Hiller hat wieder falschen Sitz gehabt und ist vom Bügelriemen gescheuert worden; das Bein ist ganz wund. Anderen ist’s viel schlimmer ergangen — ja, einen, der einen Tritt vors Schienbein bekam, und der vor lauter Schmerz laut aufgeschrien hat, mußten sie unter einem Hagel von Flüchen ins Revier schaffen.
Aber der kleine Hiller ist noch so furchtbar empfindlich. Wenn er den ganzen Morgen lang schlapp, faul und schläfrig gescholten wird, fängt er an, sich unglücklich zu fühlen. Einer von den Wachtmeistern, der es gut mit ihnen meint, hat ihnen in einer längeren Rede erklärt: „Selbstverständlich kann man euch nicht mit Kosenamen benennen, und wenn mal ein derbes Schimpfwort fliegt, dann müßt ihr das eben hinnehmen und euch sagen, daß eurem Wachtmeister auch mal die Galle überläuft!“
Diese Erklärung hat ihnen wohlgetan. Das wissen sie natürlich, daß beim Drillen geschimpft wird, das gehört einfach dazu. Aber dennoch: wenn der Wachtmeister sich einen einzelnen heraussucht und den einen ganzen Vormittag nicht wieder losläßt, und wenn dieser arme Teufel dazu ein empfindsames Gemüt hat, dann ist das doch eine sehr niederträchtige Sache.
Dem armen kleinen Hiller ist’s zum Tode weh zumute. Soll er jetzt an Hipps Stelle treten und der Unglückswurm seines Beritts werden?
Rot ist sein Kopf, und der Schweiß steht ihm in dicken Tropfen auf der Stirn, als es endlich ‚absitzen‘ heißt.
„Eine Viertelstunde Mittagspause — Kommando, in der Mannschaftskantine zu essen — dann Drillichanzug anziehen und zum Ausmisten in den Stall antreten!“
Sie sind wütend; sie kommen sich gedemütigt vor — diejenigen wenigstens, die von den hohen Schulen gekommen sind, um dem Vaterland zu dienen.
Heißt das auch noch dem Vaterland dienen, wenn sie Ställe ausmisten? Hipp ist nur über den Zwang, den Mannschaftsfraß essen zu müssen, aufgebracht. Mit ihren Näpfen treten sie an. Weiße Bohnen und Speck gibt’s und duftet herrlich. Und — Teufel, ja — schmecken tut es großartig! Das müssen sie trotz ihrem Ärger zugeben. Hipp läßt sich seinen Napf zum zweitenmal füllen.
Es geht in fliegender Eile. Hinauf in die Stuben, aus den Reithosen heraus und in den Drillich hinein.
Hipp holt ein rosa Briefchen aus seiner Rocktasche: „Da, lies mal!“ Er gibt es Hiller.