Drei bis vier mal im Monate brachte nämlich ein Dampfer von Atjeh jene unglücklichen Patienten, welche in den militärischen Gesundheitsetablissements der »Padangschen Oberländer« Erholung suchten und fanden. Diejenigen Patienten, welche nicht marschiren konnten, wurden in diesen Miethwagen nach dem Spitale gebracht, welches zwei km weit (neben der Caserne) vom Hafen entfernt war. Natürlich befanden sich darunter auch viele Dysenterie-, Malaria- und selbst Cholerapatienten, ohne dass (wenigstens damals) sich jemand mit der Desinfection dieser Wagen bemüht hätte. Seitdem der Emmahafen im Gebrauch ist, haben sich diese Verhältnisse bedeutend gebessert. Die Eisenbahn, welche in’s Innere des Landes führt, giebt eine Seitenlinie für das Spital ab, und alle Patienten werden per Waggon bis zum Thore des Spitals gebracht.
Wir hatten keine Wahl und fuhren also ebenfalls mit einem solchen hässlichen und schmutzigen Fiaker (?) vom Hôtel aus zunächst zum Spitalchef, um meine Ankunft bei meinem Chef und darnach bei dem Platzcommandanten zu melden. (Meine Frau blieb natürlich im Wagen, auf mich wartend.) Letzterer hatte jedoch »keine Zeit« mich zu empfangen; ja noch mehr; um gewiss nicht mit mir zusammenkommen zu müssen, gab er dem Adjutanten den Befehl, meinen Marschbefehl nicht nur für die Ankunft, sondern auch für die Abreise am 26. August sofort zu visiren. Der Anlass zu diesem gespannten Verhältnisse zwischen mir und dem Obersten ist interessant und so charakteristisch für den Haudegen, der »einen einmal gegebenen Befehl nicht zurücknimmt«, dass ich nicht umhin kann, ihn ausführlich mitzutheilen.
Im November 1886 befand ich mich in Kuta-radja in Garnison und bekam den Auftrag, einen Krankentransport nach Padang zu begleiten und mit dem Dampfer, welcher auf seiner Fahrt von Batavia nach Atjeh in Padang anlegen wird, meine Rückreise anzutreten. Als dieser Dampfer in dem Hafen anlegte, hatte er die gelbe Flagge auf dem Topp des grossen Mastbaumes als Signal, dass ansteckende Kranke sich an Bord befanden. Der Platzcommandant gab den Garnisonsbefehl aus, dass niemand an Bord dieses Schiffes gehen und dass überhaupt kein Verkehr mit diesem Schiffe stattfinden dürfe. Da ich und ein Oberarzt, welcher ebenfalls auf diese Gelegenheit wartete, nach Atjeh zurückzukehren, keine Ursache hatten, wegen der Cholera auf dem Schiffe unsere Abreise aufzuschieben, meldeten wir uns den Tag vor der Abreise des Schiffes reglementair bei diesem Platzcommandanten für die Abreise, und ich frug vorsichtshalber, ob das Verbot, mit diesem Schiffe zu reisen, auch auf mich und meinen Collegen Anwendung fände.
»Nein, Sie beide sind als Aerzte natürlich davon ausgeschlossen; es wird ja Ihre Anwesenheit auf dem Schiffe sehr erwünscht, wenn nicht geradezu nöthig sein.«
»Natürlich,« erwiderte ich, »gehen auch die Krankenwärter mit, welchen ebenfalls in ihrem Marschbefehle angeordnet wurde, mit dieser Gelegenheit zurückzukehren.«
»Nein, die Krankenwärter bleiben hier.«
»Aber ich bitte, Herr Oberst! Wir können die Krankenwärter nicht entbehren; wir können die an Bord befindlichen Cholerapatienten wohl behandeln, aber wir können sie nicht verpflegen. Dazu gehören ja die darin geübten Krankenwärter.«
»Nun, dann werden die Kameraden den Patienten die nöthige Pflege zukommen lassen, wenn Sie es nicht thun können oder nicht wollen.«
»Aber Herr Oberst! Wir können uns ja bei einer ansteckenden Krankheit nicht auf die Pflege der Kameraden verlassen.«
»Nun ist es genug, Herr Doctor! Die Krankenwärter bleiben hier, Sie beide reisen morgen ab; einen einmal gegebenen Befehl nehme ich nicht zurück. Guten Morgen!« —