Der späte Nachmittag trifft sie wieder im Stall. Ein jeder hat sich in der Kantine einen Beutel mit Putzzeug kaufen müssen, und sie putzen und reiben an Sattel- und Zaumzeug herum.

Hipp erzählt Berliner Witze und vor allem von einem kleinen blonden Mädchen, das ihm versprochen hat, jeden Tag einen Brief zu schreiben. Na, er wird ja nachher beim Appell sehen, ob sie Wort hält. Beim Abschied hat sie sich fast die Augen ausgeweint, denn sie kennen sich seit einem halben Jahr und wollen sich treu bleiben.

Hiller schwankt einen Augenblick. Seine Gedanken fliegen zu Hannchen, aber er bringt es nicht fertig, auch seinerseits etwas über Hannchen zum besten zu geben.

Gegen Abend tritt einer, den er erst vom Ansehen kennt, zu ihm heran und zieht ihn in eine Ecke.

„Mensch, können Sie mir die Gefälligkeit erweisen und mir mit fünf Mark aushelfen? Ich bin in Verlegenheit!“ Und Hiller, der noch nie jemand angepumpt hat, zieht prompt seinen Brustbeutel heraus und gibt ihm, nicht ganz leichten Herzens, das Verlangte. Nun muß er also doch die Mutter schon um Geld bitten.

Beim Appell werden die Postsachen verteilt. Hipps Gesicht strahlt, denn sein Mädchen hat Wort gehalten und ihm einen Brief geschrieben. Aber auch Hiller geht nicht leer aus; es ist ein Paket und ein Brief für ihn da. Das Paket ist mit Eilpost gekommen und enthält all das, was er der Mutter schon in Berlin für den Fall seiner Annahme aufnotiert hatte, und im Brief, der dem Paket beiliegt, findet er einen Zwanzigmarkschein. Der andere Brief ist von Großmutter, und auch er enthält eine angenehme Einlage.

„Famos!“ Und sein Gesicht strahlt mindestens so hell wie das des guten Hipp, der den Brief seines Mädchens zum drittenmal liest.


Der Krieg rauscht mit rasender Eile, mit nie geahntem Entsetzen, unsäglichen Greueln durchs belgische Nachbarland! Was ist nicht geschehen in diesem halben Monat, seit der Krieg begann!