Es sind, wie oben erwähnt wurde, vier Gebirgszüge, welche Borneo durchziehen. Der erste beginnt von der nördlichsten Spitze und zieht beinahe parallel zur Nordküste nach Westen und bildet theilweise mit seinem Bergrücken die Grenzlinie zwischen Serawak und dem holländischen Borneo. Der zweite Gebirgszug zieht nach dem Südwesten und ist die Grenze zwischen dem westlichen und südöstlichen Theil von Borneo. Der dritte geht beinahe in senkrechter Linie nach Süden und der vierte in einer concaven Linie nach dem Südosten der Insel und scheidet die mehr oder weniger abhängigen Staaten mit eigenen Fürsten von dem ehemaligen Bandjermasingischen Reiche.
Der höchste Berg der Insel ist der bereits erwähnte Kinibalu, der durch seine Lage in der Nähe der Nordküste den Seefahrern nach China und Java hinreichend bekannt ist; auf der Westseite hat seine Spitze die Form eines abgestumpften Kegels.
Schon vor 40 Jahren, und zwar im Jahre 1858, wurde die Besteigung desselben versucht, und zwar von zwei Seiten. Die erste Expedition wollte die Quelle des Tampasuk aufsuchen und von dort aus den Gipfel erreichen (April 1858). Längs dieses Flusses drang man vorwärts; »die Schwierigkeiten waren nicht geringer Natur, denn bald war der Fluss zu durchwaten, bald ging es über zerbröckelte Granitfelder, bald durch Urwälder. Tief hatte der Strom und seine zahlreichen Nebenflüsse den Boden durchwühlt; Landstürze und Erdrutsche bedrohten die Reisenden von allen Seiten, und selbst ungeheure Granitblöcke, die ursprünglich auf dem Gipfel des Berges gelegen haben mochten, waren durch die Gewalt des Wassers weit ins Land hineingeführt. Nach den starken wolkenbruchartigen Regengüssen, die im Innern Borneos keineswegs zu den Seltenheiten gehören, steigen die wilden Ströme oft binnen wenigen Stunden 50 Fuss hoch und reissen dann mit unwiderstehlicher Gewalt Alles, was ihnen in den Weg kommt, selbst die schwersten Felsmassen, wie leichte Spielbälle mit sich fort. Die von ihnen weggeschwemmte Erde wird lange Zeit im Wasser schwebend erhalten und erst an den Küsten abgesetzt, wo sie dann den fruchtbaren Alluvialboden bilden hilft.«
»Die Natur an den Abhängen des Kinibalu ist ungemein reich, namentlich wachsen hier die schönen Nepenthes-Arten und rothe, gelbe oder violette Alpenrosen. Die Kälte nimmt zu, je näher man dem Gipfel kommt, und als die Reisenden die zweite Nacht nach ihrem Aufbruche in einer Höhle zugebracht hatten, fanden sie am andern Morgen alle Gebüsche mit Reif überzogen. Auf die Rhododendron-Büsche folgte nacktes granitisches Gestein, und aus diesem erhob sich, 3000 Fuss hoch, noch fast senkrecht ansteigend, der Gipfel des Berges. Hier und da strömten kleine Wassergerinnsel über den Granit, und kleines Strauchwerk wuchs spärlich in den geschützten Winkeln der Felsvorsprünge. Da die Felsen fast unter 40° ansteigen, so versuchte Spencer St. John (dies ist der Name des kühnen Gelehrten), die Ersteigung mit wollenen Strümpfen durchzusetzen; diese zerrissen jedoch bald, und seine Füsse begannen zu bluten. Ausser einigen Moosen und Gräsern wuchs an dieser Stelle nichts weiter.« (Friedmann.)
Die zweite Expedition, welche einige Monate später erfolgte, war aus denselben Ursachen nicht glücklicher. Sie folgte dem Lauf des Flusses Tawaran (auf der Westseite des Berges), ohne die Quelle dieses Flusses zu finden oder den Gipfel des Berges zu erreichen.
Wenn auch im letzten Capitel die Geschichte der südöstlichen Hälfte Borneos mitgetheilt und es unvermeidlich sein wird, einige Namen von Städten, Bezirken und kleinen Reichen anzuführen, so glaube ich doch, an dieser Stelle mich nicht mehr, als gethan ist, mit der Geologie, Hydro- und Orographie des Landes beschäftigen zu müssen, weil jeder, der sich dafür interessirt, in Dr. Posewitz’s Geologie von Borneo eine reiche Quelle findet, aus welcher er nicht nur alles findet, was die Geologie des Landes betrifft, sondern auch eine übersichtliche Angabe aller Reisenden, welche diese Insel auch im Interesse anderer Wissenschaften durchzogen haben.
Die südöstliche Hälfte Borneos wurde bis jetzt nur von einer kleinen Anzahl von Gelehrten durchforscht. Der erste war ein Sergeant der indischen Armee, Namens F. J. Hartmann, welcher im Jahre 1790 den Baritustrom bereiste, und der letzte war Dr. Bock, ein dänischer Gelehrter, welcher zur Zeit meines Aufenthaltes, und zwar im Jahre 1879, mit dem Sultan von Kutei die Reise durch das Innere des Landes anfing und den letzten Theil allein zurücklegte. Der bedeutendste Forscher jedoch war Schwaner, welcher in den Jahren 1844 bis 1847 Borneo vom Süden nach dem Westen durchzog und geradezu ein standardwork über die Ethnographie der Dajaker schrieb, welches jedoch leider in vielfacher Richtung schon veraltet genannt werden muss. Uebrigens haben auch G. Müller 1825, Hallewyn 1824–25, Dalton 1827, Henrici 1831, S. Müller, Horner und Korthals 1836–39, Heinrich von Gaffron (gleichzeitig mit Schwaner) und Dewall 1846 bis 1849 zur Erforschung dieses Theiles von Borneo bedeutende Beiträge geliefert,[38] welcher 361653 ☐kmeter gross ist und im Jahre 1883 645772 (??) Einwohner zählte.
Wie erwähnt, zog Dr. Bock im Jahre 1880 mit dem Sultan von Kutei (Ostküste von Borneo) von der Hauptstadt dieses Reiches, Samarinda, über Land nach Bandjermasing.