Hierauf bestiegen die Anwesenden die elektrische Eisenbahn, welche vom Cap Selátan durch die Provinz Tabanio (also 100 Km.) in 1½ Stunden Bandjermasing erreichte. Zu ihrer linken Seite lag die Niederung mit ihren drei grossen Strömen, grosse Dajak, kleine Dajak und Baritu. Am linken Ufer des Baritu befinden sich grosse Magazine, Werfte und Docks, und das ganze Getümmel einer blühenden Hafenstadt fesselte die Aufmerksamkeit der Reisenden um so mehr, als den Hintergrund sanft aufsteigendes Hügelland mit den Bergen Kapit, Satuï und Sakumbang abschloss, auf welchen zahlreiche Villen und Landhäuser standen.

Unterwegs erzählte der Resident, dass er nur ungern dieses Schiff zu seiner Ueberfahrt genommen habe, weil es seine erste Fahrt war, und die Maschinen noch nicht erprobt waren. Beim Ausbruch des Sturmes wurde sofort die gläserne Decke zugeschlagen, die Zwischenräume wurden zur Hälfte mit Wasser gefüllt und während das Schiff immer tiefer und tiefer sank, bis zuletzt durch das gläserne Dach nicht einmal der Himmel zu sehen war, strömte im Salon aus den geöffneten Krähnen die Luft aus, welche die Capitän in stark comprimirtem Zustande in grossen Fässern mitgenommen hatte. Nach der Versicherung der Frau Capitän wäre der Vorrath an Luft hinreichend gross selbst für eine Reise von 5–6 Tagen gewesen.

Der Zug hielt nur bei Bati-Bati an, von wo aus zwei Zweige, der eine nach Bandjermasing, der andere nach Martapura gingen. Der Resident wählte den ersteren, welcher ihn nach der Residenz des Reiches bringen sollte. Obwohl diese Stadt mitten im Sumpfe lag, war sie und blieb sie aus politischen Gründen der Sitz der Aemter und Würden; das höher gelegene Martapura und besonders die am Berge Bebaris gelegenen Villen wurden jedoch im Ostmonsun von den Beamten der Hauptstadt häufig aufgesucht. Uebrigens waren die hygienischen und sanitären Zustände Bandjermasings nicht so ungünstig, als man nach seiner Lage urtheilen sollte. Schon vor »der Schans van Thujl« begann ein grosser Dyk, welcher die Stadt umzog und erst 5 Kilometer oberhalb der Mündung des Kween endigte. Da nebstdem schon seit 30 Jahren zahlreiche Drainröhren und Canäle Bandjermasing durchzogen, welche entweder in den Baritu oder in den Kween mündeten, nebstdem schon seit 100 Jahren immer und immer der Boden durch Sand und Steine verhärtet wurde, so hatte diese Stadt von dem ursprünglichen sumpfigen Boden nicht viel zu leiden. Zwischen den beiden Sümpfen, welche im Norden und im Süden der Stadt sich längs des Stromes hinzogen, befand sich schon seit 25 Jahren eine stattliche Anpflanzung von Eukalyptus und andern Bäumen. Auch befand sich dort eine Wasserleitung, welche mit grossen Cysternen im östlichen Gebirge anfing und das Trink- und Kochwasser nach Martapura und Bandjermasing brachte, während eine zweite Wasserleitung das Wasser aus den höher gelegenen Theilen des Martapuraflusses in einem Canale nach Bandjermasing führte, wo es in einem Kessel filtrirt und gereinigt wurde. Von diesem aus wurde es durch Maschinen in ein grosses Reservoir geleitet, welches hinter dem Fort Tatas erbaut war.

Bei seiner Ankunft bezog der Resident das Haus seines Vorgängers, welcher von seiner Seite wieder mit Frau und Kind im Hotel Baritu vier Zimmer miethete. Den andern Morgen war grosser Empfang für alle europäischen Bewohner der Stadt, für die eingeborenen Beamten und die souveränen Fürsten des Landes. Der Fürst von Pasir war jedoch noch nicht angekommen, obzwar die Post schon vor zwei Tagen seine Ankunft gemeldet hatte. Da er jedesmal, d. h. bei jeder Seereise, fürchterlich durch die Seekrankheit litt, nahm er diesmal den Landweg. Mit einem Kahn fuhr er auf dem Pasirfluss bis zur Mündung des Nebenflusses Samu, und auf diesem bis zur Hälfte der Entfernung von dessen Quelle, welche auf dem Berge Melihat entspringt. Diesen überstieg er zu Fuss, während die seit Jahrzehnten importirten kleinen javanischen Pferde das Gepäck trugen. Bei Pringin bestieg er wieder einen Kahn, wo der Bolanganfluss schiffbar wurde, und kam so in den Negarastrom, von diesem in den Baritu, ohne aber zur rechten Zeit in der Hauptstadt einzutreffen.

Der neue Resident dankte den Anwesenden für den herzlichen Empfang und erging sich dann in einigen Bemerkungen über den günstigen Zustand des Reiches, entwickelte weiterhin seine Pläne für die Zukunft und versprach, für das Wohl des Landes wie ein Vater zu sorgen und alle seine Kräfte, sein ganzes Denken und Sinnen der Wohlfahrt der südöstlichen Hälfte Borneos zu widmen.

Von seinem Programm und von seinen Plänen für die Zukunft, welche ungeschmälerten Beifall fanden, waren die folgenden in jeder Hinsicht bedeutend:

Wenn auch bis jetzt drei grosse Ströme, welche das Herz Borneos mit der Küste und dem schönen Hafen verbinden, für den Handel billige und bequeme Verkehrsstrassen seien, so müsste doch für eine bessere Verbindung mit den seitwärts gelegenen Landwegen gesorgt werden, und zwar durch Bauen von Kanälen, breiten Heeresstrassen und kleinen Eisenbahnen.

Für die Industrie müsste in ausgedehnterer Weise als bis jetzt die Bevölkerung gewonnen werden, und zwar durch Anwerben geschickter Handwerker von Java, welche als Lehrer, von dem Staate besoldet, die in ihrer Heimath blühenden Handarbeiten der grossen Masse der Bewohner Borneos zugänglich machen sollten.

Die letzten Reste der Waldmenschen müssten gezwungen werden, feste Wohnplätze zu wählen; zu diesem Zwecke würde er jedem Familienvater 100 Hectar Weide oder Bauland in Erbpacht geben, sie zu Gemeinden vereinigen, Schulen errichten lassen u. s. w.

Der Reichthum an Holz müsse durch zweckmässige Gesetze gegen das herrschende Raubsystem erhalten bleiben.