Die ersten Erscheinungen sind die der gestörten Magen- und Darmfunctionen: Abwechselnd ist der Appetit gut und manchmal schlecht; der Magen ist beinahe stets so stark mit Gasen erfüllt, dass die Kleider ein lästiges Gefühl erzeugen, und man z. B. die Weste, welche vor dem Frühstück geschlossen wurde, schon nach ein paar Stunden öffnen muss. Hin und wieder kommt es zum Erbrechen von sauerem Mageninhalt, manchmal von faden zähen Schleimmassen; der Stuhlgang ist unregelmässig und variirt zwischen tagelanger Obstipation und dünnen flüssigen Entleerungen ohne Eiter und ohne Blut. Schon nach wenigen Monaten zeigen sich am Rande der Zunge kleine rothe Pünktchen, und bald ist die ganze Oberfläche der Zunge erkrankt, so dass sie wie ein Stück rauhes Fleisch aussieht, welches mit Firniss überzogen wurde. (Das Epithel ist verschwunden und die Papillen der Zunge sind atrophisch geworden.) Oft genug sieht man kleine weisse Bläschen, welche schmerzhaft sind, und kleine Einrisse (fissuren) auf dem Rande der Zunge; dabei sind das Sprechen und das Essen und Trinken einzelner Speisen empfindlich. Bald wird auch die Leber kleiner und die Stuhlgänge werden arm an Gallenfarbstoff. Man findet entweder kleine harte graue Stücke (Scyballa) oder eine graue, weissliche, mit Schaum bedeckte breiige Masse und hin und wieder selbst ganz wässrige Entleerungen, wie man sie bei Cholerapatienten zu sehen gewöhnt ist.
Ich muss mich in der Aufzählung der übrigen Symptome an dieser Stelle einschränken — ich schreibe ja nicht für Aerzte — und will daher nur noch die für diese Krankheit charakteristischen Erscheinungen anführen, welche das traurige Leiden beendigen. Dabei schwebt mir das Bild eines Kaffeepflanzers vor Augen, den ich in Padang, wo diese Krankheit angeblich wegen der grossen Feuchtigkeit des Ortes besonders häufig vorkommen soll (?), untersuchen konnte.
Es war ein kleiner Mann, welcher blass, anämisch und schwach war; seine Zunge war durch Furchen in sechs Lappen getheilt, die Haut trocken und fahl; die Stimme matt; die Leber kaum zwei Finger breit nachzuweisen, der Blick gebrochen. Die meisten Speisen und Getränke verursachten ihm ein brennendes Gefühl im Munde und in der Speiseröhre; er litt an Diarrhoe, und seine Entleerungen glichen schmutziger sauerer Milch. Am meisten klagte er über Aufstossen von heisser stinkender Luft. Der Puls war klein und zählte 120 in der Minute, die Athemfrequenz war gross.
Der Herr X. war auf der Reise nach Europa begriffen, um dort Heilung seines schweren Leidens zu suchen und zu finden; es war zu spät. Der indische Ocean wurde sein Grab.
Vide: Aerztlicher Centralanzeiger Nr. 36, 1899.
IV. Tropenhygiene
nach dem Vortrage, gehalten am 8. März 1902 im naturwissenschaftlichen Verein „Lotos“ in Prag.
Wenn also das Tropenklima auf der Insel Java einer starken Bevölkerungszunahme nicht hinderlich war — einerseits — und andererseits die Eingeborenen gegenüber der kaukasischen Rasse keinen grossen Unterschied in der Widerstandskraft gegen die endemischen Krankheiten zeigen, dann glaube ich das Recht zur Behauptung zu besitzen, dass die Acclimatisation der Europäer auf Java auf die Tagesordnung der hygienischen Fragen gesetzt werden kann.
Ich behalte mir vor, diese Frage an anderer Stelle ausführlich zu besprechen und will heute nur ein Schema jener Principien entwerfen, welche in dieser Frage ein entscheidendes Wort sprechen. Landbaucolonien sind möglich, wenn die Lehren der Hygiene ebenso gewissenhaft befolgt werden, als die Gesetze des Rechtes, des Handels und der Politik. Das heisst: