Ueber die Gewinnung des Goldes kann ich aus eigener Erfahrung und Beobachtung nichts mittheilen; ebenso von der der Diamanten; nach den Mittheilungen Perelaers soll jedoch der Reichthum an Gold[32] auf dieser Insel sehr gross sein.

In dem Gebiete der Fürsten von Siang und Murong hatte mein ehemaliger Bedienter das Quellengebiet des Baritu erreicht. Steile Ufer, starke Krümmungen, Sandbänke, in das Flussbett hineinragende Felsen charakterisiren den Oberlauf des Baritu, und an den Flüssen Topo und Lamiung legte unser kühner Jünger Mercurs seinen Kahn an, um den Tauschhandel anzufangen.

Aber erst im Quellengebiete dieser kleinen Flüsse erreichte er die Heimath der Olo-Ott. Es gelang ihm jedoch niemals, diese primitiven Menschen zu Gesicht zu bekommen, weil sie jede Berührung mit der Aussenwelt scheuen. Bei seiner Ankunft brachte er die Waaren ans Ufer und schlug mit einem Stück Holz auf einen in der Nähe stehenden Baum. Dann zog er sich in seinen Kahn zurück, um zu übernachten. Jedesmal unterdrückte er seine Neugierde, diese Buschmenschen zu Gesicht zu bekommen; ein vergifteter Pfeil hätte sicher seine Neugierde bestraft. Den andern Morgen ging er ans Ufer und sah Näpfe mit Goldstaub neben seiner Waare stehen. War er damit zufrieden, so nahm er das Gold und zog sich zurück, ohne sich zu kümmern, wann und wer seine Waaren wegholen würde.

Mit diesem Ertrage begnügte er sich jedoch nicht, sondern am untern Lauf dieser zwei Nebenflüsse sah er Dajaker, welche einer grösseren Stabilität sich erfreuen, weil der Boden in dieser Gegend aussergewöhnlich fett ist; oft wird 5–6 Jahre hintereinander auf demselben Felde der Reis gepflanzt, um jedesmal dieselbe ergiebige Ernte zu bekommen. Ich hatte oft Gelegenheit in dem Urwalde, die Dicke der Humusschicht zu bewundern. Seit Jahrhunderten waren Gesträuche hier in Fäulniss übergegangen und hatten mit der Erde eine dicke fette Humusschicht gebildet.

Hier kaufte er für den erhaltenen Goldstaub Rottang, Eisenholz und Guttapercha. Der Rottang ist eine Schlingpflanze mit einer Epidermis, reichlich mit Stacheln versehen; in dem Urwalde ziehen sie kreuz und quer, und ein Vordringen ist absolut unmöglich, wenn man sich nicht mit der Hacke in der Hand einen Weg bahnt. Ich habe Rottang von 30–40 Meter Länge und faustdick gesehen. Abgeschnitten werden sie umgebogen ins Wasser gelegt, wo die Epidermis aufweicht und durch Dreschen darnach von dem »spanischen Röhrel« abfällt. Aus den gefällten Bäumen, welche unser Handelsmann am Ufer des Dusson-Ulu mit dem Staubgolde bezahlt hatte, wurde ein Floss gebaut, darauf Rottang, Damar und Eisenholz geladen und die Reise nach Bandjermasing damit angetreten. Zur Bequemlichkeit wird von manchen solchen Jüngern Mercurs auf dem Flosse eine Hütte gemacht; ich selbst fuhr einmal mit einem solchen Flosse von Lahey bis Teweh; in der Hütte befand sich ein Bett mit Mosquito-Netz und daneben einige dapur, das sind aus Lehm gebrannte Formen zur Aufnahme von Kohlen und Holz, auf welchen in Töpfen und Pfannen gekocht wird. Es ist die angenehmste Weise zu reisen, weil man überhaupt gar keine Bewegung fühlt. Das Floss wird mit dem Strome fortgerissen und nur durch ein oder mehrere Steuerruder in der Mitte des Stromes erhalten. Das Floss, mit dem ich gefahren bin, war sehr breit und hatte also drei Steuerruder, mit welchen drei Männer nur mit grosser Anstrengung das Floss dirigiren konnten, um nicht gegen eine der zahlreichen Windungen des Ufers anzufahren und zerschellt zu werden.

