Zur ältesten Geschichte des Goldes.

Das Gold ist das edelste Metall, welches noch heute im Handel und Wandel den höchsten Wertmesser der Abschätzung bildet. Das war bereits in den ältesten Zeiten der menschlichen Geschichte der Fall, in welchen das Gold an der Spitze aller übrigen Metalle stand und die Sehnsucht nach seinem Besitze das menschliche Herz erfüllte. Sein Glanz wurde mit dem Leuchten des Sonnenstrahls verglichen und die Ägypter gingen so weit, sogar die Körperhaut des Sonnengottes als goldig zu bezeichnen im Gegensatz zu den bleichen Knochen seines Leibes, für welche sie die Farbe des Elektrums wählten, einer Mischung von Gold und Silber, das in natürlichem Zustand in Flüssen und in Bergwerken vorkommt und nicht mit dem gleichnamigen Worte für den Bernstein verwechselt werden darf.

Neben der Eigenschaft des Glanzes haftete nach dem Glauben der alten Ägypter dem Golde eine typhonische, d. h. schädliche und Verderben bringende bei, welche sich merkwürdig genug in dem Urteil über das Gold bei den Mohammedanern wieder findet. Es wird nämlich den frommen Anhängern des Islam empfohlen und die Empfehlung meist auch befolgt, vor dem Gebete alle goldenen Gegenstände am Körper, wie z. B. goldene Uhren und Ringe, hübsch beiseite zu legen, um nicht satanischen Einflüssen anheim zu fallen.

Der Goldschmied gehörte zu den ältesten Künstlern der Welt. Wenn wir auch nicht in der Lage sind, die verschiedenen Verrichtungen seiner Arbeit auf Grund vorhandener Abbildungen eingehender zu beurteilen, so beweisen die in ägyptischen Sammlungen ausgestellten Gegenstände aus Gold einen hohen Grad seiner Kunstfertigkeit. Der uralte ägyptische Gott Ptah, welchen die Griechen mit ihrem Hephaistos, die Römer mit ihrem Vulkan zusammenstellten, galt in Memphis als der Schutzpatron der Goldschmiede, sein besonderes Heiligtum führte deshalb den Namen der Goldschmiede, und sein jedesmaliger Oberpriester die Bezeichnung eines „Werkmeisters“ im Dienste des Gottes. Memphis hatte für die Goldschmiedekunst eine hervorragende Bedeutung und noch in den Zeiten der Ptolemäer befand sich in dieser Stadt eine Münzstätte des Reiches. Daß Memphis in der Schmelzkunst von Metallen überhaupt einen besonderen Vorrang einnahm, beweisen die zu Tausenden vorhandenen Bronzen, welche in der Wüste in der Nähe des Serapeums bei Memphis noch heute gefunden werden. Es giebt einzelne Stellen, in welchen Bronzestatuetten zu Hunderten im Sande verscharrt liegen.

Es ist eine auffallende Erscheinung, daß bei der Aufzählung von Metallen, edlen und unedlen, nicht nur dieselbe Reihenfolge von den Ägyptern beobachtet wurde, sondern daß sich mitten in dieselbe zwei Minerale eingeschoben finden, welche man zu den kostbaren Steinen rechnete und in den älteren Zeiten der Geschichte Ägyptens, nachweisbar bis zum sechzehnten Jahrhundert hinauf, wie Gold und Silber als Tauschmittel benutzte und deshalb wie die Edelmetalle nach ihren Gewichten in Pfunden und Loten in Ganzen und Bruchteilen näher bestimmte. Das waren der dunkelblaue Lasurstein und der grüne Malachit. Man begreift diese Einschiebung sofort, sobald man das Prinzip der alten Ägypter erkannt hat, Reihen von Mineralien nach ihrer Farbe zu ordnen, und zwar in der Folge von Weiß (Silber), Gelb (Gold), dunkelblau (Lasurstein), Grün (Malachit), Wasserblau (Eisen), Rot (Kupfer) und dunkelgrau (Blei). Die Anordnung entspricht im allgemeinen der Folge der Farben auf einer Palette im ägyptischen Museum von Berlin. Von der Farbe selbst sind die uralten Namen für das Silber als „das Weiße“, und für den Lasurstein und den Malachit als „das Dunkelblaue“ und „das Grüne“ abgeleitet. In bunten Abbildungen erscheinen in der That Waffen, Schmucksachen, Geräte u. s. w. aus Metallen oder Edelsteinen in der angeführten Färbung: goldene Ringe gelb, silberne schneeweiß, eiserne Kriegshelme, Schwerter, Beile, Lanzenspitzen hellblau, kupferne Helme und Waffen, Sägen, Sicheln, Messer, Spiegel u. s. w. rot ausgemalt. Für die Geschichte und das Vorkommen der Metalle bieten derartige buntfarbige Gemälde ein sehr wertvolles Material zur Beurteilung ihres ältesten Vorkommens und ihrer ältesten Verwendung.

