Armbänder, Fussbänder, Gürtel, Ringe, Colliers besitzen die reichen Frauen, ebenso tragen sie grossen und schönen Ohrenschmuck und zahlreiche Haarnadeln in den Haaren. Ich oder vielmehr meine Frau besitzt ein Paar Schnallen, welche ursprünglich eine Kette schlossen; diese wird wie von wahren Modedamen um die Hüfte getragen; sie heisst Taloè Kiieng und wird sehr oft auf dem nackten Leib, aber noch öfter über dem Lendentuch getragen.


Ein Jahr lebte ich im Fort Lambaro, und während dieser Zeit hatten sich im Ganzen 6 Atjeer meiner ärztlichen Behandlung anvertraut. Es waren natürlich nur chirurgische Fälle; bei internen Krankheiten wendet sich überhaupt nicht leicht ein Atjeer an einen europäischen Arzt, gerade so wie die grosse Masse des javanischen Volkes noch heutzutage sich lieber von den eigenen »Dukuns« als von einem europäischen Arzt behandeln lässt, der ihre Entstehungsweise der Krankheiten durch Geister, Gespenster (Sundal bolong) u. s. w. nicht kennt und daher in seiner Behandlungsweise mit diesem Factor keine Rechnung hält, d. h. alle Formen der zahlreichen Gelübde unberücksichtigt lässt.

Midin, einer dieser Patienten, zeigte sich selbst dankbar für meine ärztliche Behandlung. Ich erhielt von ihm ein Stück — Zuckerrohr.

Ich hatte die Gewohnheit, täglich mit meiner Frau zwischen 5–6 Uhr vor dem Fort spazieren zu gehen, um wenigstens einmal des Tages meiner Frau die unentbehrliche körperliche Bewegung zu ermöglichen. Dieses war natürlich den Atjeern der umgebenden befreundeten Kampongs bekannt, und hier war es auch, wo wir uns in den wenigen Fällen, dass ein Atjeer oder eine Frau uns besuchen wollte, »zufällig« begegneten.

Eines Tages trat Midin mit seiner Frau auf uns zu und hielt in seiner Linken das lange Schwert ohne Scheide (den Klewang) und in der Rechten ein grosses Stück Zuckerrohr, welches er mir anbot. Seine Frau war der malaiischen Sprache nicht mächtig und zeigte durch ein freundliches Lächeln ihre wohlmeinende Gesinnung gegen uns, während ihr Mann das Zuckerrohr als Geschenk bezeichnete für die mit so grossem Erfolg geleitete Behandlung seines Blasenkatarrhs. Es war 5½ Uhr, wir hatten also noch eine halbe Stunde Zeit, bevor wir ins Fort zurückkehren mussten, und ich beschloss daher, mit Midin mich in ein Gespräch einzulassen, um etwas von den Musikinstrumenten zu erfahren, deren mitunter rührende Weisen sehr oft Abends und in der Nacht zu unseren Ohren drangen. Midin nannte mir den Namen seiner Frau: Putròë und fügte lächelnd die Uebersetzung in malaiischer Sprache: Putri = Prinzessin bei. Als ich ihm den Namen meiner Frau mit Margarete bezeichnete und ihm mittheilte, dass dieser Name ursprünglich Perle (Mutyâra im Malaiischen) bedeutete, wandte er sich gegen seine Frau und verdolmetschte ihre Antwort mit den Worten: Sâma djuga = ebensoviel, und beide stimmten ein lautes Lachen an. Die »Prinzessin« war eine hübsche, vielleicht sogar eine schöne Frau zu nennen. Sie trug, wie alle atjeeischen Frauen, eine Hose und darüber einen Sarong, welcher ungefähr bis zur Mitte der Waden reichte. Die Brust war mit einem Röckchen bekleidet und der Kopf war in einen Schleier eingewickelt, aus dem ein Paar schöne, in Filigran gearbeitete grosse goldene Haarnadeln mit herabhängendem Blumenschmuck hervorragten. Schwarze Augen, eine etwas platte Nase, ein ovales Gesicht, von Sirih gebräunte Zähne, üppige Lippen und stark entwickelte Augenbrauen zeigten uns in ihrem Totaleindrucke ein sympathisches Gesicht.

Bald fand ich Gelegenheit, das Gespräch auf die Concerte (?) zu lenken, welche ich im Fort so oft aus weiter Entfernung hören konnte, und frug ihn, ob ich die atjeeischen Musikinstrumente nicht sehen könnte. Sofort lud er mich ein, mit ihm in seinen Kampong (Sirun) zu gehen, wo er mir alle zeigen und erklären wolle. Dieses Anerbieten konnte ich leicht zurückweisen mit dem Befehl des Commandanten, nach 6 Uhr, d. h. nach Schluss des Thores, nicht ausserhalb des Forts zuzubringen, und versprach, ihn den anderen Tag aufzusuchen, d. h. wenn ich dazu nicht nur die Erlaubniss, sondern auch das Geleite von 40 Mann bekäme, weil, wie er ja wisse, zahlreiche Brandals (= Bösewichte) unser Fort und auch seinen Kampong täglich umschwärmten. Er zeigte sich durch dieses Misstrauensvotum in keiner Weise verletzt, und als das Signal des Thorschlusses uns zurückrief, versprach er, den andern Tag um 11 Uhr[75] alle Musikinstrumente in der Veranda seines Hauses auszustellen, und verliess uns.

