Alles ist häßlich und traurig und verzerrt in dieser Nacht. Namenlos öd und einsam die ganze Welt! Unerträglich das Leid und die heiße Sehnsucht im Herzen! Die Sehnsucht nach irgend jemandem, der gut zu ihm ist, der warm und lieb zu ihm spricht — — der die Arme um ihn legt — ihn küßt.

Verteufelt! Schon wieder muß er an Hipps Mädchen denken, das ihm jeden Tag einen Brief schreibt.

Warum hat er niemanden, der an ihn denkt, der ihm schreibt.

Wieder hat ein Pferd sich losgelöst und sucht den Ausgang zu erreichen. Der ‚Arbeiter‘ ist es, sein eigenes Pferd. Er führt es zu seinem Platz zurück und klopft ihm den Kopf.

Das Tier schmiegt sich an ihn, berührt ihn mit der warmen, nassen Schnauze. Da löst sich im armen Jungen der bittre, bittre Schmerz. Er weint laut auf. Mit beiden Armen umschlingt er den Hals des Tieres. „Mutter — — Mutter!“ Er schreit es fast. Ein grenzenloses Heimweh tobt in ihm. „Mutter — — Mutter!“ Und umklammert wie ein Verzweifelter den warmen Kopf, drückt das Gesicht in die Mähne hinein und schluchzt und wird gerüttelt und gestoßen von diesem plötzlichen, wilden, unerträglichen Jammer. Lang steht er so an seinen ‚Arbeiter‘ geschmiegt.

‚Nach Hause — zur Mutter zurück!‘ Und er will ihr schreiben: ‚Ich kann es hier nicht länger ertragen, laß mich zu dir zurückkommen!

Er schleicht zur Futterkiste zurück — zieht eine zerknitterte Feldpostkarte aus der Tasche.

‚Liebes Muttchen!‘ schreibt er — besinnt sich einen Augenblick und kommt zur Vernunft. Ein ‚Zurück‘ gibt es nicht für ihn. Ausharren muß er, und wenn es noch tausendmal schlimmer kommt. Aber sehen will er sie, und da er nicht zu ihr kann, muß sie zu ihm kommen. Das geht — daran kann niemand etwas finden.

So schreibt er: ‚Wenn Du willst, so besuche mich, bitte. Ich habe ein wenig Heimweh nach Dir!‘

Nachdem er das geschrieben, ist ihm leichter ums Herz geworden. Er läuft über den Kasernenhof und bringt die Karte zum Kasten.