Das Zeichen für Gold stellt sich in der ägyptischen Hieroglyphik in Gestalt eines langen zusammengelegten Zeugstückes dar, das an den beiden Enden erfaßt wurde, um aus dem darin enthaltenen klein gestampften Golderz das Edelmetall durch Schwenken auszuwaschen. Die Anwesenheit von Wasser darin wird in den Zeichnungen nicht selten durch herabfließende Tropfen angedeutet, um an die Goldwäsche zu erinnern.

Die älteste Wiege des Goldes, um mich dieses Ausdrucks zu bedienen, darf nur in den „Goldgebirgen“ gesucht werden, welche auf der asiatischen und afrikanischen Seite der Küsten des Roten Meeres sich von Nord nach Süd entlang ziehen und bereits in den Urzeiten der Geschichte von menschlichen Händen mit Hilfe einfacher Werkzeuge ausgebeutet wurden. Auch in den Betten der Flüsse, deren Quellen in goldhaltigen Bergen entsprangen, lagerte sich von der Natur ausgewaschenes Gold in Staubform und in körniger Gestalt ab, wie es noch in der Gegenwart auf einzelnen ostafrikanischen Gebieten, wie z. B. in Fazoglu und in dem noch wenig erforschten Lande Kafa im Süden Abessiniens in mehr oder weniger großen Mengen gefunden wird und als Tauschmittel bei dem Handelsverkehr nach außen hin dient.

Die ostafrikanischen Goldlager wurden bereits in der ersten Hälfte des dritten Jahrtausends von den alten Ägyptern ausgebeutet und ausgenutzt und in den folgenden Jahrhunderten in so ausgiebiger Weise durch fortgesetzten Bergbau erschöpft, daß heutigestags in der Epoche des Dampfes und der Maschinen wenig mehr an Ort und Stelle zu gewinnen sein dürfte. Über die Hauptörtlichkeiten, an welchen sich Goldlager befinden, ist man nicht bloß durch inschriftliche Zeugnisse auf das Vollkommenste unterrichtet, sondern die alten Goldgebirge öffnen noch in der Gegenwart ihre Eingänge den Reisenden, welche vom Nile oder von der Küste des Roten Meeres durch die einsamen vegetationsleeren Thäler der Wüstengebirge ihren Weg einschlagen. Das nördlichste Goldgebirge auf der arabischen Seite Ägyptens lag an der mit reichen Inschriften versehenen Bergstraße, welche von der Stadt Koptos am Nile in der Richtung nach dem Thale von Hammamat bis zu dem heute Kosseir genannten Hafenplatze am Roten Meere führte. Die eigentlichen Goldminen, deren Dasein durch eine Expedition amerikanischer Offiziere im Dienste des damaligen Chedives von Ägypten Ismael im Jahre 1875 wieder aufgefunden wurden, lagen in einem Wadi Namens Fanachir. Das daselbst gewonnene Gold führte nach der Stadt am Nil, welche den Ausgangspunkt der Wanderung der Bergleute bildete, die Bezeichnung „des Goldes von Koptos“. Ein neues Goldgebirge erstreckte sich im Süden des vorigen; es lag in der Nähe des Gebel Zebara, nach dem Roten Meere zu. Der Kopf der Straße begann gleichfalls auf dem östlichen Ufer des Niles, gegenüber der von den Griechen und Römern Apollinopolis genannten Stadt (das heutige Edfu), welche ihren Namen auf den des Goldes übertrug.

Eine dritte Station lag acht bis zehn Meilen in südlicher Richtung vom Gebel Zebara. Der Weg dorthin nahm seinen Anfang von der am rechten Nilufer gelegenen Stadt Ombos (heute als Kum Ombu oder „Schutthügel Ombu“ bekannt), deren Namen gerade so viel als „Goldstadt“ bezeichnet. Die alte Straße der Goldgräber folgte in etwas südlicher Ablenkung gleich hinter Ombos der Richtung nach dem alten Hafen von Berenice, in dessen Nähe die Spuren der im Altertum von den Ägyptern ausgebeuteten Goldminen zu suchen sind.