Dieser District — Djambi genannt — steht unter dem Sultan von Djambi, und de facto hat die holländische Regierung nicht nur an der Peripherie, sondern selbst auch in der Hauptstadt des Sultanats nur geringen Einfluss. Noch vor wenigen Jahren fand ein Ueberfall in der nächsten Nähe des Forts statt, dem ein Infanterieofficier und ein Militärarzt zum Opfer fielen; und doch sind es beinahe schon 300 Jahre, seitdem in Djambi die erste Factory (im Jahre 1616) und in Muára Kómpeh (im Jahre 1707) zum ersten Male eine europäische Garnison errichtet wurde. Beide liegen im Alluvium ungefähr 90 km und 45 km von der Mündung des Djambiflusses entfernt, welcher in seinem Oberlaufe Harifluss (= Batang Hari) heisst und mit drei mächtigen Armen in die Berhalastrasse sich ergiesst.
Vom Cap Bon, dem östlichsten Punkt der Küste, bis zum Pik von Indrapura (3690 m hoch) an der Westgrenze des Sultanats beträgt die Luftlinie 360 km, und vom Berge Bempatasan im Norden bis zum entferntesten Punkte der Südgrenze ungefähr 200 km. Diese Provinz hat die höchste[30] Bergspitze Sumatras, die grössten Ströme und die grössten Landstrassen dieser Insel.
Fig. 8. Ein Battak’scher Kampong.
Unter den zahlreichen Bergspitzen des Barisangebirges[31] ragt im westlichen Theile Palembangs und zwar in dem Sultanat Djambi der Berg Korintji oder der Berg Indrapura als zweithöchster Berg von Sumatra mit seiner 3690 m hohen Spitze als Grenzmauer zwischen dieser Provinz und der Residentie »Padangsche Oberländer« hoch in die Lüfte, ohne dass man immer unterscheiden kann, ob die umgebenden Wolken Dämpfe aus dem Innern eines Vulcanes oder Gebilde der feuchten Luft seien. (Aehnliche Zweifel hatte ich ja auch in den Jahren 1891–1896, als ich zu Magelang auf Java am Fusse des Vulcans Merapi in Garnison war. Von ihm wusste ich, dass er ein feuerspeiender Berg war; dennoch geschah es sehr oft, dass Wolkenmassen seinen Scheitel umgaben, ohne dass ich bestimmt behaupten konnte, dass nur Feuchtigkeit der Luft die Quelle dieser Wolkenbildung war.) Die übrigen zahlreichen Bergspitzen, so hoch oder so klein sie sein mögen, anzuführen, würde das Ziel dieses Buches überschreiten. Auch die Namen der übrigen Flüsse mitzutheilen — ausser jenen bereits genannten Djambi- und Musistrom — hätte keinen Zweck.
Die erwähnte grosse Landstrasse beginnt bei der Hauptstadt Palembang und zieht in südwestlicher Richtung nach Muara Enim; hier theilt sich die Strasse in zwei Zweige, wovon der nördliche über Tebing-Tinggi und Kepahiang quer durch die Residentie Benkulen bis an die gleichnamige Hauptstadt an der Küste des Indischen Oceans sich zieht; sie dürfte ungefähr 350 km lang sein. Der südliche Ast strebt der Grenze der Residentie »Lampongsche Districte« zu, zieht durch die »Pasumahländer« und geht noch auf Palembangs Gebiet in einen kleinen Fussweg über und ist ungefähr 102 km lang.
Die Hauptstadt Palembang ist eine sehr interessante Stadt; der Ethnograph, der Tourist wie der Künstler finden dort ein pittoreskes Bild, welches sie selten auf ihren Reisen in andern Colonien oder in Hafenplätzen sehen können; es ist eine echte malaiische Handelsstadt mit zahlreichen »Râkits« (= Flösse, auf welchen Häuser stehen). Ich selbst habe dieselben, wenn auch nicht in so grosser Zahl, nur noch in Bandjermasing beobachten können. Dort sind allerdings dieselben Bedingungen vorhanden, welche den Gebrauch dieser schwimmenden Häuser rechtfertigen.
Hier wie dort ist ein junges angespültes Land, welches bei der Fluth des Meeres täglich unter Wasser gesetzt wird. (Ich sah in Bandjermasing ein neues Haus auf diesem weichen Boden bauen; die Piloten gingen wie durch Wachs in die Tiefen des Grundes.) Hier wie dort ist der Boden für den Ackerbau gänzlich untauglich, und hier wie dort sind die Bewohner ausschliesslich Handelsleute.
Solche Verhältnisse erklären hinreichend den Gebrauch solcher leicht transportablen Wohnhäuser. ([Fig. 4].)