Der darunter eingemeißelte, aus nicht weniger als zweiunddreißig langen Kolumnen bestehende Text ist schon durch seine Einleitung von höchster Bedeutung für die sieben Jahre der Hungersnot unter Josephs Regiment in Ägypten, wie es der Leser selber aus der folgenden, möglichst wörtlichen Übertragung der ersten vier Zeilen beurteilen kann.

„Im Jahre 18 der Regierung des Königs Tosertasis, damals, als erblicher Fürst und Regent der Städte des Südens und Landpfleger der nubischen Völker in Elephantine Madir war, da wurde diesem die folgende Botschaft des Königs zu teil.

„Ich trage Kummer um den Thronsitz und die Insassen des Palastes. Es ist in Trauer versenkt meine Seele wegen des übergroßen Unglücks, darum weil die Nilflut in meiner Regierungszeit sieben Jahre lang nicht eingetreten ist.

„Es herrscht Mangel an Getreide, es fehlen die Kräuter, und es ist eine Leere an allem, was zur Speisung dient. Jedermann wird ein Räuber an seinem Nächsten.

„Man will sich vorwärts bewegen, kann aber nicht gehen. Das Kind vergießt Thränen, der Jüngling schleicht einher und die Alten, ihre Seele ist niedergebeugt, ihre Beine sind zusammengekrümmt und auf dem Boden ausgestreckt, und ihre Hände ruhen im Busen.

„Die Großen des Reiches sind ratlos. Die Vorratskisten werden aufgerissen, aber nur Luft ist ihr Inhalt, denn alles, was vorhanden war, ist aufgezehrt.“

Der Brief des Königs an den Fürsten von Elephantine Madir oder Matir, dessen Name ziemlich unägyptisch lautet und an den ebräischen Eigennamen Matri (I. Sam. 10, 21) erinnert, beginnt also mit einer Schilderung des allgemeinen Elends infolge der siebenjährigen Hungersnot, die in der Bibel (I. Mos. 41, 56) mit den kurzen Worten angedeutet ist: „Da nun das ganze Ägyptenland auch Hunger litt, schrie das Volk zu Pharao um Brot.“

In der weiteren Entwickelung der Inschriften wird der Leser durch die Fortsetzung des pharaonischen Sendschreibens davon unterrichtet, daß der König sich an denjenigen seiner Gouverneure wendete, welcher in Elephantine, d. h. in der Nähe der vermeintlichen Nilquellen auf nubischem Gebiete seines Amtes waltete, um die Ursache der seit sieben Jahren fehlenden Überschwemmung des Stromes zu erfahren. Seine Hauptfrage berührte zwei sehr wesentliche Punkte, die Stelle des Ursprungs des Niles und das Wesen der daselbst verehrten Gottheit.

„Sage mir, so schreibt er, wo ist die Stätte der Entstehung des Nilstromes, welcher Gott oder welche Göttin ist der Schutzpatron (?) an derselben und wie ist seine Gestalt?“

Madir machte sich auf den Weg, um zum Hofe des Königs in Memphis zu gelangen und seinem Herrn und Gebieter persönlich Bericht abzustatten. Seine Schilderung ist fast von dichterischem Schwunge und verrät im einzelnen manches Altertümliche in Form und Fassung. Er leitet sie mit den Worten ein: „Es liegt eine Stadt inmitten des Stromes, bei welcher der Nil zum Vorschein kommt. Elephantine heißt sie von alters her. Es ist die erste Stadt und der erste Gau, nach dem Negerlande Wawa zu, der Anfang des ägyptischen Reiches.