‚Mein süßer, geliebter Schatz!‘ liest der und wirft den Brief Hipp wieder zurück. Was gehen ihn Hipps Liebesbriefe an? Es ist überhaupt gemein von dem, daß er sie in der Kaserne vorliest und sich damit brüstet. „Der blasse Neid,“ sagt Hipp, hält sich aber doch freundschaftlich an Hillers Seite.

Unten steht schon der Wachtmeister und brüllt sie an: „Freiwilliger Hiller, wissen Sie nicht, daß Sie Stallwache haben?“

Hiller ist erstaunt, daß er mit ‚Sie‘ angeredet wird. „Zu Befehl, Herr Wachtmeister! Ich war nur zum Essen in der Kantine und habe den Reitanzug ausgezogen.“

„Wenn ich noch einmal einen, der Stallwache hat, nicht auf seinem Posten treffe, gebe ich Arrest!“ sagt der Wachtmeister und wendet sich ab.

Es werden kleine, scharfe Harken an die Freiwilligen verteilt, denn der Mist ist so festgetreten, daß sie ihn losklopfen müssen. Der dicke Hipp kniet im Schweiße seines Angesichts da und klopft, ist aber nicht aus der Laune zu bringen und reißt Witze. Sobald der Wachtmeister außer Sicht ist, lachen sie alle mit ihm; er hat eine ungeheuer komische Art, seine Vorgesetzten nachzuahmen. Selbst Hiller kann nicht ernst bleiben, wenn Hipp seine Possen treibt. Dieser harmlos aussehende dicke Mensch hat es faustdick hinter den Ohren. Er ist frech und kühn, sobald der Wachtmeister den Rücken gekehrt hat, und sieht wie ein Gotteslamm aus, wenn er ihm gegenübersteht. Sein prachtvoller Humor und seine strotzende Gesundheit bringen ihn über alle Widerwärtigkeiten hinweg.

Und an diesen beiden glücklichen Gaben fehlt es dem armen Hiller so sehr! Wohl hat er Verständnis für Humor; ja, in einem ganz kleinen Winkel seiner Seele sitzt etwas vom Schalk, der sich ganz selten einmal etwas hervorwagt, aber gleich ängstlich verschwindet, wenn ein Schatten auf den Weg seines Lebens fällt. Und mit seiner Gesundheit ist es auch eine eigene Sache. Krank ist er nicht — — — aber auch nicht recht widerstandsfähig.

Müd’ — schlapp — kaputt!

Auch jetzt tut ihm der Rücken infam weh, das vielfach am Lederzeug aufgescheuerte Bein schmerzt und, was das Schlimmste ist, die große, schöne Begeisterung ist fort, ist einfach weggeflogen.

Sehnsucht nach dem stillen geistigen Leben ist erwacht. Er gedenkt der Abende mit der Mutter. Sie haben zusammen auf dem Sofa gesessen, und entweder hat sie gelesen, oder er hat ihr erzählt, und sie waren beide stumm geblieben, und die Mutter hat ihm den Arm um die Schultern gelegt.

Hipp erzählt nun doch wieder von seinem blonden Mädchen, und Hiller hört zu, ohne es zu wollen. Er erzählt sehr anschaulich — er verrät kolossale Kenntnisse, die er freiwillig zum besten gibt.