Da Mattaram um diese Zeit seine Macht nur noch schwach gegen die holländische Compagnie vertheidigen konnte, schickte der Sultan von Bandjermasing den 2. September 1631 eine Gesandtschaft nach Batavia zum Zwecke eines Bündnisses, um die Javanen nicht mehr in sein Reich zuzulassen. Gerrit Corsz, welcher 5 Jahre später in Atschin (Sumatra) Handelsbeziehungen anknüpfte, ging am 18. Februar und im Juli 1633 nach Martapura, ohne grosser Erfolge sich erfreuen zu können, so dass die Maccau nur 235 Pikols Pfeffer (1 P = 62½ Kilo) den 20. November 1633 nach Batavia bringen konnten, weil die Macassaren den übrigen Vorrath bereits angekauft hatten. Martapura setzte sich unterdessen in Vertheidigungs-Zustand, und als Gysbert von Lodenstein mit sechs Schiffen nach Bandjermasing kam, stellte sich der Sultan mit 2–3000 Mann ihm entgegen. Vielleicht durch die sechs Schiffe eingeschüchtert, sah er von jedem feindlichen Anfall ab und begab sich mit dem Gefolge auf das Schiff des Commandanten, den er um Hülfe nicht nur gegen die Javanen, sondern auch gegen die Macassaren bat. Zu gleicher Zeit wurden 1140 Picols Pfeffer und 2382 Bündel Rottang zum Verkaufe angeboten. Doch den 26. September liess die holländische Compagnie durch eine Gesandtschaft dem Sultan mittheilen, dass seine zweideutige Haltung ein Ende nehmen müsse. Der Sultan versprach dieses. Im Jahre 1635 sollte Martapura holländisches Geld (Ryksdaalders) aufnehmen und die spanischen Realen von sich abstossen. Die Silberarbeiter fanden jedoch dieses Silbergeld für feine Arbeiten nicht geschickt, und die holländisch-indische Regierung sah sich genöthigt, im September 1635 wieder die alten Realen dahin zu senden.

Unterdessen hatte der Sultan von Martapura sich die kleineren Fürsten von Mendawa, Pulu Laut, Kota-Waringin, Succadana, Landak Samba, und selbst die ganze Ostküste der Insel tributpflichtig gemacht.

Als daher den 24. Juli 1635 sein Gesandter auf dem holländischen Schiffe Manilla nach Batavia kam und den Holländern den ausschliesslichen Handel mit Pfeffer anbot, bewilligte die Regierung gern seine Gegenforderung, welche in der Hauptsache auf einen Vorschuss für den noch zu liefernden Pfeffer und auf die Entfernung der javanischen und macassarschen Kaufleute aus dem Reiche Pasir (Ostküste Borneos) sich bezogen.

Es scheint, dass die Portugiesen schon damals, und nicht erst nach 1669, die Südküste Borneos besucht hatten; sie trieben zwar nur auf der Insel Laut mit Gold und Sclaven einen ausgebreiteten Handel; aber die Bandjeresen gebrauchten sie gerne, um für ihren Vorrath an Pfeffer durch ihre Concurrenz grössere Preise von den Holländern zu erzielen.

In demselben Jahre (1635) waren jedoch auch englische Kaufleute unter Tewseling in Martapura erschienen, brachten einen Empfehlungsbrief und Geschenke vom englischen Präsidenten mit und boten gegen Gewährung von Freihandel dem Sultan so viel Geschütze und Pulver an, als er besitzen wollte. Auch von der holländischen Regierung erhielt der Sultan von Martapura zwei vollkommen ausgerüstete Kanonen mit einem Briefe, in welchem besonders auf das zweideutige Benehmen des Radja Itam hingewiesen wurde. Dieser liess nämlich den Engländern alle mögliche Hülfe zur Errichtung einer englischen Factory leisten. Der holländische Schiffscapitän Soop protestirte natürlich dagegen; der Sultan jedoch erklärte, dass der Handel mit Pfeffer von dem Freihandel ausgeschlossen werden würde und das Privilegium der hohen indischen Regierung bleibe.

Natürlich fuhr Martapura fort, trotz dieser schönen Versprechungen, einen ausgebreiteten Pfefferhandel mit Siam, China, Macassar, Cochinchina u. s. w. zu treiben.

Demungeachtet richtete sich die holländische Compagnie zum Zuge gegen Pasir und Kutei, und am 7. October 1635 ging der Sultan von Martapura an Bord eines der Schiffe, welche von Markus Heyndriksz commandirt wurden, nach der Ostküste Borneos, um Pasir von fremden Kaufleuten zu befreien. Den 8. November kamen sie nach Kutei, dessen Sultan jedoch durch geheime Boten davon verständigt wurde und also Zeit hatte, sich in Vertheidigungszustand setzen zu können. Der Führer der holländischen Flotte wagte es nicht, einen Anfall auf die zu stark befestigte Hauptstadt dieses Reiches zu unternehmen, und begnügte sich, Unterhandlungen mit dem Sultan anzuknüpfen. Es gelang ihm auch, mit ihm, der den langen Namen Ady Patty Cinom Pangy Amodappa Ingh Martapura führte, einen Vertrag zu schliessen, demzufolge sein Reich die Souveränität des Sultans von Martapura anerkannte, und er den Bandjeresen und Holländern freien ungehinderten Handel gewährte. Der Sultan von Pasir zeigte sich jedoch viel weniger gefügig, worauf die Stadt beschossen, in Asche gelegt und 50 grössere oder kleinere Schiffe, welche in dem Hafen lagen, vernichtet wurden. Als der König von Martapura dies erfuhr, gab er den 2. December dem Commandanten ein grosses Diner und einen schmeichelhaften Brief an den Gouverneur-General, in welchem er alle seine Versprechungen wiederholte. Darunter war das wichtigste Versprechen, dass er an England keinen Pfeffer liefern wolle und jeden Handel mit diesem unterdrücken würde.

Unterdessen hatte jedoch Wollebrand Geleinsz, während der König vor Kutei lag, mit seinen Vertretern Radja Itam und Retua dy Ratya so wenig Erfolg (weil diese die Engländer begünstigten), dass den 24. Januar 1636 Pool mit sechs Schiffen dahin zog, um einen bindenden Contract zu erhalten. Der Sultan war jedoch noch nicht in Martapura anwesend; die Flotte zog also vorläufig nach Celebes, um die »Feinde der Compagnie zu vernichten« in der Erwartung, bei ihrer Zurückreise den Sultan in Martapura zu treffen.

Auch mit Cochin-China trieben die Martapuresen in damaliger Zeit ausgebreiteten Handel, und es ist unbegreiflich, dass in den letzten Jahrzehnten, ja selbst seit mehr als 100 Jahren, der Handel des Bandjermasingschen Reiches so darniederlag, und selbst heute noch überhaupt kein Pfeffer exportirt wird.

Natürlich blieben die Martapuresen auch mit den Engländern, Javanen, Macassaren und Malayen in steten Handelsbeziehungen, obwohl ihr Sultan stets mit 3–4000 Realen bei der holländischen Regierung im Schuldenbuch stand. Ja noch mehr. Der Einfluss der Engländer wuchs mit jedem Tage, sie mochten selbst den Baritu aufwärts fahren, um direct mit dem Sohne des Sultans Handel treiben zu können.