Jeder tritt dann vor den Verschlag, in dem das Pferd, das ihm angewiesen ist, steht, und hört mit brennendem Interesse zu. Das Sattel- und Zaumzeug wird ihnen erklärt; sie erfahren, wie der Sattel angelegt werden muß. Das ist alles sehr leicht zu fassen, und die Unteroffiziere haben entschieden eine einfachere Art, etwas begreiflich zu machen, als die Professoren des Gymnasiums.

Dann hören sie, wie eine Streu zu machen ist. Aus der alten Streu muß der Mist ausgeschüttet werden. Mit dem noch trockenen Stroh wird aufgeschüttet, frisches Stroh darübergeworfen, und dann wird ‚angerollt‘; denn das ist die Hauptsache bei einer guten Streu, daß in schnurgerader Linie das Stroh an den Seiten festgerollt wird.

„Verstanden?“

„Ja.“

Es wird ihnen noch das Anlegen des Zaumzeuges gezeigt, was sehr einfach erscheint. Viele von ihnen sind übrigens Burschen vom Land, die schon mit einem Pferd umzugehen verstehen.

Hiller steht neben einem frischen, etwas korpulenten Jungen. Gestern abend in der Kantine haben sie schon miteinander geredet, und da sie in derselben Stube schlafen, werden sie auch wohl Freunde werden. Der Dicke, dessen Name Hipp ist, der auch aus Berlin stammt und, wie Hiller, wundervoll glatt durch ein Notabitur gerutscht ist, hat noch ein ausgeprägtes Kindergesicht: blaue, sehr gutmütige Augen, eine kurze Nase und runde, rote Backen. Ihm würde niemand den Großstadtmenschen ansehen. Der Drillichanzug, der an Hillers leichter Gestalt herumschlottert, sitzt ihm fest und prall um den Körper; er stößt Hiller in die Seite, denn alles, was er hier hört und sieht, kommt ihm sehr lustig vor.

Das Pferd, an dem das Anlegen des Zaumzeuges gezeigt worden ist, wird wieder abgeschirrt — der Wachtmeister tritt einen Schritt vor, und das Kommando erschallt: „An die Pferde!“

Jeder geht in sein Abteil und begibt sich an die Streu. Der Wachtmeister schreitet auf und nieder, beobachtet, weist zurecht, tadelt, wenn es zu langsam geht; er scheint aber zufrieden. Beim Putzen greift er, wenn es nötig ist, selbst mit an, zeigt, wie der Striegel gefaßt werden muß, wie man sich neben das Tier zu stellen hat, und erklärt weiter, wie es sich gerade ergibt. Es ist ungewohnte Arbeit für die, die aus der Stadt kommen. Aber gerade das Ungewohnte mag sie reizen. Sie sind mit Feuereifer bei der Sache, sie wundern sich über sich selbst, daß man so selbstverständlich an einem Tier herumhantiert, daß man keine Angst hat, getreten zu werden, und daß alles, was sie hier zu tun haben, so prachtvoll und einfach und leicht ist.

Die Zeit fliegt hin, die Sonne steht schon längst am Himmel, als der Wachtmeister „Abtreten!“ kommandiert, und sie eilen in ihre Stuben, um den Drillich mit dem Reitanzug zu vertauschen.

Hillers Gedanken fliegen ab und zu einen Augenblick zu seiner Mutter hin. Was würde sie sagen, wenn sie ihn so sähe? Schade, daß er sie nicht einmal sprechen konnte, er ist gewohnt, ihr alles, was ihm begegnet, zu erzählen. Schreiben kann man das natürlich nicht alles — schade — — —