„Es ist die hohe gewölbte Treppe, auf welcher der Sonnengott zur Zeit der Frühlingsgleiche nach ihrer Rechnung emporsteigt, um allen Menschen das Leben zu fristen. Anmutig zu leben, so heißt diese seine Wohnstätte.
„Die beiden Quelllöcher, also heißt das Gewässer. Das sind die Brüste, welche allem Gedeihen schenken. Sie sind das Ruhebett für den Nil.“
Nach vervollständigter Schilderung fährt er fort, um die Natur des Niles und des Schutzgottes Chnubis weiter auszumalen: „Er steigt (bei Elephantine) achtundzwanzig Ellen empor und er sinkt bei Diospolis in Unterägypten bis auf sieben Ellen. Die Sonne der Frühlingsgleiche erscheint dort als Gott Chnubis. Er schlägt den Boden mit seinen Fußsohlen und es mehrt sich die Fülle. Er öffnet den Riegel des Thores mit eigener Hand und die Thüren seines Wasserspundes thun sich weit auf.“
In der weiteren Fortsetzung seines Berichtes, die sich zunächst noch mit dem Wesen des Gottes beschäftigt, ergeht sich der Berichterstatter über die Insel und die Reichtümer der natürlichen Produkte in ihrer Umgebung. Vor allem sind es die Edelsteine und das zum Bauen verwendbare Material in den Gebirgen, welchen die Beschreibung gewidmet wird. Jedes Erzeugnis wird mit botanischer und zoologischer Genauigkeit geschildert und jede einzelne Pflanze und Steinart ihrem Namen nach aufgeführt.
Der König ist entzückt von der Darstellung und fühlt sich für die Zukunft beruhigt. „Meine Seele ist froh, so drückt er sich wörtlich aus, nachdem ich solches gehört habe.“
Er begiebt sich nach Elephantine, um dem ihm bis dahin unbekannten Gotte durch Opfer und Gebete seine Huldigung zu bezeugen, und der Gott ist nicht unempfänglich für diese königliche Verehrung. Der König erzählte: „Ich fand den Gott vor mir stehen, und ich betete ihn in Demut an. Sein Auge that sich auf, sein Herz ward gerührt, und also erscholl seine Stimme: ‚Ich bin der göttliche Baumeister (Chnum), der dich erschaffen hat. Meine Hände ruhten auf dir, um deinen Körper zu fügen und deinem Leibe Gesundheit zu verleihen. Ich flößte dir deine Seele ein.‘“
Der Gott erleuchtete den Pharao über sein Wesen in längerer Rede und fährt darauf fort: „Ich werde für dich die Nilflut ohne Fehl alljährlich eintreten lassen, und sie soll sich niederlassen auf alles Land. Es soll sprossen der Pflanzenwuchs, und sich beugen, was da Mehl trägt. Der göttliche Segen soll auf allen Dingen ruhen und alles millionenfach nach der Elle des Jahres sich mehren. Voll sollen haben die Untergebenen und die Zuversicht in ihrer Seele samt ihrem Herrn aufleben. Vorübergehen soll das Elend. War der Mangel bisher in den Vorratskammern, so soll nun das Ägyptervolk auf das Feld gehen. Die Auen werden strahlen und das Getreide soll auserlesen werden. Grünen (d. h. erfreut sein) sollen ihre Herzen mehr als je vorher.“
Einem solchen Versprechen gegenüber gewinnt der König seinen ganzen Mut wieder. Seine Worte, die sich den vorangehenden unmittelbar anschließen, sagen dies auf das Klarste, geben aber auch zugleich seinen Entschluß kund, sich dem Gotte für alle Zukunft hin dankbar zu erweisen. Und das war, um es gleich von vornherein zu sagen, der eigentliche Zweck der ganzen Inschrift.
„Ich fühle mich erweckt bei der Aussicht auf die Pflanze. Mein Mut kam wieder und ins Gleichgewicht trat meine Niedergeschlagenheit.“
„Ich erließ folgenden Befehl an der Stelle, wo mein Vater, der göttliche Baumeister weilt: ‚Ich, der König, gewähre dir, Gott Chnubis, dem Herrn des Kataraktenlandes auf nubischem Gebiete, den Unterhalt als Dank für das, was du mir thun wirst.‘“