Meine Abreise von Batavia nach Surabaya hätte am 20. November stattfinden sollen; sie musste jedoch aufgeschoben werden, weil auf dem Dampfer, der an diesem Tage nach Surabaya ging, alle »Hütten« besetzt waren. Ungefähr 60,000(!!) »Gouvernementspassagiere« wurden damals mit der indischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft jährlich von einem Theile des Archipels zum andern transportirt. Die Transferirungen erfolgten damals nämlich äusserst oft. So wurde z. B. einer meiner Bekannten, ein Lieutenant der Infanterie, im Jahre 1877 von Batavia nach Surabaya transferirt, wofür an Transportkosten (ohne Diäten) 90 fl. bezahlt wurden; zwei Monate später ging er nach Menado, welche Reise 330 fl. kostete; dort blieb er drei Monate, um nach Atjeh transferirt zu werden, wofür die Dampfschifffahrts-Gesellschaft 720 fl. in Rechnung brachte. Mit Diäten kostete dieser Officier dem »Lande« in diesem einen Jahre mehr als 1400 fl.!! Mit der Transferirung der Militärärzte ging es s. Z. in gleicher Weise verschwenderisch zu; durchschnittlich war ⅓ (!) des Standes auf der Reise begriffen oder aus anderen Ursachen nicht activ, und nur wenige haben bei ihrer Pensionirung im Durchschnitt ein Jahr in einem Garnisonsort gewohnt. Ich selbst habe durch zufällige Umstände in meinen 21 Dienstjahren, inbegriffen drei Jahre Urlaub in Europa, nur in 21 Garnisonplätzen Dienst gethan.

Jeden fünften Tag ging ein Dampfer von Batavia nach Samarang und Surabaya, und es blieb mir also nichts weiter übrig, als noch fünf Tage in Weltevreden procul negotiis zuzubringen; für diese Verzögerung wurde ich reichlich durch die Gesellschaft entschädigt, welche ich auf dem Dampfer »Prinz Alexander« fand, als ich endlich am 25. November Batavia verlassen konnte. Der Schiffs-Capitän, ein gebildeter Mann, war der deutschen Sprache mächtig, und zeigte mir das Leben in den Tropen in einem anderen Lichte, als ich es bis jetzt gesehen hatte. Nebstdem befand sich an Bord ein französischer Seeofficier S., welcher sich in Surabaya vor Jahren als Commissionär einer grossen französischen Weinfirma angesiedelt hatte und mir in der Wahl eines Hotels u. s. w. so manche nützliche Winke geben konnte; nebstdem hatte er viele Jahre in Tonking geweilt und verglich bei unseren Gesprächen gern das Leben Javas mit dem in den französischen Colonien. Wenn ich mir auch späterhin sagen musste, dass dieser Herr S. oft einseitig, und zwar zum Nachtheile der holländischen Colonien, viele Einrichtungen des socialen Lebens in Java beurtheilte, so war der Verkehr mit ihm, den ich in Surabaya weiter unterhielt, dennoch für mich sehr anregend; denn seine Mittheilungen über das Leben in den französischen Colonien gaben mir einen Maassstab zur Beurtheilung des Erlebten und des Gesehenen in den holländischen Colonien.

Am 29. November kam ich in Surabaya an und bezog in der Vorstadt Simpang das Hotel Wynveldt, welches ob seiner »Rysttafel« berühmt war und den Vortheil hatte, in der Nähe des grossen Militärspitales zu sein, welchem ich voraussichtlich zugetheilt werden sollte.

