Sternklar wölbt der Himmel sich draußen. Kühl ist die Nacht, denn der Herbst will ganz ganz langsam kommen.

Tief atmet Hiller auf. Das Leid ist verflogen. Der furchtbare Druck ist von ihm genommen. Nun ist er nur noch müd’ — hat nur noch Sehnsucht noch einem langen, tiefen Schlaf.

Im Stall trifft er den ‚alten Mann‘, der ihn für zwei Stunden abzulösen hat, an. Der sieht ganz vergnügt aus.

„Müde, was?“ und schaut lächelnd in das bleiche Knabenangesicht. „In zwei Stunden kommst du wieder dran, Mensch. Das lohnt kaum der Mühe, sich hinzulegen! Bleib man gleich auf, sonst wirst du nachher überhaupt nicht mehr munter. Man kennt das ja bei euch jungen Kerlen. Muttersöhnchen! Neulich habe ich für einen die ganze Nacht gewacht. Da hat er mir ’n Taler für geschenkt!“ Und sieht noch forschender, sieht eigentlich geradezu aufmunternd in Hillers Gesicht.

Der hat schon die Hand am Brustbeutel. „Ich bin in der Tat sehr müde!“

Der ‚alte Mann‘ nimmt den Taler und läßt ihn in die Hosentasche gleiten.

„Da hast du einen Woilach zum Drauflegen; in den andern wickelst du dich ein, und dann kannst du bis sieben Uhr pennen. Los — mach’, daß du ins Stroh kommst!“

Und der kleine, müde Hiller häuft sich das Stroh, aus dem der ‚alte Mann‘ aufgestanden ist, frisch auf, legt den einen Woilach darauf, wickelt sich in den anderen ein, und bevor zwei Minuten vergangen sind, führt ihn sein tiefer, prachtvoller Jungenschlaf aus Leid und Not dieses Tages hinweg. Das bekümmerte Gesicht wird kindlich und froh. Die bleichen Wangen röten sich. Und als der ‚alte Mann‘ sich gegen Morgen einen Scherz macht und ihm mit dem nassen Pferdeschwamm über die Augen fährt, merkt er’s kaum, dreht sich um und schläft weiter, bis ihn zwei kräftige Arme an den Schultern packen und hochreißen.

„Heraus, Mensch — aufgestanden — sieben Uhr — ‚Vize‘ ist im Anzug!“