I. | Hauptgebäude. | |||||||
1. Zimmer für die Verwundeten. | ||||||||
2. „ „ „ Operationen. | ||||||||
3. „ „ „ Instrumente. | ||||||||
4. Bibliothek. | ||||||||
5. Sitzungssaal. | ||||||||
6. Bureau für den Chef. | ||||||||
7. Antichambre. | ||||||||
8. Bureau des Schreibers. | ||||||||
9. Wohnzimmer. | ![]() | für den Doctor | ||||||
10. Schlafzimmer. | ||||||||
11. „ für den Apotheker du jour. | ||||||||
12. Tisanerie. | ||||||||
13. Magazin der Apotheke. | ||||||||
14. Laboratorium. | ||||||||
15. Arbeitszimmer des Apothekers. | ||||||||
16. Bureau des Apothekers. | ||||||||
17. Apotheke. | ||||||||
18. Oberkrankenwärter. | ||||||||
19. Feuerspritze. | ||||||||
20. Portier. | ||||||||
21. Hauptthor. | ||||||||
22. Bureau des Verwalters. | ||||||||
23. „ „ Schreibers. | ||||||||
24. Magazine. | ||||||||
25. „ | ||||||||
26. „ | ![]() | für die Uniformen und | ||||||
27. „ | ||||||||
28. Schmutzwäsche. | ||||||||
29. Bureau des Magazinmeisters. | ||||||||
30. Magazin für Strohsäcke. | ||||||||
31. „ für Holz- u. Eisengegenstände. | ||||||||
32. Zimmer für die Wäsche | ![]() | im 1. Stock. | ||||||
33. Magazin für Spitalgegenstände | ||||||||
34. „ „ unbrauchbare Gegenstände | ||||||||
35. „ „ Matratzen und Polster | ||||||||
IIa. | Aborte und Badezimmer für das Hospitalpersonal. | |||||||
IIb. | „ für neue Patienten. | |||||||
III. | Halle für Schwefelwasserstoff. | |||||||
IVa. | Abort b. Badezimmer f. d. Doctor du jour. | |||||||
V. | Wagenremise. | |||||||
VI. | Tolletbaracke für 42 Patienten. | |||||||
VII. | Küche. | |||||||
VIII. | 2 Pavillons für 120 Patienten. | |||||||
VIIIa. | Pavillon für Augenkranke mit Operationszimmer, Dunkelzimmer und 40 Betten. | |||||||
IX. | Badezimmer und Aborte für Patienten der 3. u. 4. Classe. | |||||||
X. | Officierspavillon. | |||||||
XI. | Badezimmer und Aborte für Officiere. | |||||||
XII. | Zimmer für Officiersbediente. | |||||||
XIII. | Pavillon für Damen. | |||||||
XIV. | Officiersküche. | |||||||
XV. | Pavillon für 20 Unterofficiere. | |||||||
XVI. | idem. | |||||||
XVII. | Badezimmer und Aborte für Unterofficiere. | |||||||
XVIII. | Pavillon für Soldatenfrauen. | |||||||
XIX. | ![]() | Badezimmer und Aborte | ||||||
XX. | ||||||||
XXI. | Pavillon für Prostitués. | |||||||
XXII. | Badezimmer u. Aborte für diese. | |||||||
XXIII. | Strafabtheilung und 2 Zellen für Irrsinnige. | |||||||
XXIV. | Badezimmer u. Aborte für diese. | |||||||
XXV. | Leichenhaus m. Pferdestall. Wagenremise und Laboratorium. | |||||||
XXVI. | Gebäude u. Ofen f. Desinfection. | |||||||
XXVII. | Pavillon für Infectionskrankheiten. | |||||||
Casernen für die Krankenwärter. | ||||||||
XXVIII. | Wohnung d. Aspirantofficiers. | |||||||
XXIX. | Abort, Badezimmer u. Küche desselben. | |||||||
XXX. | Oberkrankenwärter (Feldwebel). | |||||||
XXXI. | Badezimmer u. Aborte für diese. | |||||||
XXXII. | Caserne für 57 europäische (oppassers), 75 eingeborene Krankenwärter (handlangers), 13 Corporale u. ein Sergeant-Major. | |||||||
XXXIII. | Nebengebäude. | |||||||
a. Frauenhalle. | ||||||||
b. Badezimmer f. d. verheirateten Frauen. | ||||||||
c.„ für Frauen. | ||||||||
d.„ „ Europäer. | ||||||||
e.„ „ Eingeborene. | ||||||||
f. Aborte für Eingeborene. | ||||||||
g. „ „ Europäer. | ||||||||
| ||||||||
k. Küche. | ||||||||
XXXIV. | Arrestlocale und Logis der 54 Sträflinge, welche dem Spital für die groben Arbeiten zugetheilt sind. | |||||||
