant sind.

Sie erfahren am ersten Abend von jedem einzelnen Vorgesetzten, wes Geistes Kind er ist und was man von ihm zu erwarten hat. Sie erhalten dann allerlei Winke. Auch hören sie zu ihrer Freude, daß sie gar nicht verpflichtet sind, Mannschaftsessen zu nehmen. Wer Geld hat, kann für eine Mark in der Unteroffizierskantine ein anständiges Mittagessen kriegen — er kann auch in ein Restaurant, das der Kaserne gegenüberliegt, gehen. — Überhaupt, wer den nötigen Mammon hat, kann sich die Sache prachtvoll deichseln. Geld ist die Hauptsache.

In Ernsts Augen kommt ein kleiner Schatten.

Gewiß, die Mutter wird ihm Geld geben — sie hat ihm gesagt, er solle sich nichts versagen. Und Großmutter läßt ihn auch nicht im Stich. Aber dennoch, ein ganz kleiner Schwindel überfällt ihn, als er daran denkt, wie seine Barschaft in diesen zwei Tagen zusammengeschmolzen ist. Von den hundertundzwanzig Mark keine dreißig mehr übrig — und er hatte geglaubt, mit hundertundzwanzig Mark wenigstens einen Monat durchzuhalten.

Es wird ihm schwer fallen, die Mutter schon in den nächsten Tagen um Geld zu bitten. Aber schließlich, es waren ja lauter besondere Ausgaben, die er jetzt hatte. Alles Ausgaben, die sich nicht wiederholen; und er weiß auch, daß die Mutter ihm gern gibt, was er braucht.

Der Schatten aus den Augen ist fort. Die Kameraden trinken ihm zu, Witze werden erzählt.