Endlich hatten die Martapuresen ihr Ziel erreicht und auch die Engländer in ihre Falle gelockt; diese errichteten im Jahre 1698 in Martapura eine Factory und erklärten diese Stadt als den Hauptplatz ihres indischen Gebietes. Zu diesem Zwecke wurden einige hundert Buginesen gemiethet, welche die Factory bewachen sollten, und während der Chef auf dem Flosse wohnte, wurde auf dem Lande eine kleine Redoute mit 10 kleinen Kanonen gebaut. Als zur selben Zeit eine englische Colonie in Kambodja angegriffen und geschlagen wurde, flüchteten sich die Reste nach Martapura, und dasselbe geschah in Siam, dessen Chef die Factory in Martapura übernahm. Sie betrugen sich mit so viel Stolz und Uebermuth, dass der Hof und die Einwohner von Martapura nur in stiller Wuth dieses ertrugen und endlich den Plan fassten, die englische Factory auszumorden. Die Engländer bekamen davon Wind und ergriffen die Offensive. Sie eroberten Bandjermasing, Tatas, Kaju Tinggi und Martapura, 7 Kanonen, 100 Gewehre und 20 Kojang Pfeffer.
Gegen eine Kriegsentschädigung von 3000 spanischen Matten gaben sie jedoch alles an die Martapuresen zurück. Im Jahre 1707 jedoch, und zwar am 1. November, schüttelten diese das verhasste und unerträgliche Joch der übermüthigen Engländer ab und ermordeten die ganze englische Factory bis auf ihren Chef Thiems, welcher auf einem holländischen Schiffe, und einen Schiffscapitän, welcher auf einem englischen Schiffe nach Batavia entkam. Der Sultan von Martapura erklärte jedoch, gegenüber dem Hass seiner Unterthanen gegen die Engländer ohnmächtig zu sein, in Zukunft zwar mit ihnen weiter Handel treiben zu wollen, aber niemals mehr die Errichtung einer englischen Factory zulassen zu können. Dieses dauerte jedoch nur bis zum Jahre 1746.
Nach dem Blutbade von 1669 sah Martapura 23 Jahre lang kein holländisches Schiff vor seinen Ufern. Nachdem im Jahre 1692 der Holländer Jacob Jansz wieder in diesen Hafen eingelaufen war, konnte er nur mit den Portugiesen und Engländern zugleich einigen Pfeffer erstehen, so dass vorläufig der holländische Handel untergraben blieb.
Im Jahre 1712 drohte Martapura mit Brunei in einen Krieg verwickelt zu werden, und beide riefen die ostindische Compagnie zur Hülfe. Zu Martapura befanden sich zwar seit dem vorigen Jahre (1711) holländische Schiffe unter N. van der Bosch und Abraham Poele, um den Chinesen den Handel mit Pfeffer zu entreissen; es gelang ihnen dies nicht, und doch blieben sie in dem Hafen, um nach erhaltenem Auftrag von Batavia ihre Hülfe gegen Brunei zu verlehnen. Der Sultan von Martapura jedoch drang darauf, ein Bündniss mit Batavia zu schliessen (1714), welches im Jahre 1733 erneuert wurde. Obzwar den Holländern der Alleinhandel versichert wurde, und diese gestatteten, dass jährlich ein Jonk mit Pfeffer nach China gehe, konnte Martapura mit allen möglichen Nationen und besonders mit China und England Handel treiben. Sobald ein holländisches Schiff ankam, waren alle möglichen Ausreden bei der Hand, um ihnen keinen Pfeffer zu verkaufen. Bald war eine schlechte Ernte, bald ein zu kleiner Vorrath, bald etwas anderes die Ursache, dass Martapura an die Holländer keinen Pfeffer liefern wollte.
Die Waffen mussten also im Jahre 1746 den Sultan von Martapura zwingen, sein immer und immer gegebenes Versprechen einzuhalten. Lieutenant Ackerveldt blockirte den Hafen und zwang alle Schiffe der Engländer, Chinesen u. s. w., die Insel zu verlassen; als nebstdem im nächsten Jahre (1742) van der Heyden mit sechs Schiffen vor der Mündung des Martapuraflusses erschien, schloss der Sultan, ohne eine Beschiessung der Stadt abzuwarten, denselben Contract als im Jahre 1664. Er übergab nämlich den ganzen Handel mit seinem Reiche an die Holländer und gestattete, dass diese zur Sicherstellung des Vertrages zwei Forts in seinem Reiche bauten, und zwar auf Tabenio und Tatas (bei Bandjermasing).
Dies ist der Anfang vom Ende des Bandjermasingschen Reiches mit einem Hindu-Dajakischen Fürsten.
Im Jahre 1756 wurde holländisches Geld eingeführt; die Diamantengruben mussten ihre Erträgnisse an die Holländer abliefern, 15000 Pikols Pfeffer wurden an diese abgeliefert, und ein Bündniss gegen Sintang, Berouw, Kutei und Melavei geschlossen, wofür an die Holländer 80 Pikols Vogelnester, 160 Pikols Wachs und 340 Tail Gold gegeben werden sollten.
Der definitive Zusammenbruch des Reiches geschah doch erst am 13. August 1787.
Es war nämlich im Jahre 1780 (?) der Reichsverweser Pangeran Nata im Kampfe um den Thron mit dem unmündigen Sultan, welcher sich nach der Ostküste geflüchtet hatte. Hier hatten sich schon seit langer Zeit Tausende von Buginesen (von Celebes) angesiedelt, und im Jahre 1785 zogen 3000 von ihnen nach Tabanio, um die Partei des jungen Sultan zu nehmen, und plündernd und mordend verfolgten sie den Reichsverweser bis nach Martapura. Dieser wandte sich endlich an die »Compagnie« um Hülfe. Capitän Hoffmann zwang die Buginesen zum Rückzuge; der Preis, den Sultan Nata dafür bezahlen musste, war gross. Er wurde ein Lehnsmann der ostindischen Compagnie.
Nach grossen und kleineren Aufständen verliess unter Daendels im Jahre 1809 Holland das Bandjermasingsche Reich, Bandjermasing sandte 1811 eine Gesandtschaft an das englische Interregnum, welches im Jahre 1812 Alexander Hare als Residenten und Commissar dahin schickte, um mit Bandjermasing einen Vertrag zu schliessen, demzufolge dieses Reich ein englischer Lehnsstaat werden sollte. Offenbar hatte Alexander Hare noch bedeutende persönliche ehrgeizige Pläne; denn er errichtete mit Hülfe von javanischen Bauern (Landstreicher nennt sie die Geschichte) eine Ackerbaucolonie, welche jedoch, wie überhaupt das ganze Bandjermasingsche Reich, nach dem Sturze Napoleons im Jahre 1816 wieder in den Besitz der Holländer überging. Natürlich wurden die alten Verträge von den Jahren 1787 und 1812 jetzt von den Holländern erneuert, aber weder die Bevölkerung noch der Sultan hatten ernstliche Absichten, auch thatsächlich deren Bedingungen zu erfüllen. Zwei holländische Kreuzer, ein kleines Fort und ein Polizeicommissar mit seiner Mannschaft wurden vernichtet, und als der Commissar van Boekholtz die Mörder zu verfolgen und zu bestrafen sich bemühte, äusserte der Sultan darüber unverhohlen sein Missvergnügen. J. H. Tobias machte jedoch der despotischen Regierung ein Ende.