Die Sprache, in welcher das Schriftstück abgefaßt ist, zeigt den altertümlichen Charakter ihrer Zeit, gewinnt aber gerade dadurch an Reiz für uns Epigonen der Weltgeschichte. Es sei mir darum gestattet, die wichtigsten Teile des auf zwei Seiten verteilten 39 Zeilen enthaltenden Textes in einer möglichst dem Wortsinn sich annähernden Übersetzung vorzulegen. Die Urkunde beginnt: „Im dritten Jahre, am ... Tage des dritten Monats der Überschwemmungsjahreszeit, unter der Regierung des Königs von Ober- und Unterägypten Choper-ke-re, des Sohnes der Sonne Usortisen I., des Triumphators, der ewig und immerdar leben wird, schmückte sich der König mit der Doppelkrone Ägyptens, um sich im Thronsaal zu einer Sitzung niederzulassen.“
„Die Beratung mit denjenigen, welche sich in seiner Umgebung befanden: den Freunden, den ..... des königlichen Hauses und den (sonstigen) Würdenträgern, betraf eine zu gründende bauliche Anlage.“
„Die Reden fielen, abwechselnd hörte man sie und die Beratung berührte die Ausschachtung des Erdbodens.“
„Der König erging sich über den Nutzen von Arbeiten, deren Gedächtnis als Beweis vortrefflichster Handlungen der Nachwelt dastehen sollte.“
„Ich will ein Denkmal ausführen (so sprach er) und ein dauerndes ..... aufstellen dem leuchtenden Sonnengotte Horus zu Ehren.“
Seine weitere Rede versteigt sich zu einer dichterischen Sprache, die sich in Lobeserhebungen auf den Lichtgott erschöpft, als dessen Sohn der König sich betrachtet, der ihn auf den Königsstuhl gesetzt und dem er durch Opfer und Weihgeschenke seine Dankbarkeit und seine Verehrung öffentlich zu bezeigen sich verpflichtet fühle.
Der hohe Rat bleibt die Antwort darauf nicht schuldig, denn im Verlauf der Urkunde heißt es weiter: „Da redeten die Freunde des Königs, indem sie an ihren Gott (d. h. den Herrscher) eine Erwiderung richteten, also: „Der Überfluß ruht in deinem Munde und die Sättigung steht bei dir, du königlicher Gebieter! Deine Absichten seien verwirklicht. Schmücke dich mit der Doppelkrone der Herrschaft über Süd und Nord, um die Grundsteinlegung (wörtlicher: die Ausspannung der Meßschnur) an deinem Gotteshause zu vollziehen.“
Damit ist auch ihre Rede noch nicht zu Ende. Der Panegyrikus der hohen Beamten richtet sich nunmehr an den König selber, um seinen Entschluß zur Anlage des Bauwerkes zu preisen und ihm anzuraten, seinem Oberschatzmeister sofort den Befehl zu erteilen, die nötigen Vorkehrungen zu treffen, die Bauhandwerker herbeizurufen und die Arbeit sofort in Angriff nehmen zu lassen.
Der Schluß, wenn auch kürzer als alles Übrige gefaßt, krönt das Ganze. Er lautet: „Der König schmückte sich mit dem Federndiadem und die Leute standen neben ihm. Der oberste Schriftgelehrte las aus dem Buche über die Ausspannung der Meßschnur und die Einpfählung des Holzpflockes in den Erdboden. Nachdem das für diesen Tempel vollzogen war, ging seine Majestät von dannen und wandte sich angesichts der [versammelten Menge] um.“