Geographie von Borneo — Reise des dänischen Gelehrten Dr. Bock — Besteigung des Berges Kinibalu — Die Syphilis in Indien — Beschneidung.
Dr. Posewitz, welcher mein Nachfolger in Buntok wurde, hat nicht nur die Geologie der Insel Borneo ausführlich beschrieben, sondern auch mit gründlichem Fleisse die Namen aller Gelehrten gesammelt, welche sich mit der Ethnographie, Geographie und allen verwandten Wissenschaften dieser Insel beschäftigt haben.
Ob aber die Karte von Borneo in dem grossen Atlas von Stemfoort und ten Siethoff, welcher in den Jahren 1883–1885 verfertigt wurde, sich auch auf die Untersuchungen dieses Geologen basirt, ist mir nicht bekannt; auch kenne ich die Quelle nicht, welcher diese beiden Kartographen die Höhenangaben der einzelnen Berge von Borneo entnommen haben.
Borneo zerfällt in drei Theile: 1. Der Süd-Osten Borneos, dessen Grenze im Norden der Gebirgszug ist, welcher von der nördlichsten Spitze zur Westküste parallel mit der Nordküste zieht, im Westen der »westliche Theil« von Borneo, im Süden die Javasee und im Osten die Strasse von Makassar. Das Innere und der Süden des Landes, welcher früher das Bandjermasingsche Sultanat genannt wurde, ist seit dem Jahre 1864 direkter holländischer Besitz, während die Ostküste aus einzelnen kleinen Staaten[37] besteht, welche unter malayischen Fürsten in grösserem oder kleinerem Maasse die Souveränität der holländischen Regierung anerkannt haben. Der mächtigste und einflussreichste dieser Fürsten ist der Sultan von Kutei.
2. Die »westliche Hälfte« der Insel mit der Hauptstadt Pontianak ist ebenfalls im Besitze der Holländer.
3. Der Norden Borneos steht unter englischer Oberherrschaft und besteht aus den Staaten Saba, Brunei und Serawak mit der Insel Labuan.
Die triangularische Aufnahme dieser Insel hat sich bis jetzt auf die der Küste beschränkt, während die anderen Inseln des indischen Archipels so ziemlich genau schon bekannt sind. So ist z. B. die triangularische Aufnahme der Insel Sumatra im 1. Grad und die von Java schon seit langer Zeit im 2. Grad vollendet. Wann es möglich sein wird, die Schwierigkeiten zu überwinden, welche mit einer triangularischen Aufnahme von Borneo verbunden sind, lässt sich natürlich heute nicht feststellen.
Der Lauf der Flüsse wird von den europäischen und eingeborenen Beamten aufgenommen, wenn sie auf ihren Kähnen das Land durchziehen. Natürlich hat diese Aufnahme nur dann einen dauernden Werth, wenn es sich um den Lauf der Flüsse jenseits des angespülten Landes handelt; denn im Alluvium und im Diluvium ist das Bett der Ströme ein ewig wechselndes.
Der Lauf der Gebirge hat die Form einer Gabel mit vier Zinken, und es hat also Borneo eine vierfache Wasserscheide, und zwar mit sehr grossen Strömen. Die bedeutendsten Flüsse dieser Insel sind folgende: An der Nordküste der Rajang- oder Redjangfluss, der Beram- und der Bruneifluss. An der Ostküste münden der Kinabalang-, Bulangan-, Mahakam- und der Pasirfluss. In die Javasee ergiessen sich der Baritu, Kapuas Murong (= kleiner Dajakfluss) und Kahajan (= grosser Dajakfluss), welche nicht weit von der Mündung ineinanderströmen und zwei Inseln bilden, und zwar die Inseln (Pulu) Petak und Kupang; nebstdem wären an der Südküste noch erwähnenswerth die Flüsse Katingan-, Sampit- und Pembuasfluss ([Fig. 8]). An der Westküste ist der Kapuas der einzige bedeutende Fluss, welcher mit zahlreichen Kanälen und Armen sich in die Karimatastrasse ergiesst.
Was die Orographie dieser Insel betrifft, so lässt sie noch viel zu wünschen übrig; nur von einzelnen Bergen ist die Höhe bekannt. So z. B. sollen im Osten der Insel die Berge Melihat und Beratus ungefähr 1000 Meter hoch sein, während in der Nähe der Nordküste (116° 30′ O. L. und 6° N. B.) der Kinibalu eine Höhe von 4170 Meter haben soll.