So manchem Leser wird es aufgefallen sein, dass ich constant von Bandjermasing schreibe, während die meisten Reisenden, und auch der erwähnte grosse Atlas von Stemfoort und ten Siethoff, der Hauptstadt des südöstlichen Borneos den Namen Bandjermasin geben. Für meine Schreibweise habe ich jedoch eine historische und etymologische Rechtfertigung.
In vielen alten Handschriften wird von dem Lande von Banjermasingh gesprochen. So z. B. schreibt die »hohe indische Regierung« in ihrem Briefe vom 25. Februar 1660 an den »Kaufmann« Dirk van Lier: »Omdat het land van Banjermasingh groote Quantiteit pepers jaarlijks mitgeven kann .... dat zij zich vermeten hebben Oud-Banjermasingh ...« Auch der bekannte Reisende Valentyn schreibt den Namen mit einem gh am Ende.[39]
Der Name Bandjermasing wird aber auch dem Barituflusse gegeben. Dies ist jedoch ganz unrichtig. Die Stadt Bandjermasing liegt nämlich gar nicht an den Ufern dieses Stromes, sondern an seinem Nebenflusse Martapura. Auch die Dajaker nennen diesen Strom niemals Bandjermasing, sie sprechen nur von einem Baritu- oder Dussonflusse. Von der Mündung bis ungefähr zum Kampong Baru (1° 20′ S. B.) nennen sie ihn den Baritustrom; von hier aus bis zum Nebenflusse Montalat (0° 35′ S. B.) führt er den Namen Dusson ilir = unterer Dusson, und Dusson ulu = oberer (Lauf des) Dusson heisst er bis zur Vereinigung der Belatong- und Murongflüsse (0° 45′ N. B.), welche für die Quellen dieses mächtigen Stromes gehalten werden.
Wenn ich mit einigen Zeilen das Werk des dänischen Dr. Bock »Unter den Kannibalen auf Borneo«, oder vielmehr seine Reise vom Osten nach dem Süden der Insel Borneo bespreche, leiten mich mancherlei Motive. Wenn er z. B. im 21. Capitel schreibt: »Was die Sittlichkeit betrifft, so bin ich geneigt, den Dyaks eine hohe Stufe der Civilisation zuzugestehen,« so fehlt mir jedes Verständniss für diese Phrase.
Ich weiss, dass Dr. Bock nur kurze Zeit auf Borneo geweilt hat, dass Dr. Bock wie alle andern Reisenden nur ein Ziel kannte: In möglichst kurzer Zeit die möglichst grosse Strecke zu durcheilen; dass Dr. Bock zur Erwerbung ethnographischer Thatsachen nur die Mittheilungen seiner Dolmetscher oder Führer benutzen konnte; Dr. Bock konnte also gar nicht in die Tiefe der Sitten und Gebräuche der Eingeborenen eindringen, und doch — fällt er ein Urtheil. Ja noch mehr. Vom 16. Juli 1879 bis 3. März 1880 war er auf Borneo, hörte in Teweh, dass sich in Buntok ein Arzt befinde, der sich mit dem Sammeln von Fischen und Schlangen beschäftige und tausende und tausende Käfer bereits nach Europa gesendet hatte u. s. w. Am helllichten Tage zog er mit seinem Kahn bei Buntok vorbei und fand es nicht der Mühe werth, diesen Collegen aufzusuchen und seine Sammlungen anzusehen, obzwar dieser drei Jahre lang an der Mündung des Teweh gewohnt hatte und gewiss mehr als er (Dr. Bock) Gelegenheit hatte, ein Urtheil über die Fauna von Borneo sich anzueignen. Ich kenne die Ursachen dieser beschleunigten Rückreise nach Bandjermasing; ich kann sie aber nicht billigen.
Nachdem Dr. Bock seinen Ausflug zu den O. Punang beendigt hatte, und zwar, indem er den Mahakamfluss und seine Nebenflüsse Telen und Klintjoû stromaufwärts mit Kähnen gefahren war, war er nach Samarinda zurückgekehrt, um mit dem Sultan von Kutei die Reise nach dem Strome Baritu über Land zu machen. Er zog noch einmal den Mahakamfluss stromaufwärts bis zum Semajangsee, den er, wie auch den folgenden Djempangsee, mit einem Kahn befuhr, und auf dem Lawafluss kam er in die Wasserscheide des östlichen Gebirgszuges. Eine kurze Strecke mussten sie zu Fuss das Gebirge überschreiten, um in dem Renangonfluss, welcher ein Nebenfluss des Teweh ist, wieder mit Kähnen die Reise fortsetzen zu können.
Das Reisetempo des Sultans war ihm jedoch zu langsam, so dass er sich entschloss, seinen Reisebegleiter zu verlassen, und allein Teweh erreichte, wo sich bereits ein holländisches Kriegsschiff befand, um ihn und den Sultan von Kutei cito et jucunde nach Bandjermasing zu bringen.
Warum Dr. Bock in der Einsiedelei dieses Ortes, welcher kurz vorher von uns verlassen war, auf dem Kriegsschiffe seine Aufwartung nicht machte, weiss ich nicht. Als jedoch zwei Tage später der Sultan ankam und am Bord des Kriegsschiffes festlich empfangen werden sollte, schloss sich Dr. Bock uneingeladen dem Zuge an, und zwar in Reisetoilette. Der Officier, welcher an der Falltreppe die Gäste empfing, glaubte ihn zurückweisen zu müssen. Dies kränkte Dr. Bock mit mehr oder weniger Recht so sehr, dass er ans Land ging und sofort sans adieu Teweh verliess und fünf Tage und Nächte in seinem Kahne nach Bandjermasing reiste, ohne andere Lebensmittel als Reis bei sich zu haben.
Diese Details dieser übereilten Reise des Dr. Bock erfuhr ich später von dem Häuptlinge Dacop und von dem Seeofficier, welcher bei dem festlichen Empfang des Sultans von Kutei »du jour« gehabt hatte.