Die Papaja (Carica papaya) hat seit einigen Jahren in den europäischen Laboratorien Eingang gefunden, weil der weisse Saft der weichen Schale einen Verdauung befördernden Extract giebt: das Papajin. Diese Fleischfrucht erreicht oft die Grösse eines Kindskopfes und hat in ihrem Innern eine grosse Menge schwarzer Samenkörner, welche als Heilmittel manchmal gebraucht werden; sie ist sehr angenehm (besonders die Riesenpapaya) und aromatisch und wird beschuldigt, bei den Männern temporäre Impotens und bei den Frauen Fluor albus zu veranlassen; ich glaube weder an das Eine noch an das Andere. Sie wird roh mit Zucker und Wein gemischt oder in Zucker eingemacht gegessen. Auch Icterus (Gelbsucht) soll sie erzeugen.

Die Nonnafrucht (Anona reticulata) hat in früheren Zeiten als Aphrodisiacum gegolten, wie Bontius erzählt; aber heute ist diese mehlige, süsse Frucht trotz ihrer zahlreichen Samenkörner eine gern gesehene Frucht auf dem Tische der Europäer, ohne dass man an ihren Liebeszauber denkt oder glaubt. Die Anona muricata wird oft so gross als der Kopf eines Mannes und hat auch einen sehr angenehmen, sehr stark sauern Geschmack; ihr Fleisch wird zerrieben und durch ein Sieb gepresst, weil die Cellulose unangenehm im Munde ist.

Die Durian (Durio zibethium) erreicht die Grösse einer grossen Melone und kann dem sorglosen Wanderer gefährlich werden, wenn sie reif abfällt und den Kopf des Zerstreuten trifft; sie stinkt nach faulen Zwiebeln so stark, dass sie das ganze Haus verpestet, wenn man sie nicht im Hofraume, sondern im Hause öffnet; ihr Geschmack soll jedoch den aller übrigen Früchte der Welt an Feinheit übertreffen und wird von jedem gepriesen, dem es gelingt, sich an den fürchterlichen Gestank zu gewöhnen. Mir gelang es nicht.

Die Manggis (Garcinia mangostana) ist nach meinem Geschmack die beste der indischen Früchte und wird nach »van der Burg« selbst von Bontius durch folgendes Dystichon verherrlicht:

Cedant Hesperii longe hinc, mala aurea, fructus;

Ambrosia pascit mangostan et nectare divos.

Sie sieht wie ein Lederapfel aus, birgt jedoch hinter der fingerdicken, tanninreichen Schale grosse Körner mit schneeweissem Fleisch, welches einen süss-säuerlichen aromatischen Geschmack hat.

Die Mangga (Mangifera Indica), die Rambutan (Nephelium lappaceum), die Djeruks (Citrus), welche jedoch bei weitem nicht so aromatisch sind, als die europäische Orange, die Duku’s, Langsat, die Labu (Lagenaria idolatria), die Samangka (Wassermelonen) u. s. w., alle diese zahlreichen Früchte werden bald »ein gesundes«, bald »ein ungesundes Essen« genannt; die einen werden ein Diureticum genannt, die andern hätten einen scharf reizenden Saft u. s. w.; wir werden uns im zweiten und dritten Theil noch mehr mit ihnen beschäftigen und wollen darum jetzt wieder zu unseren Erlebnissen auf Borneo zurückkehren.


Von den indischen Frauen, oder besser gesagt, von den Frauen in Indien, zu schreiben, ist eine dankbare Sache. Das Geistesleben aller Frauen Indiens, von der hochgebildeten europäischen Frau angefangen bis herab zu der Wilden, zeigt einen festen Punkt, die Liebe; aber wie die übrigen Fragen und Phasen des täglichen Lebens zu dieser Cardinalfrage sich verhalten, giebt den verschiedenen Frauen den eigenthümlichen Typus, welcher am besten mit dem Worte Charakter bezeichnet wird. Dass natürlich die Verhältnisse des Tropenlebens, die Erziehung, die gesellschaftlichen Verhältnisse auf die Formung des Charakters einen grossen Einfluss nehmen, ist selbstverständlich. Ob aber dieser Einfluss grösser oder kleiner sei als der, welcher bedingt ist durch die Abstammung, d. h. in unserem Falle durch die Vermischung mit den Kindern des Landes, wage ich nicht zu entscheiden. Oft gehen nämlich Kinder aus gemischter Ehe in einem Alter von wenigen Monaten nach Europa, geniessen eine europäische Erziehung und kehren erst als Erwachsene nach Indien zurück. »Sofort klettern sie auf die Palmen,« sagt der Malaye und deutet damit an, dass diese leichter wie die in Europa geborenen, und ebenso leicht als die in Indien erzogenen Europäer die Sprache, Sitten und Gebräuche des Landes annehmen. Die in Indien geborenen Europäer werden Kreolen genannt und zeigen in ihrem Charakter dieselben Eigenthümlichkeiten, als die der gemischten Rasse, wenn auch die Hautfarbe weiss ist und das Jochbein und Oberkiefer nicht so stark prominiren als bei den »Halbeuropäern«. Darum mag in diesem Buche der Ausdruck »indische Damen« alle europäischen Frauen umfassen, welche in Indien geboren und in Indien erzogen wurden, ohne Unterschied, ob Vater oder Mutter, ob Grossvater oder Grossmutter von Eingeborenen abstammen, oder ob selbst »kein Tropfen Eingeborenen-Bluts in ihren Adern rollt«. (Charakteristisch ist die Thatsache, dass nur sehr vereinzelt der Fall dasteht, dass ein Eingeborener eine europäische Frau heirathet, während das Umgekehrte nicht selten geschieht und zwar dass ein Europäer »die Mutter seiner Kinder« zum Altar führt.) Bei den »indischen Damen« zeigt sich die Vorliebe für die indische Toilette geradezu als Charaktereigenthümlichkeit; keine europäische Dame z. B. wird gegenwärtig in indischer Toilette im Salon erscheinen oder Abendgesellschaften aufsuchen. Die »indische Dame« jedoch sieht darin nichts Indecentes.