Es ist unsäglich schwer und doch schön, in dieser Zeit zu leben!

Mag sein, daß unsere Enkel uns dereinst beneiden, wenn wir ihnen die Geschichte des Krieges von 1914/15 erzählen — mag sein, daß wir uns am Ende unserer Tage uns selbst segnen, in dieser Zeit gelebt zu haben — jetzt aber blutet das Herz aus tausend Wunden, und wer eine tätige Phantasie hat, der hüte sich, ihr freie Zügel zu lassen.

Wer kann noch ruhig und frohgemut an seinem Tisch sitzen und sein täglich Brot verzehren? Wer muß nicht derer gedenken, die Haus und Heimat verlassen mußten, die schon den Krieg in nächster, allernächster Nähe sahen?

Glücklich — gesegnet die, die draußen sind, die alles von sich abgeworfen haben und sterben oder siegen wollen! Sie brauchen nicht zu denken, sie haben nicht das quälende, bittere Gefühl der Zurückbleibenden, der Abwartenden, die unter der Sicherheit, in der sie noch leben, leiden, während die draußen Blut und Leben für sie hingeben.

Und glücklich auch jene ganz Jungen, die in heller, heiliger Begeisterung ihren Einzug in die Kasernen gehalten haben — jene allerbegeistertsten, die am liebsten von der Stelle weg in den Kampf gezogen wären, da, wo er am wildesten und blutigsten tobt! Seltsames haben sie erfahren in den Tagen, die nach Schulabschluß, nach der vermeintlichen Freiheit für sie kamen.

Die Begeisterung ist so still geworden; die heiße Freude, mittun zu dürfen, ist gedämpft. Sie kommen überhaupt nicht mehr recht zum Denken. Die jungen, verwöhnten Körper müssen Unglaubliches leisten; die feinen Stadtjungen müssen so Ungewohntes hören, und der Schlaf ist so kurz bemessen. Aber schadet nichts, schadet nichts! Nur nicht schlapp werden, nur aushalten! Es geht ja auch, man muß nur wollen, mit aller, aller Kraft muß man wollen!

Manchmal bekommt man ein Zeitungsblatt in die Hand und liest, was sich draußen in der Welt abspielt. Aber man faßt es nicht ganz. Man hat auch immer das Gefühl: ‚Ja, wenn ich erst dabei wäre!‘ Und es ist gut, daß sie so denken, denn wenn nicht ein jeder von sich selbst das Gefühl hätte, daß er riesenhafte, ganz unerhörte Kräfte in sich trägt, wie sollte dann der Krieg gegen die Übermacht geführt werden können?

Einstweilen aber heißt es für diese Jüngsten im deutschen Reiche: ‚Drill — Drill — Drill!‘ und putzen und Stuben fegen und am Abend todmüde auf den Strohsack fallen.

Der kleine Hiller kämpft in diesen ersten Tagen einen verzweifelten Kampf.