Der Dajaker heirathet nur, um eine kürzere oder längere Zeit den Gebrauch der Frau sich zu sichern, sei es als Krankenwärterin, sei es zur Befriedigung seiner thierischen Gelüste, oder sei es zur Erhöhung seiner Einkünfte. Wenn seine Frau einem anderen Manne Fallstricke legt — der Ehebruch wird ja mit dem Tode bedroht, aber nicht thatsächlich bestraft, — so wird er nicht nur mit Vergnügen das erhaltene Bussegeld in Empfang nehmen, sondern wird sich auch dessen rühmen, dass er eine so pîntare[66] Frau besitze, und dass sie schon zwei- oder dreimal diesen genialen Streich ausführen konnte u. s. w.
Schon die Vorbedingungen der Ehe sind unmoralisch. Der Dajaker erwartet von seiner Frau gar nicht die Jungfräulichkeit, selbst wenn er mit seiner zukünftigen Frau verlobt wurde, als sie noch Kind war.
Die dajakische Frau weiss aber auch, dass ihr zukünftiger Mann nicht jung heirathen würde, dass er vor der Ehe alle Laster von Sodom und Gomorrha geübt habe, und dass die Ehe ihr nur einen früh gealterten, kraft- und saftlosen Mann bringen werde.
Der Dajaker und die dajakische Frau stehen in ihrem Geschlechtsleben, wie gesagt, tief unter den Affen.
Ich hatte in Teweh ein Affenhäuschen und hatte daher Gelegenheit, auch in dieser Richtung die Affen beobachten zu können. Sie sind Onanisten im hohen Grade. Ich hatte einen kleinen Schweinsaffen, welcher Stunden lang an seinem Präputium saugte; ich bestreute dasselbe mit dem bittern Chinin, um ihn von dieser Gewohnheit abzubringen; ich amputirte das Präputium, welches durch das stete Zerren stark hypertrophisch geworden war. Nichts half jedoch; er ging tabetisch zu Grunde. Der Affe ergiebt sich in verschiedenen Weisen dem Genusse der gereizten Geschlechtsnerven; aber der Dajaker — übertrifft ihn.
Die dajakische Frau gebraucht den Balak, d. i. ein künstlicher mit Wachs überzogener Penis, und der dajakische Mann ist stolz, mit einem Priester (Basir) ein eheliches Leben führen zu können! Dr. van der Burg erzählt, dass die Dajaker »den Penis mit einem Stückchen Holz oder Bein durchbohren und an den freien Enden hölzerne Kügelchen befestigen, mit dem Zwecke, die innere Fläche der Vagina zu reizen und dadurch stärkere Contractionen von dem Constrictor cunni zu bekommen. Ein so ausgerüsteter Penis befindet sich u. a. im pathologisch-anatomischen Cabinet des Militärhospitales in Weltevreden.«
Dieses Präparat habe ich in Weltevreden nicht gesehen, weil ich nicht daran gedacht habe, es zu suchen; ich habe aber auch von diesem Instrumente zur Zeit meines Aufenthaltes in Borneo kein Exemplar gesehen und auch nicht davon sprechen gehört (auch Perelaer reiht die Existenz dieses Instrumentes in das Reich der Fabel); ich schenke jedoch den Mittheilungen des Dr. van der Burg Vertrauen, weil ich ihn einer solchen Lüge unfähig halte und weil — es in den Rahmen des liederlichen Lebens der Dajaker passt und ein Analogon ist zu dem bei andern Nationen des indischen Archipels gebräuchlichen Verfahren, einen Büschel Pferdehaare um den Penis zu knüpfen, um den Geschlechtsgenuss der Frau zu erhöhen.
Den Schleier des ehelichen Lebens der Dajaker will ich nicht aufheben, weil es sich nur wenig von dem Geschlechtsleben der unverheiratheten Männer und Frauen unterscheidet. Bei den zahlreichen und lange dauernden Festen wird ja unter dem Einflusse des Tuwak jeder Unterschied zwischen Alt und Jung, zwischen ledig und verheirathet vergessen, und wenn ich einen Schluss mir erlaube von dem, was ich selbst gesehen habe, auf das, was mir mitgetheilt wurde, so ist es vielleicht besser, wenn ich den Schleier nicht weiter lüfte.
Die Malayen der Insel Borneo sind Mohammedaner, und als solche tragen sie die Keuschheit äusserlich in höherem Maasse zur Schau als die Europäer. Ihre Polygamie ist gesetzlich geschützt; aber ihre Leidenschaft ist zügellos, weil der Geist der mohammedanischen Religion in sie nicht gedrungen ist, und ihnen eine höhere Bildung fehlt, welche ihrem Geiste eine andere Nahrung giebt, als die Sorge für die Liebe und das Würfelspiel. Nebstdem ist der Kampf ums Dasein in der üppigen Natur der Tropen ein leichter; die Sorge um das tägliche Brod beherrscht in Borneo, ebenso wie auf den übrigen Inseln des indischen Archipels, nur ausnahmsweise den einfachen Kampongbewohner; um 10 Kreuzer sind seine täglichen Bedürfnisse gedeckt, und wenn der Bauer in seiner freien Zeit sich als Kuli vermiethet, so erhält er 15–20 Kreuzer pro Tag und ist im Stande, damit selbst den Unterhalt für seine Frau und Kind zu decken; denn sein Feld giebt ihm genug Reis für seine ganze Familie; die Hühner und Enten bereichern entweder seinen Tisch oder schaffen ihm durch den Verkauf der Eier einen kleinen Erwerb. Seine Frau webt sich allein den nöthigen Sarong oder bemalt den europäischen billigen Kattun in geschickter Weise mit den Farbstoffen des Landes, unter welchen der Indigo die erste Rolle einnimmt.
Das Gemeindeleben bringt nur zur Zeit der Wahlen einige Abwechselung in das eng begrenzte Geistesleben der Malayen; er concentrirt dieses also auf das Geschlechtsleben und auf das Spiel.