behandelt und starben

europäische

Soldaten

und

Matrosen

 507

25 = 5%

eingeborene

2369

 357 = 15,1%

Sträflinge

3453

1193 = 34,6%

Frauen

  32

12 = 40%

Die Militärärzte standen dieser Epidemie rathlos gegenüber, weil sie von dem Wesen der Beri-Beri-Krankheit — nichts wussten.

Im Jahre 1886 blieb die Epidemie in ihrer Ex- und Intensität stationär, und die Aerzte thaten wieder — nichts. Da steht nun einer der Militärärzte auf und erklärt, das Geheimniss der Entstehungsweise dieser Krankheit und eine radicale Behandlung gefunden zu haben, und seine Chefs — thun wieder nichts; sie schwiegen aber auch und beantworteten seine Vorschläge nur mit einem Zucken der Schulter oder mit einer spöttischen Bemerkung. Als dies General Demmeni erfuhr, erliess er an den Sanitätschef den Befehl, die Vorschläge des Regimentsarztes Dr. Kobler sofort und genau auszuführen. Es waren ja im Jahre 1886

I. Stand an Beri-Beri erkrankt,

an Beri-Beri gestorben

Europäer

1238

2252 = 181%

 62 = 5%

d.

I.

Standes

Eingeborene

 870

3186 = 366%

224 = 25%

eingeb. Frauen

 780

  42 = 5%

 16 = 2%

eingeb. Kinder

 240

3 

Trotzdem blieb der Landes-Sanitätschef bei seinem passiven Widerstand, den er im Spitale als ausserhalb der Machtsphäre des Generals Demmeni stehend hielt; General Demmeni war jedoch nicht der Mann, um von seinen Untergeordneten passiven Widerstand zu dulden; ich erinnere mich noch heute dieser wirklich eigenthümlichen Scene in allen Details, welche die Folge dieses vielleicht (?) gerechtfertigten Vorganges war; es war an einem Samstag, als um 9 Uhr der General im Spital erschien und den Oberstabsarzt X. aufforderte, ihm zu zeigen, welche Maassregeln genommen worden seien, um im Spitale selbst die Infection durch die anwesenden Beri-Beri-Kranken unmöglich zu machen. Es war nichts geschehen. Ohne nur einen Augenblick aus seiner Ruhe zu kommen gab er folgenden Befehl: Um 11 Uhr komme ich zurück; bis dahin müssen alle Beri-Beri-Patienten isolirt sein; das Magazin für Leibwäsche u. s. w. muss ebenfalls in zwei Theile getheilt sein, um die Leibwäsche dieser Kranken nach dem Gebrauch einer radicalen Desinfection unterwerfen zu lassen. Die Krankenwärter müssten gerade so wie auf den Cholera- und Pockenabtheilungen ihre eigene Wäsche haben u. s. w.

So geschah es auch; die Aerzte mussten nach allen Krankensälen eilen und alle Patienten, welche gleichzeitig an Beri-Beri litten, heraussuchen, sie sofort nach den nördlichen Sälen transportiren lassen, und die Officiere der Administration sorgten für die nöthige Isolirung dieser Krankensäle und für die getrennte Administration und Verpflegung.

Ich war diesbezüglich weniger glücklich in meiner Stellung als Garnisonsdoctor; ich sah in der B.-B. eine miasmatische Krankheit, und niemand hielt es damals der Mühe werth, diese Auffassung auch nur in Betracht zu ziehen.

Es war nämlich auf Ansuchen der Regierung zu dieser Zeit Professor Pekelharing mit zwei Assistenten in Atjeh angekommen, um bacteriologisch die Krankheitsursache der Beri-Beri zu suchen und zu finden. Wenn auch durch diese Untersuchungen erst die Bestätigung für die Kobler’sche Infectionstheorie gefunden werden sollte, so war doch gewissermaassen eine Anerkennung ex cathedra dieser Theorie gegeben, und ich — vertrat eine Theorie, welche unter dem Scepter der alleinseligmachenden Lehre, nämlich der Bacteriologie, nicht einmal einer Discussion würdig gehalten wurde.

Seit dieser Zeit sind 15 Jahre verflossen; die miasmatische Entstehungsweise der Beri-Beri wurde oft geleugnet, ebenso oft anerkannt, um endlich in diesem Kampfe der Ansichten Siegerin zu werden und zu bleiben — es sei, dass die momentan herrschende Entstehungstheorie der Malaria auch auf die Beri-Beri übergehen wird, d. h. dass man Mosquitos, Mücken oder ähnliche Insecten suchen und finden wird, welche die bis jetzt unbekannte Beri-Beribacterie in ihrem Leibe züchten und daher (??) auch die Erreger dieser Krankheit sein sollen.

Von den Theorien, welche das Entstehen der Beri-Beri-Krankheit erklären sollten, verdienen einige gewiss, der Nachwelt überliefert zu werden. So z. B. die des Generalstabsarztes Y., welcher behauptete, diese Krankheit sei nichts anderes als die Folge des Heimweh, weil constatirt wurde, dass die eingeborenen Soldaten von ihrem Leiden befreit wurden, sobald sie den Dienst verlassen haben und in ihre Heimath zurückgekehrt seien. Eine andere vielleicht etwas weniger phantastische Entstehungsursache beschäftigte jahrelang die indische Regierung und zwar, dass der schöne weisse Reis durch den Mangel des »Silberhäutchens« die Beri-Beri-Krankheit errege, während die Kulis und Gefangenen, welche den rothen ordinären Reis täglich verzehren, von dieser Krankheit verschont bleiben sollten??.