Für 90 fl. bekam ich in diesem Hotel die ganze Verpflegung (natürlich ohne Getränke), und 15 fl. bezahlte ich für den Wagen, der mich (zugleich mit meinem Nachbar, einem Apotheker) um 8 Uhr nach dem Spitale bringen, um 11½ Uhr von dort abholen und Nachmittags um 4¾ Uhr wieder dahin führen sollte. Die Abendvisite dauerte nicht lange; es war jedoch Usus geworden, nach der Visite in der Nähe des Thores mit den Collegen an die »Kletstafel« (= Plaudertisch) sich zu setzen und ein Glas Eiswasser zu trinken; unterdessen näherte sich die Sonne dem Horizonte. Ein sanfter Seewind zog durch die Strassen, und zu Fuss ging jeder nach Hause, und zwar meistens mit dem Hut in der Hand. Aus allen Häusern strömten die Spaziergänger, um sich in der frischen Abendluft von der Hitze des Tages zu erholen; offene Equipagen zogen durch die Strassen mit Damen (ohne Hüte), um dulce et jucunde durch die alte Stadt bis an »Modderlust« einerseits oder über Simpang eine Rundfahrt um die südlichen Vorstädte Surabayas zu machen; eine Spazierfahrt in einem offenen Wagen, sei es in einem Mylord oder in einer Victoria, ist um diese Zeit geradezu ein Genuss. Ein kühler Luftstrom mindert die Wärme, welche von dem trockenen Boden aus in dem Luftkreise sich ausbreitet, und darum findet man in Surabaya, sowie in ganz Indien nur wenige europäische Familien, welche sich den Luxus einer eigenen Equipage nicht gönnen würden. Dieser Luxus ist allerdings, wie wir später sehen werden, nicht gross.

Simpang ist die reizende Vorstadt von Surabaya, mit Häusern derjenigen Europäer, welche nicht in der alten Stadt wohnen müssen. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass die alte Stadt von Surabaya ebenso wie die alte Stadt von Batavia und Samarang nur mehr die Bureaux der Handelsleute enthalten werde, dass Simpang die eigentliche Stadt Surabaya werden und sich bis Wanakrama, welches heute acht Kilometer weit vom Stadthaus der alten Stadt entfernt liegt, ausstrecken werde. Ein schöner Park ist das Entrée dieser Vorstadt. Zwischen Blumenbeeten mit Hibiscus- und Nerpenthessorten und kleinen Anlagen von Cicadëen und Fächerpalmen ziehen sich schöne Wege mit Götzenbildern aus den Ruinen des alten Reiches Madjapahit. Kleine Teiche mit Fischen, Volièren mit Vögeln, hohe Bäume mit Orchideen behängt, entzücken das Auge und leiten zuletzt zu dem Palaste des Residenten. Ein grosses Götzenbild steht vor seinem Thore, Djaka Dólóg genannt, welchem in früheren Zeiten von unfruchtbaren Frauen geopfert wurde, um Nachkommenschaft zu erhalten. Es ist ein garstiges Denkmal der alten Hinduschen Kunst und Religion. Neu-Surabaya hat schöne Strassen und Alleen von Tamarinden, Acacien und Waringinbäumen, hinter welchen mit zahlreichen Cocos- und Arangpalmen sowie Pisangstauden einzelne Kampongs (Dörfer) der Eingeborenen sich bergen. Wenn auch die Häuser der Europäer nur die Villenform haben und sich nicht hoch über den Boden erheben, so ist ein Spaziergang des Abends durch diese Strassen wirklich ein Genuss, weil alle Häuser weisse Mauern und weisse Säulen haben, von welchen die zahlreichen Lampen ein Meer von Licht auf die etwas schwach beleuchteten Strassen strömen lassen. Von den grösseren Gebäuden verdienen das Casino, die Loge und das grössere Militärspital erwähnt zu werden. Dieses ist ein grosses einstöckiges Gebäude mit zahlreichen Sälen für ±400 Kranke in der Form eines nach der Hauptstrasse offenen Quadrates (⊓). Der Hof zwischen diesen drei Gebäuden hat zwei grosse schöne Waringinbäume. Hinter der quervorlaufenden Front fliesst der Goldfluss, an dessen Ufer der Pavillon der Officiere, und in einer beträchtlichen Entfernung ein Pavillon für Infectionskrankheiten stehen. Zugleich schliessen sich daran die Mauern der benachbarten Landes-Irrenanstalt.