Da ich vorschriftsgemäss dreimal in der Woche nach dem Fort Sirun gehen musste, bekam ich zur verabredeten Zeit vom militärischen Commandanten das Geleite von 40 Mann unter dem Commando eines Lieutenants und nebstdem die Erlaubniss, auf dem Rückwege mich im Kampong Sirun bei dem Häuptlinge eine Stunde aufzuhalten. Ich und Lieutenant X. betraten die Mönatah ([Fig. 19]), während die 40 Mann vor dem Eingange ihre Gewehre en haie aufstellten und mit den atjeeischen Frauen und Kindern sich in ein Gespräch einliessen, welches aber nicht recht in Fluss kam; die Soldaten sprachen nur malaiisch, und die atjeeische Sprache ist der malaiischen beinahe so verwandt, als die deutsche mit der holländischen oder dänischen Sprache. (Die mönatah ist das Logirhaus für alle Männer, welche sich zeitlich in einem Kampong ohne ihre Frauen aufhalten, und wird zugleich zu Berathschlagungen und zu öffentlichen Festen benutzt.)

Auf einem balé-balé (= Bank aus Rottanggeflecht) lagen zahlreiche Instrumente, und von jedem einzelnen gab mir Midin die Namen und Gebrauchsanweisungen an. Ich sah einige Flöten, welche er Bangsi und Suléng nannte. Beide waren aus Bambus gemacht; die Bangsi hatte auf der oberen Fläche sieben runde und ein viereckiges Loch und eine Oeffnung auf der unteren Fläche. Die Suléng hatte ebenfalls sieben Oeffnungen auf der oberen Seite; eines derselben war grösser als die übrigen sechs und wurde zum Blasen benützt, wobei der Künstler das Instrument quer vor den Mund hält; das ganze Instrument war mit kupfernen und silbernen Verzierungen versehen. Zahlreiche Rapasi = Tamburins lagen auf dem Boden. Aus seinem Sacktuche nahm er die Wa und die Pib-pib und die Genggong heraus, und theilte mir mit, dass es seine Spielzeuge aus seiner Jugendzeit seien; die Wa war nichts anderes als ein Reisrohr, die Pib-pib eine Flöte (?) aus gebrannter Erde und das Genggong ein »Brummeisel«. Ein Sruné vertrat unsere Klarinette, ein Tambu unsere Trommel, und die Göndrangs sind grosse Trommeln, welche vor dem Bauche getragen und links mit der Hand und rechts mit einem Trommelstock geschlagen werden. Auch eine Râbab, die mein atjeeischer Patient Haröbab ([Fig. 20]) nannte, und zwei Gödumbas, das sind Handtrommeln mit einem Fussstück, fehlte in dieser Sammlung von Musikinstrumenten nicht. Die in Atjeh so stark verbreiteten Tamtams, welche auf Java unter dem Namen Gong bekannt sind, nannte er Tjanangs. Ich muss noch bemerken, dass die atjeeische Violine (Haröbab) drei Saiten aus Seide hatte, der Streichbogen aus einem Rottangrohr bestand, welcher mit den Fasern der Luftwurzeln eines Waringinbaumes (?) bespannt wurde, und dass der Resonanzboden mit einem Stück eines Karbauenmagens überzogen war.

Unterdessen hatten die Soldaten vor dem Mönasah schlecht und recht mit den atjeeischen Kindern und Frauen sich amüsirt; als aber einer der jungen unvorsichtigen europäischen Marssöhne eine atjeeische Schöne streicheln wollte, wurde ihm von allen Seiten ein so ernstes und drohendes Kurang adjâr = Flegel zugerufen, dass der Sergeant es für nöthig erachtete, durch den Trompeter das Signal: »Antreten« geben zu lassen. Ich und Lieutenant X. eilten sofort zur Balustrade, um zu erfahren, von wem dieser unerwartete »Schlussruf« unserer Unterredung ausgegangen war, und mussten diese Vorsichtsmaassregel des Sergeanten in jeder Hinsicht billigen. In Reih und Glied konnte sich dieser etwas zu feurige Füsilier solche Liebkosungen nicht erlauben, die, coram publico erwiesen, geradezu eine Beleidigung für jede atjeeische Frau sind. Bei den Atjeern darf man wie bei allen malaiischen Völkerstämmen die »Katze nur im Finstern zwicken«[76], und ist überhaupt jede Gefühlsäusserung in Gegenwart Anderer geradezu unschicklich.