Als Dr. Bock auf seiner Eilfahrt nach Bandjermasing mein Haus in Buntok passirte, war es 5 Uhr Nachmittags, und ich sass in der Vorderveranda, meinen Thee zu trinken. Neben mir wohnte der Controleur der Abtheilung, und vor seinem Hause stand ein Polizeimann auf der Wache. Als dieser einen Kahn mit der holländischen Fahne vorbeifahren sah, rief er sein »Werda« zu und bekam zur Antwort: Tuwan blanda = ein holländischer Herr. So räthselhaft mir und den übrigen Officieren die Reise eines Tuwans auf einem Kahne sein musste, während ein Kriegsschiff, wie wir wussten, sich bei Teweh befand, so wenig liess sich daran etwas verändern, weil der Kahn die holländische Fahne führte und nebstdem mit grösster Eile fortgefahren war.

Ich kann also die Bemerkung nicht unterdrücken, dass ich es wohl verstehe, wenn Dr. Bock sich gekränkt oder beleidigt fühlte, dass er mit dem Kriegsschiffe, auf dessen Boden er beleidigt wurde, nicht die Reise machen wollte; es ist mir aber nicht verständlich, dass er darum nicht in Buntok Halt machte, um die einzigen Europäer dieser Gegend aufzusuchen, und meine Sammlung von Fischen, Schlangen, Käfern, Insecten und Thierfellen zu besichtigen, von welcher ihm der Häuptling Dacop, wie ich später erfuhr, ausführliche Mittheilungen gemacht hatte.

Dr. Bock ist Zoologe; er hätte bei mir so manches Neue und Unbekannte sehen können, wie z. B. die nach mir benannte Python Breitensteini,[40] Parachella Breitensteini[41] und Breitensteinia insignis,[42] und doch liess er sich diese Gelegenheit entgehen, sein Wissen von der Fauna Borneos zu bereichern!

Aber auch als Ethnograph hat, wie schon oben erwähnt, Dr. Bock durch seinen kurzen Aufenthalt auf Borneo der Wissenschaft nur schlechte Dienste geleistet; er hat nur weniges gesehen und zu viel den Mittheilungen seiner Führer vertraut, welche oft nicht einmal der Sprache der Gegenden mächtig waren, welche sie im Fluge durchreist hatten.


Während meines Aufenthaltes in Teweh und Buntok hatte ich nur wenig Material für das Studium der Magen-, Leber- und Darmkrankheiten, welche in den Tropen so häufig beobachtet werden, weil beinahe niemals die Eingeborenen bei solchen Krankheiten meine Hülfe in Anspruch nahmen; aber auch von der Syphilis sah ich viel weniger Fälle, als ich erwartet hatte. Es giebt ja einige Autoren, welche nach Indien die Heimath der Syphilis verpflanzen wollten. In Borneo fand ich sie (d. h. die Heimath der Syphilis) damals ebenso wenig, als später auf Sumatra und Java.

Wie ich schon früher mittheilte, mochte ich mir über diese Frage ein Urtheil erlauben, weil ich mit den Dajakern mehr als jeder andere Officier oder Beamte verkehrte; ich wurde zu allen ihren Festen eingeladen, bei einzelnen Krankheitsfällen wurde von meiner ärztlichen Kunst Gebrauch gemacht, und durch meine Dilettantenarbeiten im Ausstopfen und Sammeln der Thiere kam ich ebenfalls vielfach mit diesen primitiven Menschen in Berührung.

Als im Jahre 1879 der Fürst von Murong und Siang nach Teweh kam, suchte ich bei und von ihm die Lösung aller offenen Fragen zu finden, z. B. die Existenz von Vulkanen in Borneo und die der Elephanten und Schwanzmenschen; am wichtigsten war mir jedoch die Frage, ob unter den Waldmenschen (Olo-Ott) die Lues vorkäme, und ob die venerischen Erkrankungen ebenso häufig als im übrigen Theile des indischen Archipels bei den Urbewohnern Borneos beobachtet werden.

Wenn ich auch seinen Mittheilungen keinen höheren Werth beimessen will, als sie eben verdienen, so muss ich doch mittheilen: Borneo ist nicht die Heimath der Syphilis, und die auf dieser Insel jetzt vorkommenden Luesfälle sind ein Importproduct der Europäer. Aber auch auf den Inseln Sumatra und Java ist die Syphilis (ich spreche nur von dieser und nicht von den sogenannten venerischen Krankheiten) von den Europäern eingeführt worden, wie ich in der W. M. P. im Jahre 1884 und in der B. K. W. im Jahre 1886 nachzuweisen mich bemühte.

Ich schrieb damals: