Individuell ist der Chinese auf Java, wenn wir von der Moral absehen, allen Anforderungen der Civilisation zugänglich; er ist fleissig und sparsam und nüchtern, er ist ein Freund des Prunkes und des Aufwandes — wenn er die Mittel dazu besitzt; wenn er als Kuli ¼ fl. pro Tag verdient, wird er sicher 5 Cent davon zur Seite legen, und wenn er 5 fl. pro Tag erwirbt, wird er niemals das ganze Erträgniss seiner Arbeit verzehren; ist er jedoch reich, wird er gewiss niemals geizen, im Gegentheil, er liebt den Prunk und wird z. B. bei der Hochzeit seiner Tochter 1000 fl. allein für das Feuerwerk bezahlen.
Fig. 23. Mein »Haus«.
Vieles von dem bis jetzt Erwähnten passt allerdings nicht in das landläufige Bild eines Chinesen; auf Java ist eben dieses Volk alles, nur keine reine Rasse, weil es keine chinesischen Frauen stricte dictu giebt. Sie stammen nämlich aus der Provinz Amoy, wo das Auswandern der Frauen verboten ist. Auf anderen Inseln, z. B. auf Sumatra, sah ich einige echt chinesische Frauen, d. h. von China eingewanderte Frauen, welche noch die verkrüppelten Füsse hatten. In Java jedoch sind es nur chinesisch-javanische Frauen, und als solche pflanzen sie sich als eigene Rasse fort. Ihre Kinder heissen »chinesische Kinder«; der Knabe bekommt seinen Zopf und das (reiche) Mädchen wird der Oeffentlichkeit entzogen; da sie in der Regel wieder untereinander heiraten, bleiben wohl einzelne Rasseneigenthümlichkeiten bestehen; aber rein ist die Rasse nicht; es sei denn, dass man auch wissenschaftlich von einer chinesisch-javanischen Rasse spricht. Ihre Hautfarbe ist lange nicht so dunkel, als die der Javanen; die Männer haben den Zopf und das bartlose Gesicht; nur bei einigen sind die enggeschlitzten Augen noch zu erkennen; die Frauen sind zierliche Puppen; sie haben den eleganten Körperbau der javanischen Rasse; durch die helle Hautfarbe ist oft das zarte Roth der Wangen sehr deutlich; sie sind schön gebaut, und viele von ihnen würden die Zierde eines jeden Salons sein.
Vielfach wird behauptet, dass die Chinesen sich nicht in der Fremde begraben liessen. Dieses hat wahrscheinlich für die echten Chinesen seine Richtigkeit; der Halbchinese wird auch in Java begraben. Ich erinnere mich nur eines vereinzelten Falles, dass von Magelang während meines 5jährigen Aufenthaltes eine Leiche nach China transportirt wurde, die übrigen wurden auf dem chinesischen Kirchhofe begraben, welcher auf dem Wege nach Djocja lag. Wie überall, waren die Grabkeller in einen Hügel eingegraben und hatten ein weisses[180] Rondeau; je nach dem Vermögen und Stand der Familie ist dieses bald gross, bald klein. Der Sarg ist einfach und schmucklos; er besteht aus einem ausgehöhlten Baumstamme, und der Deckel ist demselben Baumstamme entnommen. Zum Transport wird der darauf gut passende Deckel einfach mit Pech verklebt, und doch belästigt die Verwesung der Leiche die Umgebung nicht.
Am 1. November 1892 wurde das alte Spital verlassen und das neue, welches sich im Norden des Campements befand, bezogen. Die Uebersiedelung eines solchen Spitales mit ungefähr 500 Soldaten-Patienten ist mit gewissen Schwierigkeiten verbunden; es musste oder vielmehr sollte alles an einem Tage geschehen, weil sonst die Küche, die Apotheke u. s. w. auf zwei Plätzen ihre Arbeiten gleichzeitig verrichten mussten; vorher musste also festgestellt werden, wie viel Patienten, zu Fuss gehen konnten — die beiden Spitäler lagen ja beinahe 3 Kilometer von einander entfernt — wie viel in einer Sänfte und wie viel in einem Wagen transportirt werden sollten; es waren ja selbst einige Schwerkranke, welche man im Bette beliess und welche in demselben auf den Schultern von 4 Kulis getragen werden sollten. Da der Spitalschef alles selbst besorgte, so war der Transport insoweit nicht geregelt, als einige Aerzte im neuen Spital werklos auf die Ankunft der Kranken warteten, während sich der Spitalschef übermüdete.
Fig. 24. Grundriss des Militärspitals zu Magelang. (Erklärung v. [S. 308]).
Erklärung zum „Grundriss des Militärspitals zu Magelang“.