Warum Nias im indischen Archipel öfters und häufiger genannt wird, als alle übrigen Inseln jener grossen Schutzmauer, welche die Westküste Sumatras gegen die brausenden und stürmenden Wogen der Südsee beschützen, ist mir nicht bekannt; vielleicht ist sie ethnographisch interessanter; vielleicht hat der Sklavenhandel auf dieser Insel die holländische Regierung gezwungen, mit dieser Insel sich stark zu beschäftigen; oder sollten seine schönen Frauen die Ursache ihres Ruhmes sein?
Fig. 23. Ein Kampong (malaiisches Dorf) auf und an den Ufern eines Flusses.
Ohne auch nur die Mentawei-Inseln[90] zu sehen, welche mit Padang auf derselben geographischen Breite (1° S. B.) liegen, kam also unser Boot den 23. August zwischen den Walfischklippen und den Pisanginseln um 9 Uhr Morgens vor Anker. Der Emmahafen, welcher jetzt südlich von dem damaligen Hafen angelegt und mit modernen Einrichtungen für den Transport von Waaren und besonders der Kohlen aus den Ombilienfeldern versehen ist, war im Jahre 1888 erst projectirt. Wer nur einmal in dem alten Hafen landen musste, versteht nicht, dass es erst der jüngsten Zeit vorbehalten bleiben musste, die grosse Handelsstadt Padang auf bequeme und ungefährliche Weise erreichen zu können. Obwohl die vorliegenden Inseln die Gewalt der Wogen des südlichen Oceans brachen, geschah es nur zu oft, dass ein Landen unmöglich war, und dass die blaue Fahne auf dem Walle zum Zeichen wehte, dass wegen schweren Wellenganges der Verkehr mit der Rhede verboten war. Als wir am 23. August 1888 ankamen, bestand officiell kein Hinderniss, sofort an Land zu gehen; der Kahn jedoch, welcher mit der Dampfbarcasse das Ufer verliess, um die Passagiere abzuholen, tanzte auf den Wogen schwindelerregend und schaukelnd auf und ab. Wir standen am Deck, um dem komischen Treiben der Affen (Cercopithecus) zuzusehen, welche bei unserer Ankunft von dem Affenberge herabeilten, um in den durch die Schiffsschraube aufgepeitschten Wellen zu spielen. Meine Frau wandte plötzlich den Blick gegen den Landungsplatz und sah die Dampfbarcasse hinter einer hohen Welle in die Tiefe der See verschwinden. Mit einem Schrei des Entsetzens wies sie nach der Unglücksstätte. Lächelnd beruhigte ich sie mit der Versicherung, im nächsten Momente das kleine Schiff auf der Spitze des Wellenberges erscheinen zu sehen. So geschah es auch; aber meine Frau verweigerte, bei diesem »hohen Stand der See« an’s Land zu gehen. Es war wirklich ein gefährlicher Moment, als die Dampfbarcasse vor der Falltreppe lag, um die Passagiere aufzunehmen. Bald hoben die Wogen das kleine Schiff hoch über die Treppe, bald wurde es mit grosser Kraft gegen den Schiffsrumpf geschleudert, bald sank es einen Meter tief unter die Treppe. Mit Stangen und Haken und Tauen in den Händen gelang es den Matrosen, diesen kleinen Dampfer in der Nähe der Treppe zu halten und das Einsteigen der Passagiere zu ermöglichen. Nur eine viertel Stunde dauerte die Fahrt nach der Küste, und auch wir stürzten von einem Wellenberg in’s Wellenthal, um im nächsten Augenblicke wie eine Nussschale auf dem folgenden Wellenberg zu schaukeln und zu schwanken.
Schon seit vielen Jahrhunderten ist es bekannt, dass die Wellen des stürmenden Meeres durch etwas auf die Oberfläche gegossenes Oel geglättet werden; bereits Aristoteles, Plutarch und Plinius erwähnen diese Eigenschaft des Oeles[91], und im Jahre 1881 hatte Shields mit gutem Erfolge im Hafen von Peterhead (Schottland) das Oel zur Beruhigung der See angewendet. Ich selbst hatte Gelegenheit, mich von der Richtigkeit dieser Beobachtungen zu überzeugen. Es ist daher unverständlich, dass die holländische Regierung niemals daran gedacht hat, in diesem Hafen und auch auf Java eine ausgedehnte Anwendung des Oeles zur Beruhigung einer grossen Brandung einzuführen.
Der neue Emmahafen bei Padang hat bei ruhiger See allerdings jetzt kein Bedürfniss dafür; die Schiffe ankern direct an dem Wall, und nur für den Fall, dass sie auf eine Landung warten müssen, werfen sie einige hundert Meter vom Lande entfernt die Anker in die See.
Gegen 11 Uhr kamen wir in’s Hôtel, und da ich in Uniform gekleidet war, benützte ich diese Gelegenheit mich zu melden und gleichzeitig mit meiner Frau eine Spazierfahrt durch die Stadt zu machen. Die Miethwagen sind in Padang um nichts weniger schmutzig und sehen ebenso verfallen aus als in Batavia, Samarang u. s. w. Die Wagenvermiether kaufen auf Auctionen die ältesten, schmutzigsten und verwahrlostesten Mylords, Landauer u. s. w. und bringen sie sofort in Gebrauch, ohne auch nur einen Cent auf ihre Renovirung zu verwenden.
Speciell in Padang waren diese Ruinen alter Herrlichkeit damals im Localverkehr geradezu eine Sammlung von gefährlichen und antihygienischen Antiquitäten.