XXXV. | Aborte der Sträflinge. | |||||||
XXXVI. | Wasserreservoir. | |||||||
XXXVII. | Ofen f. die Warmwasserleitung. | |||||||
Das neue Spital ([Fig. 24]) hat eine ungeheure Ausdehnung, weil das Pavillonsystem in übertriebener Weise angewendet wurde. Die Luftlinie von Norden nach Süden beträgt 450 Meter und von Osten nach Westen 200 Meter. Wenn der »Doctor der Wacht«[181] reglementair in der Nacht zweimal die Runde macht, d. h. durch alle Krankensäle und längs aller Betten geht, hat er jedes Mal ¾ Stunden dazu nöthig, und thatsächlich beträgt dann der zurückgelegte Weg jedesmal 3 Kilometer. Wie leicht geschieht es, dass bei einem Krankenstand von 5–600 Mann der »Doctor der Wacht«, ich will sagen nur einmal bei einem Patienten Hülfe leisten muss; also wenigstens 7–8 Kilometer muss er jede Nacht zurücklegen, wenn er seinen Pflichten nachkommen will. Er muss nebstdem den darauf folgenden Vormittag nicht nur seinen gewöhnlichen Saaldienst verrichten, sondern es erwarten ihn noch andere Obliegenheiten. Er muss dreimal nach der Küche gehen, um das Essen zu kosten, das erkrankte Hospitalpersonal muss er entweder in der Caserne oder bei sich im Wartezimmer behandeln und, last not least er muss den Befund beschreiben von etwaigen Verwundeten oder Todten, welche in den letzten 24 Stunden ins Spital gebracht und von ihm behandelt oder operirt wurden. Die Runde des »Doctors der Wacht« ist überflüssig; denn andere dazu mehr befugte und geeignete Personen können ja dasselbe leisten, d. h. durch die Runde sich überzeugen, dass die Patienten in ihren Betten liegen und dass die Krankenwärter nicht nur auf ihrem Posten sind, sondern auch factisch wachen. Das sind nämlich die Krankenoberwärter mit dem Range eines Feldwebels, welche im Allgemeinen einen leichten Dienst haben; ein oder zwei Pavillons mit ungefähr 50 Patienten ist das Terrain ihrer Arbeit. Sie müssen dafür sorgen, dass die »Handlangers« (eingeborene Krankenwärter) und »Oppassers« (europäische Krankenwärter) den »Saal« rein halten, die Kranken jeden dritten Tag mit neuer Leibwäsche versorgen; sie verfertigen die Diätlisten nach den Mittheilungen des Arztes, sind beim Empfang der Speisen in der Küche und bei der Vertheilung an die Patienten, und halten den kleinen Vorrath von Wäsche in Evidenz, welche sich in einem Kasten im Krankensaal befindet. Wenn sie auch die verantwortlichen Personen für alles sind, was der Arzt für die Patienten vorschreibt, und für alles, was in Abwesenheit des Arztes »auf dem Saale« geschieht, so ist diese Arbeit doch eine sehr beschränkte, und es könnte ihnen ausschliesslich die »Runde« überlassen werden und dem »Doctor der Wacht« höchstens die Controle dieser Unterofficiere anvertraut werden.
Aber noch andere Inconvenienzen sind mit solchen ausgedehnten Räumlichkeiten verbunden. Der Krankenwärter ist auch »lieber faul als müde«, wie ein holländisches Sprichwort sagt, und überlegt es sich, einen Kilometer weit den »Dokter van de Wacht« zu holen. Ich selbst habe es erfahren, als ich eines Tages »die Wacht« hatte, dass einer meiner Patienten in der Nacht einen Blutsturz bekam, ohne dass mich der Krankenwärter davon verständigte. Andererseits ist es wiederholt vorgekommen, dass Aerzte dem Krankenwärter einen Vorwurf machten, ihn umsonst im Schlafe gestört zu haben, weil sie dem Patienten doch nicht helfen konnten.