Mit diesem Floss fuhr er also ungefähr zwei Wochen lang, und in Bandjermasing verkaufte er es an den malayischen Händler, welcher ihm die Leinwaaren creditirt hatte. Mit dem Guttapercha hatte er das beste Geschäft gemacht, weil es wenig mit Sand und Schmutz gemischt war. Leider kennen die Dajaker keine andere Art der Gewinnung des Guttapercha, als den Baum zu fällen; hoffentlich hat die Regierung schon ihren Einfluss geltend gemacht, sie von diesem Raubsystem abzubringen. Einschnitte in die Rinde der Bäume sind ja hinreichend, um das darin befindliche Harz abfliessen zu lassen. Die Wunde schliesst sich und der Baum ist für eine nächste Production erhalten. Die Bewohner sind ja für Aufklärungen zugänglich.

Eines Tages kam ein Dajaker zu mir mit der Bitte, ihm ein Mittel zu nennen, das Guttapercha zu lösen; in Singapore werden nämlich drei Sorten davon gekauft, abhängig nach der Menge der Verunreinigung. Wenn es ein Mittel gäbe, das Guttapercha zu lösen, würde er nur I. Qualität dieser Waare verkaufen und somit auch den höchsten Preis erzielen können. Ich gab es ihm, ohne jedoch weiter zu erfahren, ob sein Reinigungsverfahren ihm den erhofften Gewinn gebracht hat.

Damals befanden sich nur zwei europäische Geschäfte in Bandjermasing, welche, wenn ich nicht irre, keinen Export betrieben; einige arabische Händler und Hadjis[33] kauften die nach Bandjermasing gebrachten Waldproducte, um sie wieder in Java oder Singapore auf den Markt zu bringen. Seit dieser Zeit hat zwar auch die »Handelsmaatschappy« eine Agentschaft dort errichtet; mir ist aber nicht bekannt, welche Ausbreitung der Exporthandel damit gewonnen hat.

Eine gewisse Lethargie charakterisirte damals den Handel in Indien; sie ist jedoch in den letzten fünf Jahren einer Unternehmungslust gewichen, welche hoffentlich nicht wieder erlöschen und die schönsten Früchte tragen wird. Es wird z. B. in Java und Sumatra so viel Petroleum gewonnen, dass Japan und China schon seit drei Jahren das amerikanische und russische Petroleum abzustossen beginnen. Auch Borneo besitzt sehr viel Erdöl, welches dem unternehmenden Manne viel Reichthum einbringen kann; denn die kleinste Hütte Javas hat schon ihre kleine Petroleumlampe; auf allen grossen Wegen Javas sieht man kleine Markthüttchen, in welchen Petroleum verkauft wird, und unter den Dajakern ist die Damarlampe noch immer die schwache Lichtquelle, welche die nächtlichen Feste und Orgien beleuchtet. Vielleicht würde das helle, starke Licht einer Petroleumlampe auch civilisatorisch die Sitten und Gebräuche dieser Wilden beeinflussen.

Vor zwei Jahren besprach ein Herr E.. in den indischen Zeitungen den Plan, von Bandjermasing eine Eisenbahn nach Pontianak bauen zu wollen.[34] Dieser Plan konnte nur in dem Gehirn eines Mannes entstehen, welcher auf Borneo niemals gelebt oder höchstens mit beschleunigter Geschwindigkeit diese Insel durchreist hatte. Amerika hat sich dieser Phantast offenbar vor Augen gehalten, als er dieses Project entwarf; nur vergass er einige nicht unbedeutende Unterschiede.