Was kann sie Besseres wollen?

Warum aber um alles in der Welt hat er ihr denn die wehmütige Karte geschrieben? Warum um ihren Besuch gebeten?

Darauf findet sie keine rechte Antwort. Er sah doch an diesem Abend wirklich nicht aus, als habe er vor ganz kurzer Zeit eine schwache, heimwehkranke Stimmung gehabt!

Er hat von seinem Pferd erzählt wie von einem guten, lieben alten Freund; er hat die Wachtmeister nachgeahmt und von seinen Schießerfolgen berichtet. Dabei haben seine Augen geleuchtet, und er hat mit einem Bärenhunger gegessen.

Soll das alles nicht wahr sein? Soll das alles nur etwas Angenommenes, Aufgezwungenes sein? Und hinter der Maske steckt vielleicht doch noch ihr kleiner, zarter, zum Grübeln geneigter Junge — ihr weicher Ernst?

Tiefer wird das Dunkel draußen; vom Kirchturm hallen dunkle, schwere Glockenschläge.

In diesem kleinen Städtchen kommt die Nacht früher als im großen Berlin. Im ganzen Hotel ist Totenstille, in allen Häusern rund um den Marktplatz sind die Lichter erloschen.

Aus ihrem Herzen will das Weh nicht heraus. Sie ist auch nicht fähig, sich zur Größe aufzuraffen. Es ist ihr, als lebe sie in der Vergangenheit, als habe sie in einem Buch von den Geschehnissen eines großen, furchtbaren Krieges gelesen.

Daß es jetzt — in diesen Augenblicken, während dieser stillen Nacht draußen in der Welt tobt, kann sie heute nicht mehr fassen.