Wie überrascht war ich, als mir nach den üblichen Vorstellungen beim Landes-Commandirenden und Platz-Commandanten der Landes-Sanitätschef mittheilte, dass ich, als lediger Mann im Hotel wohnend, gewiss sofort meinen Dienst antreten könne, und dass er mir die Abtheilung der eingeborenen »internen Kranken« zuweisen werde. Unbekannt mit den herrschenden Bestimmungen sollte ich sofort eine Abtheilung des Spitals leiten, und unbekannt mit der malayischen Sprache sollte ich 80 bis 100 eingeborene Soldaten behandeln. Ich erlaubte mir gegenüber dem Oberstabsarzt L., welcher in collegialer Weise und in liebenswürdigem Tone mit mir sprach, den Zweifel auszusprechen, dass ich wohl einem solchen Wirkungskreise mich vorläufig nicht gewachsen fühlte; doch der Sanitätschef schnitt mir jede Motivirung dieses Zweifels an meine diesbezügliche Fähigkeit mit den Worten ab: »Wie im Mittelalter die Feldherren einen alten Feldwebel zur Seite hatten, der sie in die Geheimnisse der Verwaltung einweihen sollte, so bekommen Sie einen Ziekenvader = Krankenoberwärter, der Sie nicht nur in die Geheimnisse des Dienstes einweihen, sondern Ihnen auch vorläufig ein Dolmetsch für die eingeborenen Soldaten sein wird. Vorläufig, d. h. Sie müssen sich sofort bemühen, der malayischen Sprache so weit mächtig zu werden, dass Sie die wichtigsten Fragen an die eingeborenen Patienten selbst stellen können, und ich hoffe, nach vierzehn Tagen auf Ihre Abtheilung zu kommen, um mich persönlich davon überzeugen zu können. Ich bitte Sie also, morgen früh um acht Uhr im Saale Nr. 6 zu erscheinen, wo Ihnen Dr. X. alle Patienten übergeben, d. h. alles mittheilen wird, was er aus verschiedenen Ursachen nicht in der »Krankenliste« aufgenommen hat. Ich kann Ihnen jetzt sofort anrathen, diese »Krankenlisten« nicht zu vernachlässigen; es ist nicht hinreichend, die Recepte in diese niederzuschreiben, welche dann in der Apotheke verabfolgt werden, sondern auch die Anamnese und der ganze Verlauf der Krankheit muss in diesen Listen beschrieben werden; jeder Patient besitzt eine solche Liste, welche ein vollständiges Bild seiner Krankheit enthalten muss, weil es nur zu oft geschieht, dass der behandelnde Arzt krank wird, und sein Vertreter ohne diese Notizen keine richtige Einsicht in seine Krankheit haben kann.« Verlockend war die Voraussicht nicht, ein paar Wochen unter der Leitung eines Krankenwärters zu stehen, welcher den Rang eines Feldwebels bekleidete. Ich beschloss also, diesem etwas eigenthümlichen Verhältnisse so bald als möglich ein Ende zu machen, und fuhr sofort nach der Stadt, um mir zu kaufen: Ein »Recueil« der gesetzlichen Bestimmungen für die Militär-Spitäler Indiens und eine Grammatik der malayischen Sprache. Als Dr. X. den nächsten Tag mir »den Saal 6« mit 30 Patienten und den »Saal 7« mit 40 Patienten übergab, liess er die in den letzten 24 Stunden eingelangten Patienten unbesprochen, und mit gewisser Selbstbefriedigung besprach ich nach Uebergabe des Dienstes von Seiten meines Vorgängers, mit den neuen Patienten ihre Krankheiten; prapa lama sakit? = wie lange bist Du krank? sakit apa? = was fehlt Dir? sukkah makan nassi? = hast Du Appetit, oder wörtlich übersetzt: Hast Du Lust Reis zu essen? ging mir so flott von den Lippen, als ob ich ein geborener Malaye wäre. Ebenso zuversichtlich dictirte ich dem Krankenwärter die »Diät« für diese Patienten mit den vorschriftsmässigen Abkürzungen: Portie, ½ Portie, ¼ Portie, Diät und ½ D. Wenn mir aber einer der Patienten auf meine Fragen eine etwas weitläufige Antwort gab oder Wünsche in Betreff des vorgeschriebenen Speisezettels äusserte, verstand ich natürlich kein einziges Wort und musste nolens volens die Hülfe der Krankenwärter in Anspruch nehmen. Als nach vierzehn Tagen der Spitalschef zugleich mit dem Landessanitätschef auf meiner Abtheilung erschienen und als stille Zuschauer eine Stunde lang der Behandlung der Patienten folgten, zu gleicher Zeit jedoch hin und wieder einen Blick unter die Kopfpolster warfen, ob darunter kein Tabak, Cigarren u. s. w. verborgen seien, und darnach die Aborte und die Baderäume der Abtheilung und die Kästen mit der Wäsche inspicirten, merkte ich aus einzelnen aufgefangenen Worten die Zufriedenheit meiner Chefs, und beim Weggehen stellte mir der Landes-Sanitätschef die Prognose, dass ich sehr bald die Fähigkeiten zu einem »Eerstaanwezenden Officier van Gezondheid« zu Muarah-Teweh werde erlangen können, welcher in einigen Monaten einen neuen Titularis werde erhalten müssen. Nach Ablauf des Dienstes begab ich mich in die »Conferentiekamer«, wo die übrigen Aerzte vor Erscheinen des Spitalschefs gemüthlich die Tagesfragen besprachen. Stolz auf die Belobung meines Chefs theilte ich meinen Collegen mit, dass ich für den Posten eines rangältesten Militärarztes zu Muarah-Teweh designirt sei. Statt Bewunderung oder Eifersucht sah ich zu meiner Ueberraschung auf allen Lippen nur ein spöttisches Lächeln.

