Fig. 21. Ein atjeeischer Pflug.
Die innerhalb der Linie befindlichen Kampongs gehören zu den »Freunden«; aber ihre »Freundschaft« (?) hinderte sie nicht, ihren Brüdern, welche sich ausserhalb der »Linie« befanden, im Geheimen ihre werkthätige Hülfe zu leisten; der Atjeer besitzt ja, wie mir ein atjeischer Häuptling mittheilte, »zwei Herzen«; er ist falsch und heimtückisch, und die traurigen Erfahrungen, welche die Regierung mit dem Bündniss des Tuku Umar machte, sind nicht vereinzelt. Sein listiger und heimtückischer Charakter zeichnet sich auch in seinen Zügen, und jedesmal wenn ich auf meinen Märschen einem dieser Männer begegnete, oder wenn ich in einem Kampong Halt machte, freute ich mich, 40 Mann hinter und neben mir zu haben.
Selbstbewusst, wenn nicht stolzen Hauptes traten sie uns entgegen in alten schmutzigen Hosen und kleinen Röckchen; das ordnungslose, lange, rabenschwarze glatte Haar wurde nur mühsam mit einem Kopftuche zusammengehalten; um die Hüften hatten sie ein Lendentuch (= idja pinggang), welches über dem Knie mit einem schiefen Rande endigte; in dem Gürtel steckte der Dolch (röntjong), und in seiner rechten Hand trägt er das lange Schwert (Klewang) ohne Scheide. Auffallend ist es, dass ihre Hose weit ist, d. h. kein Lendenstück hat, und dass sie dieser weiten Hose eine »sittliche« Berechtigung geben, gerade wie das Lendentuch mit mehr oder weniger Recht, ich möchte sagen ihre weitgehenden Keuschheitsgesetze in der Theorie demonstrirt — obschon (in der Praxis) die Päderastie zu ihren nationalen Lastern gehört.
In Atjeh selbst habe ich keinen Oberländer (orang tunòng) gesehen, welcher von des Bewohnern der Küste ein Bauer = Dorfbewohner = orang dusson gescholten wird, während jener als orang baròh den Ehrentitel banda = gebildet oder städtisch sich selbst giebt. Der »gebildete Mann« wie die gebildete Frau (orang banda) ([Fig. 18]) unterscheidet sich auch in der Kleidung von dem »ungebildeten Bauern«. Während meines Aufenthaltes in Seruway hatte ich Gelegenheit, hin und wieder einen solchen Oberländer zu sehen, und der Unterschied in den Hosen, dem Lendentuche und bei den Frauen in der Form der Kopfhaare ist auffallend.
Nur selten sieht man einen Oberländer mit einem kurzen Röckchen bekleidet; er gebraucht eine Art Slendang, welche er idja nennt und entweder über die Schulter oder um die Lenden trägt, oder mit welchen er den Kopf bedeckt, wenn er darauf eine Last transportirt. Der civilisirte »Niederländer« hat ein Röckchen mit langen Aermeln; in diesem Falle wird es in der Mitte von einem kegelförmigen goldenen Knopf (doma) geschlossen, oder die Aermel reichen nur bis zum Ellbogengelenk, und dann sitzt dieser Knopf obenan. Auf dem Kopfe sitzt ein Fes (Kupiah genannt), welches die Form eines umgekehrten Blumentopfes hat und in der Mitte des Deckels mit einem Knopf aus Goldfäden oder Seide verziert ist.
Als Tuku Baïd uns in Lambaro besuchte, sah ich auf seinem Kupiah einen Knopf aus Gold mit grossen Diamanten umgeben.
Manchmal wird um das Kupiah ein Tuch als Tulband (Tangkuh) gewunden. Zur Strassentoilette gehört noch ein Sacktuch (??) (bungkoëh ranub = zusammengelegtes Tuch), in welchem Kleinigkeiten aufbewahrt werden; am häufigsten sah ich Schlüssel daran hängen und das Material für Sirihkauen darin eingewickelt.
Die Toilette der Frauen unterscheidet sofort die Bäuerin aus dem Gebirge und die »gebildete« Grossstädterin. Beide tragen dieselben Hosen und ein Lendentuch wie die Männer; die Frauen an der Küste haben beide Kleider bis zu den Füssen, wollen sie modern gekleidet sein, und die Aermel von ihrem Röckchen (badjè) sind weit und reich verziert, nebstdem tragen sie zwei Slendangs, wovon der eine den Kopf umhüllt, während die Bäuerin des Gebirges sich mit einem Slendang (um die Schulter) begnügt. Die Haare verrathen auch durch die Art und Weise des Knotens die Abstammung der Trägerin. An der Küste ist dieser Knoten in der Form »eines chinesischen Fächers« (= mökipaih Tjina) in der Mitte des Kopfes angebracht; d. h. vielleicht sollte der Haarknoten diese Form annehmen; was ich sah, war mehr zwei Füllhörnern ähnlich. Die Bäuerin im Gebirge will ihrem Zopfe die Form eines Pferdepenis (= mubòh guda) geben, ohne aber mehr als ein wurstförmiges Gebilde zu zeigen, welches entweder zur Seite oder hinten im Nacken herabhing.