Die Vaccinateurs sollten jedoch besser beaufsichtigt werfen, als es bis jetzt geschah. Auspitz’ Experimente zeigen, dass der Inhalt der Vaccinepustel niemals Träger des Syphilisgiftes sei; also nur das Blut. Alle Aerzte sind per se in Indien betraut mit der Aufsicht über die Vaccination. Nur selten jedoch geht diese weiter als bis zur Uebernahme der statistischen Berichte von den Vaccinateurs.
Die Prostituées, als die gefährlichste Verbreitungsquelle der Syphilis, sind ebenso wie die öffentlichen Tanzmädchen (Ronggengs), Tandakmädchen u. s. w. einer wöchentlichen ärztlichen Visitation unterworfen. Nicht nur, dass die Zahl der Proscribirten relativ klein und die clandestinen Priesterinnen des freien Triebes stark überwiegen, auch der Eifer für diese sanitäre Maassregel ist sehr klein. Die damit betrauten Aerzte sind entweder (besonders in den grossen Städten) so mit Privatpraxis überladen, dass sie dieser Sache zu wenig Aufmerksamkeit schenken, oder die Polizeiorgane sind so wenig von der Wichtigkeit dieser hygienischen Maassregel durchdrungen, dass sie sich begnügen, hin und wieder eine diesbezügliche Ordre zu geben, ohne um das Weitere sich zu bekümmern.
Auf Labuan Deli z. B. sind heute gewiss schon über 250 Mädchen; hin und wieder kommt der Arzt von Medan dahin,[48] um in der kleinen Garnison dem Einen oder Andern zu helfen, und nebstbei untersucht er auch einige Prostituées, die ihm bei dieser Gelegenheit von dem Beamten gesendet werden. Labuan Deli ist heute schon die Bezugsquelle der Syphilis für die ganze Provinz bis an die Grenze der Battaker.
Die Matrosen der sogenannten Gouvernements-Marine unterstehen ebenso wenig einer regelmässigen ärztlichen Untersuchung als alle Polizeisoldaten. Auch die Niederländisch-Indische Dampfschifffahrts-Gesellschaft, welche jährlich Millionen für den Transport von Truppen u. s. w. von der indischen Regierung bezieht, thut nichts, absolut nichts, um der Verbreitung der Syphilis durch ihre Matrosen entgegenzutreten. Das Militär wird streng überwacht, und die gesetzlichen Bestimmungen sind hinreichend, um in isolirten Forts die Syphilis im Keime zu ersticken, wenn die civilen Behörden es an der nöthigen Unterstützung nicht fehlen lassen. In den Casernen hat wenigstens ⅓ der Bemannung Haushälterinnen.
Bei begründetem Verdacht, dass eine derselben inficirt sei, muss sie sich der ärztlichen Behandlung unterwerfen, oder der Aufenthalt im Fort wird ihr verboten, und sie wird den Civilbehörden zur weiteren Behandlung übergeben.[48] Im Innern des Landes wird unter 10 Fällen sicher 3 mal so eine Frau ruhig im nächsten Kampong (Dorfe) leben können und der Bevölkerung das Geschenk der europäischen Civilisation (= Syphilisation) übermitteln.
Von den Inseln des indischen Archipels kam die Syphilis sicher nicht nach Europa, wenn auch Fracastor wehmüthig klagt:
India me novit, jucunda Neapolis ornat
Boetica concelabrat, Gallia mundus alit
Vos Itali, Hispania, Galli vos orbis alumni
Deprecor, ergo mihi dicite quae patria.