Das Pavillonsystem ist gewiss für jedes Spital das richtige System. In Magelang ist es jedoch auf die Spitze getrieben worden — zum Nachtheil der Patienten. Dieses Spital wird als eine Sehenswürdigkeit von Magelang, ja selbst von ganz Indien gepriesen. Als im Jahre 1896 der König von Siam nach Java kam und den Tempel Buru Budur aufsuchte, wo er fünf Tage verblieb, kam er auch nach Magelang, um das berühmte Spital zu besichtigen. Es gefiel ihm in so hohem Maasse, dass er versprach, auch die Königin dieses Gebäude besichtigen zu lassen. Am 2. Juli 1896 um 4 Uhr sollte Ihre Majestät nach Magelang kommen, beim Residenten absteigen und in Gesellschaft des Platz-Commandanten und Residenten das Spital besichtigen. Wir Militärärzte bekamen natürlich den Auftrag, in Galatenue zu dieser ungewöhnlichen Stunde im Spitale »präsent« zu sein. Um 3½ Uhr stand ich mit dem Adjutanten und einigen Aerzten am Eingange des Spitals, als ein schmutziger, alter Reisewagen vorfuhr und stehen blieb. Der Platz-Commandant und der Resident waren nicht zu sehen. Zu unserer Ueberraschung stiegen aus dem Wagen die Königin mit zwei Hofdamen und dem Leibarzte Dr. Ruyther, einem Belgier von Geburt. Der Spitalchef sass noch in seinem Bureau, ich eilte also rasch zum Wagen und bot der Königin, und der Zahlmeister der ersten Hofdame den Arm. Die Königin nahm den Arm an, und ich führte sie ins Gebäude, wobei wir zunächst die Apotheke passirten. Da erscholl in deutscher Sprache mit lauter Stentorstimme der Ruf aus der Apotheke: »Man giebt einer Königin nicht den Arm.« Unterdessen kam der Spitalchef herbeigeeilt und bemühte sich vergebens, die goldenen Schnüre an der Uniform zu befestigen. Die Königin, welche ein wenig der englischen Sprache mächtig war, ging aber so langsamen und gemessenen Schrittes,[182] dass der brave Stabsarzt V. endlich die Schnüre befestigen konnte; er bot nun der Königin den Arm und ich der Hofdame. Beide, die Königin und die Hofdame, waren in europäischer Kleidung, welche aus einer einfachen billigen Sommertoilette bestand; aber der Schmuck in den Ohren war kostbar. Eine Stunde dauerte dieser Gang durch das Spital (unterdessen hatte ich Gelegenheit, mit meiner Equipage die Spitzen der Behörden wissen zu lassen, dass die Königin sich nicht ans Programm gehalten hatte und direct nach dem Spitale gefahren war), und in dieser ganzen Stunde konnte ich mit dieser Dame kein einziges Wort sprechen, weil sie nur der siamesischen Sprache mächtig war. Es war eine peinliche Situation, welche einen recht komischen Beigeschmack hatte.
Gegen Ende des Rundgangs platzte endlich die Bombe. Ich und die Hofdame ergingen uns in einem schallenden Gelächter, worauf sich das vor uns gehende Paar fragend umdrehte. Was die Hofdame der Königin antwortete, weiss ich nicht, weil es in siamesischer Sprache geschah; ungehalten war sie nicht, denn sie sah mich lächelnd an, und beim Einsteigen in den Wagen bekam ich von den beiden Damen einen Händedruck.
