„Übrigens handelt sich’s ja nur um Wochen, die wir hier in der Kaserne auszuhalten haben!“ sagte er dann viel froher und richtet sich auf. „Wenn wir erst im Feld sind — — hat die Schinderei von selbst ein Ende.“

Da kommt ihr das ganze Furchtbare der heutigen Zeit wieder zum Bewußtsein. Diese blutjungen Menschen, die sich hier drillen lassen, haben die höchste Mission, die ein Mensch haben kann — sie werden mit all den Abertausenden, die schon draußen sind, fürs bedrängte Vaterland kämpfen, sie ziehen hinaus, um Blut und Leben hinzugeben, um sich vielleicht zum Krüppel schießen zu lassen.

Sie sieht ihren kleinen Ernst an. Weiß so ein Junge wohl, was er zu tun im Begriffe ist? Weiß er, was seiner harren kann? Sie weint plötzlich auf.

„Was hast du, Mutter?“ Er ist ganz außer sich, er glaubt ihr durch seine Klagen das Herz schwer gemacht zu haben.

„Es ist wirklich nicht schlimm, Mutter. Im Gegenteil, es ist eigentlich sehr schön. Man muß nur erst sicher auf seinem Gaul sein. Ich hab’ doch auch noch nie zuvor auf einem Pferd gesessen.“

„Es ist nicht deshalb, Ernst.“

„Was denn sonst?“ Er legt ihr den Arm um die Schulter und ist gut und zärtlich, wie er es früher gewesen ist.

„Ich möchte bei dir bleiben. Die paar Wochen, die du noch hier bist, möchte ich in deiner Nähe sein!“

„Das geht nicht!“ sagte er fast hart, denkt dann einen Augenblick nach, und das Mitleid steigt in ihm auf.

„Ich bekomme ja gar nicht so viel Urlaub, und von der Kaserne ist’s eine halbe Stunde bis zum Hotel.“