»Ja, ja, dieses ist eine hohe Stellung, welche Ihnen in Aussicht gestellt wurde; ich muss Ihnen aber auch mittheilen, dass Sie nicht nur der rangälteste Militärarzt, sondern auch der Rangjüngste in Muarah-Teweh sein werden, d. h. der einzige Arzt in einem Stück Lande, das so gross als ganz Holland ist; Sie werden aber auch in einem Hause wohnen, welches das einzige in diesem Bezirke ist, und Ihre ganze Gesellschaft wird aus zwei Officieren bestehen, welche in demselben Hause wie Sie wohnen werden. Sie kommen in ein Land — es liegt im Herzen Borneos —, »hinter welchem überhaupt kein Land mehr ist«,[18] und da Sie mit den Soldaten nicht verkehren dürfen, so können Sie mit den Orang-Utangs oder anderen Affen verkehren, und unter den Kopfjägern, den Dajakern in den benachbarten Kampongs, werden Sie vielleicht einen finden, der Malayisch spricht; aber es wird rathsam sein, auch diesem einzigen gebildeten Dajaker nicht zu viel Vertrauen zu schenken, weil Sie sonst Gefahr laufen, Ihren einzigen Kopf eines Tages auf den Pfählen seines Kampongs hoch in den Lüften baumeln zu sehen.« »Dafür haben Sie,« fügte ein zweiter College ebenfalls in spöttischem Tone hinzu, »das erfreuliche Bewusstsein, ein Protegé des Sanitätschefs zu sein; als solcher können Sie einer »schönen« Garnison zugetheilt werden, zu welchen z. B. Batavia und Surabaya gehören, d. h. Städte, in welchen das gesellschaftliche Leben sich wenig von dem einer grossen Stadt in Europa unterscheidet; Sie können aber auch eine »gute« Garnisonstadt erhalten, d. h. in einen Ort versetzt werden, in welchem Sie eine grosse Privatpraxis erlangen können; in Djocja z. B. kann man leicht 5–600 fl. monatlich bei seinem Gehalt verdienen; in Banda (Molukken) selbst 1000 fl. So viel werden Sie natürlich in Muarah-Teweh nicht verdienen; Sie können aber auch nichts ausgeben. Die Dajaker haben noch keine Oper, Tingel-Tangel, und nebstdem sorgt die Regierung auch für die Kost der Officiere, weil ausser dem Lieferanten, welcher für die Verpflegung der Truppen sorgen muss, kein Kaufmann und kein Geschäft sich dort befindet, von welchem Sie etwas kaufen könnten. Da Sie im Fort selbst wohnen müssen, so brauchen Sie kein Quartiergeld zu bezahlen; und weil die Wohnung nur aus einem Zimmer mit Bambuswänden besteht, also nicht den Anforderungen einer Officierswohnung entspricht, bekommen Sie das Quartiergeld, 70 fl. pro Monat, ausbezahlt. Was die Kost betrifft, erhalten Sie diese natürlich nicht aus der Menage der Soldaten, sondern in Natura, d. h. die Zubereitung der »Vivres« können Sie sich selbst besorgen. Sie erhalten eine »europäische« und zwei »eingeborene« Rationen; Sie bekommen z. B. täglich 0·5+2×0·6 = 1·7 Kilo Reis. Butter, Oel, Pfeffer, Rindfleisch, Petroleum, Salz, Thee und Kaffee werden Ihnen in solcher Menge verabfolgt, als ein europäischer und zwei eingeborene Soldaten täglich für ihren Lebensunterhalt nöthig haben. Sie sehen also, dass die holländische Regierung sehr freigebig ist; Sie erhalten für das »süsse Nichtsthun« Ihren Monatsgehalt von 225 fl. und 30 fl. für zwei Pferde Fourage und 70 fl. Quartiergeld und 50 fl. für die Armenpraxis und gänzliche Verpflegung. Sie werden nämlich nicht viel zu thun haben, weil die Garnison nur aus einer Compagnie Soldaten (incl. ungefähr 25 Frauen und einiger Kinder) besteht.«