Schön ist die Lage des Spitals, und schön sind seine Gartenanlagen; am südlichsten Ende des Terrains liegt der Officierspavillon; es war ein 40 Meter langes Gebäude mit 10 Zimmern, einer gemeinsamen Vorder-Galerie und gemeinsamem »Tagverbleib«, d. h. einem Corridor, in welchem die nicht bettlägerigen Patienten zusammenkamen und durch Dominospiel u. s. w. mit ihren Leidensgenossen verkehren konnten. Ein seltsam schönes Panorama bot die Galerie; von der Heeresstrasse nach Bandongan trennte sie nur ein Gitter aus Stacheldraht. Nur zu oft sahen die jungen Lieutenants junge Damen hier ihren Spaziergang nach den Ufern des tiefer gelegenen Elloflusses machen, und ich weiss nicht, ob nicht der kleine Schalk Amor die Schritte der jungen Schönen gerade dorthin leitete, wenn, was nur selten geschah, einige Lieutenants sich dort befanden. Im Hintergrunde erhoben sich die stolzen Häupter des Merbabu und des stets rauchenden Merapis, und als im Januar des Jahres 1894 dieser Vulcan seine Feuermassen über den südöstlichen Abhang wälzen liess, hatten gerade die Bewohner dieses Officierpavillons die schönste und beste Aussicht auf dieses schaurige und romantische Bild.
Der Stacheldraht ist ein einfaches und billiges Mittel, um ein grosses Terrain abzuschliessen; aber von der praktischen Seite betrachtet, ist er nicht mehr werth, als der Eingang bei dem Hause eines Eingeborenen. Das Häuschen desselben hat einen nur einige Meter breiten Garten, welcher durch ein Gehege aus Bambus von der Strasse getrennt ist. Der Eingang in das Gärtchen ist nicht frei, sondern durch eine Scheidewand von 30–40 Centimeter Höhe behindert. Jeder Mensch und jedes Thier überschreitet dieses Hinderniss leicht und bequem. Ich hielt dies für ein Symbol des Privateigenthums. Auf gleiche Weise kann das Netz des Geheges, welches das ganze Spital umzog, nicht viel mehr, als z. B. ein Pfahl mit der Aufschrift: »Spital« leisten. Das Gehege ist 2 Meter hoch und hat Zwischenräume von 30–40 Centimetern; die Stacheln des Drahtes verhindern zwar das Durchschlüpfen des einzelnen Patienten, welcher gern eine Nacht befreit von der Zucht und Disciplin des Spitals zubringen möchte. Wenn man jedoch ein Brett darauf legt, oder wenn ein zweiter Mann die Drähte auseinander zerrt, kann man sehr leicht nach Belieben das Spital verlassen und unbemerkt zurückkommen. Thatsächlich ist die Flucht aus diesem Spitale eine häufige Erscheinung gewesen. Warum keine Schildwachen gestellt wurden, um dieses unmöglich zu machen, mit der nöthigen Beleuchtung des Terrains, weiss ich nicht. Ein »guter Soldat« ist nicht gern im Spitale; er will seinen Dienst thun, aber auch die Freiheit der Bewegung ist ihm kostbar; wenn er eine Krankheit hat, bei welcher »Leib und Seele gesund« sind, d. h. abgesehen von den örtlichen Beschwerden sich nicht krank fühlt, dann meidet der »gute Soldat« den Aufenthalt im Spitale und entzieht sich so lange als möglich dem forschenden Auge des Arztes. Ich hatte selbst einen Füsilier mit einer Blutgeschwulst (aneurysma) im Becken in Behandlung. Der ganze linke Schenkel war durch die verhinderte Blutcirculation verdickt; er hatte aber keine Schmerzen und fühlte sich gesund; zweimal flüchtete er aus dem Spitale, weil ihn, wie ich glaubte, die zarten Bande der Liebe und die starken Fesseln des Genevers hinauszogen.
Noch andere Gefahren birgt ein solches offenes Gebäude. Der Schmuggel[183] und Tauschhandel[184] mit der Aussenwelt war zum Nachtheile der Patienten und — des Spitalfonds in floribus. Der Officier wie der Unterofficier sind als Patienten ebenso grosse Kinder als der gewöhnliche Soldat. Wie oft findet der Arzt Ursache, den Genever oder die Cigarre zu verbieten? (Cigarren kann er im Spital kaufen. »Nach Ablauf der Visite« erscheint die Frau eines »Ziekenvaders«, welche von dem Spitalschef die Erlaubniss erhielt, sich eine kleine Bude zu halten. Tinte, Federn, Bleistifte, Streichhölzer, Cigarren, Briefpapier und Couverts, europäischen und javanischen Zucker und Tabak mag sie gegen feststehende Preise verkaufen.)
Fig. 25. Buddha-Statue im Innern des Tempels bei Mendút.

