Auf Seite 24: »Wenn während der heissen Monate an den Oeffnungen des Körpers noch keine Würmer zu sehen sind, und diese zuerst an den Schläfen, dem Atlas, auf den Rippen und auf dem Bauche zum Vorschein kommen, dann ist sicher auf dieser Stelle eine Wunde.«
Auf Seite 26: »Die Todtenbeschauer thun auf Ersuchen anderer Leute oft Rubia mangista in den Essig und reiben damit die verwundete Stelle ein. Auf diese Weise werden die Wunden unsichtbar. Es giebt Bösewichte, welche Leichen kaufen, sie verwunden und andere Leute fälschlich des Mordes beschuldigen ...., sie bestechen die Todtenbeschauer, um mit Eisenvitriol, Gallnüssen, Sapanholz die nebligen, blaurothen Wunden nachzumachen, während die Todtenbeschauer die Wunden an die Beamten dictiren.«
Wenn vor einigen Jahren der deutsche Kaiser die europäischen Mächte vor einer mongolischen Invasion warnte, dann verrieth er eine richtige Auffassung der chinesischen Zustände, der chinesischen Ausdauer und der chinesischen Zähigkeit. Ja, noch mehr, ich zweifle keinen Augenblick, dass in den künftigen Jahrhunderten die mongolische Rasse Europa überschwemmen werde. Java ist diesbezüglich eine Demonstration ad oculos; beinahe der ganze Kleinhandel und beinahe der ganze Grossgrundbesitz ist heute schon in den Händen der Chinesen. Von den Ursachen und Verhältnissen, welche diese Thatsachen ermöglichten, will ich nur die Zähigkeit der Chinesen, so weit sie auch auf unser Thema Bezug hat, näher besprechen. Diese ist gross. In ihrem Leben spotten sie geradezu allen Regeln der Hygiene, und doch vermehren sie sich wie — Kaninchen. Eine junge schöne Frau hatte z. B. einen so schweren Blutverlust erlitten, dass sie wie ein Wachsbild beinahe pulslos zu Bette lag, als meine ärztliche Hülfe eingeholt wurde. Keine wie immer geartete manuelle Hülfeleistung wurde von Seite der Familie erlaubt.
Der Tod schien mir nach dieser heftigen Hämorrhagie post abortum unvermeidlich, und doch erholte sie sich nur durch eine medicamentöse Behandlung so vollkommen, dass sie nach Jahresfrist einem 5 Kilo schweren Knaben das Leben gab. (Ich muss bemerken, dass auf Java beinahe niemals echte chinesische Frauen gesehen werden, sondern solche, die einem ehelichen oder unehelichen Verhältnisse mit einer javanischen Frau entstammen.) Wenn ich absehe von einigen sehr reichen Chinesen, welche bereits in zweiter Generation auf Java leben und sich den Luxus eines europäischen Haushaltes erlauben, so sah ich bei allen anderen fürchterliche Unreinlichkeit und Schmutz. Das Schlafzimmer z. B. war bei 90 pCt. der von mir besuchten chinesischen Familien nicht länger als das Bett und vielleicht nur um einen halben Meter breiter; die Bettwäsche und das Moskitonetz hatten durch Alter und Schmutz eine unkennbare Farbe; auf dem Boden dieses Zimmerchens, welches weder eine hölzerne, noch eine steinerne Bedeckung hatte, wurden die Sputa und der Inhalt des Magens deponirt, ohne an eine sofortige Entfernung zu denken. Und doch standen noch in diesem kleinen Raume ein kleiner Altar und die Geldtruhe, worin sich oft Tausende Gulden befanden. Der Chinese ist übermässig im Essen und in der Liebe, und doch wimmelt es im chinesischen Viertel von zahllosen Kindern. Magenkatarrhe, Leberkrankheiten, Fettsucht, Erschöpfung durch den Missbrauch des Opiumrauchens kamen mir ebenso oft zur Behandlung wie die Tropenfieber, und doch sieht man zahlreiche chinesische Greise. Ihre Zähigkeit muss man also bewundern.
In dem vorliegenden Büchlein über gerichtliche Medicin umfasst die Lehre der Vergiftungen 14 Blattseiten, von welchen ich natürlich nur einige Zeilen mittheilen kann.
Auf Seite 81 z. B.: »Es kommen nicht wenige Todesfälle vor, welche dadurch bedingt sind, dass irrthümlicher Weise solche Speisen gegessen werden, deren Charakter miteinander in Streit ist; so mag man z. B. frischen Wein nicht gebrauchen mit Honig oder den Flussfisch »Tung« mit Russ, welcher aus dem Kamin gefallen ist, da dies alles bald den Tod zur Folge haben und den Zweifel erregen würde, ob nicht eine Vergiftung vorliege, was ein grosser Irrthum sein würde.«
Auf Seite 82: »Bei einer Todtenbeschauung von einem Vergifteten nehme man eine silberne Exploitivnadel, welche in einem Aufguss von Mimosa saponaria[177] gewaschen wurde, steckt sie in den Mund der Leiche und stopft den Mund mit Papier zu. Wenn man nach einiger Zeit die Nadel wieder herauszieht, so ist sie blauschwarz und bleibt es auch wenn man sie mit demselben Abguss wiederum wäscht. Wenn jedoch keine Vergiftung geschehen ist, bleibt die Nadel silberweiss.«
Etwas praktischer ist folgendes Experiment.
Seite 83: »Man nehme etwas gekochten Reis, stopfe ihn in den Mund und in die Kehle der Leiche, bedecke den Mund 24 Stunden lang mit Papier, nehme dann den Reis aus dem Munde und gebe ihn einem Huhn zu essen. Stirbt das Huhn, dann lag eine Vergiftung vor.«
Von dem stärksten Gift, welches ebenfalls durch die Nadelprobe erkannt wird und der »Seide essende Wurm« in den Provinzen Canton und Kwang-si Joh-sse-ku genannt wird (weil es wie eine Heuschrecke aussieht), wird auf den Seiten 84 und 85 ausführlich gesprochen.