Nach diesen Mittheilungen konnte ich nicht viel Erfreuliches für die nächste Zukunft erwarten, und arg enttäuscht verliess ich um 11½ Uhr das Spital. Da der Apotheker, welcher mit mir den Wagen benutzen sollte, »die Wacht hatte«, d. h. 24 Stunden im Spitale bleiben musste, konnte ich den Wagen zu einer Rundfahrt in der »Stadt« benutzen (natürlich gegen Beibezahlung von 2 fl.).

Ein ungefähr zwei Kilometer langer Weg trennt die Vorstadt Simpang von »der Stadt«, welche im Jahre 1743 an die Compagnie abgetreten und zum Sitz des Gouverneurs von Javas Osten wurde, nachdem schon zwei Mal (1677 und 1679) diese Stadt von den Holländern erobert worden war.

Schon bei dem Officiers-Club »Concordia«, welchen ich sofort beim Eintritt in die Stadt zu meiner rechten Hand sah, zeigt sich dem Beobachter ein ganz anderes Bild, als dies in Batavia der Fall ist. Es ist eine holländische Stadt aus dem Anfange dieses Jahrhunderts mit kleinen, niedrigen Häusern, welche ohne Garten die Wege begrenzen und in grösserer oder kleinerer Anzahl zu einem Gebäudecomplex vereinigt sind; schmale Wege, Stege, Gassen und Strassen wechseln mit Grachten (Wassercanälen), und nur die Dreh- und Aufzugbrücken fehlen, um das Bild einer alten, schmutzigen Kleinstadt in Holland zu vervollständigen. Der Goldfluss (Kali Mas) theilt die Stadt in eine östliche und westliche Hälfte, und die »rothe Brücke« verbindet den europäischen mit dem chinesischen (östlichen) Stadttheil. Gegenüber der Concordia liegt das Haus des Regenten mit einem Schlossplatz; hier wird Sonntag Nachmittags ein Militär-Concert gegeben, welches die jeunesse dorée von Surabaya zu einem Rendez-vous einlädt. Ein eigenthümliches Gebäude ist die Moschee, welche eine hübsche Combination von griechischem, maurischem und gothischem Styl zeigt. Im chinesischen Viertel fielen mir die Tempel und die zahlreichen Geschäfte auf; daran schloss sich der Kampong der Malayen mit einem grossen Marktplatz, auf welchem lange, grosse, auf steinernen Pfeilern ruhende Markthallen standen. Hierauf kam ich zu den »Mooren, Bengalesen und Arabern«; schmutzige, enge Strassen, schmutzige, kleine Geschäfte, wie auf einem alten Tandelmarkt, und noch schmutziger waren die weissen Kleider und Turbane der arabischen Bewohner.